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Laden in Bilbao : Erfolg dank Guggenheim

  • -Aktualisiert am

Zwei Freunde haben eine der schmutzigsten Städte der Welt verlassen und führen einen Laden in Bilbao. Das nützt auch ihren Familien in Bangladesch.

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          Unsere Situation in Bangladesch war sehr schlecht. Ich wohnte zusammen mit meinem Freund Baldev, meiner und seiner Familie in einer kleinen Wohnung in Tongi, in der Nähe von Dhaka, einer der schmutzigsten Städte der Welt. Baldev und ich arbeiteten in einer großen Autoreifenfabrik, aber wir träumten von einer besseren Zukunft für unsere Kinder. Ich fing an, einen Teil meines monatlichen Gehalts zu sparen und mich über Länder zu informieren, in die wir emigrieren könnten. Da ich einen Cousin in Madrid hatte, entschieden wir uns für Spanien.“ Am 6. September 2015 kamen die beiden Freunde in Madrid an, nach einer 36-stündigen Flugreise von Bangladesch, wo sie sich traurig von ihren Familien verabschiedet haben, aber mit der Hoffnung, sie könnten bald nachkommen. Heute glaubt Anart Bachchan, dass diese Hoffnung bald erfüllt wird. Seit 2017 wohnt er in Bilbao und betreibt zusammen mit seinem Kollegen Baldev Kulkarni, der kaum Spanisch spricht, den Obst- und Gemüseladen Frutas y verduras buenas.

          Touristenstrom in ihrer Straße

          „Als Anart mir zum ersten Mal vorschlug, Madrid zu verlassen und unserer eigenes Geschäft in Bilbao zu eröffnen, war ich skeptisch. Denn warum sollte ich eine sichere Arbeit aufgeben, für die ich genug Geld bekam, um die Miete zu zahlen und um ein wenig davon meiner Familie zu schicken? Aber jetzt bin ich ihm unglaublich dankbar.“ Baldev übertreibt nicht: Der Umzug hat sich gelohnt. Am 8. Juni 2017 eröffneten sie Frutas y verduras buenas in einem kleinen Lokal, wo es früher einen Friseur gab. Der Laden befindet sich in der Straße Iparraguirre im Zentrum, die zum Guggenheim Museum führt. Durch die Straße ergießt sich ein Touristenstrom und garantiert eine tägliche Nachfrage von Früchten und Getränken. „Schon wenige Wochen nach der Eröffnung hatten wir mehrere feste Kunden, die jeden Tag bei uns kauften und auf gewisse Art und Weise mit uns befreundet sind“, sagt Bachchan, der gerade einen Kunden begrüßt: „Hallo Juan! Wie geht’s! Was macht die Familie?“ – „Alles gut, Anart! Bin ein bisschen gestresst von der Arbeit, aber man muss Gott danken“, antwortet Juan, ein elegant angezogener Mann mit Anzug und Krawatte, der von der Arbeit zurückkehrt und ein paar Bananen für seine Kinder kauft.

          Die 90-jährige Kundin ruft täglich an

          An der Kasse hat sich eine lange Schlange gebildet. Der Kundenkreis ist höchst unterschiedlich, von einer alten Frau, die von ihrem Yorkshire draußen erwartet wird und die kaum noch etwas hört, bis zu einem Jugendlichen, der Kopfhörer und einen Tennisschläger trägt und Bananen essen möchte, bevor er trainiert. Nun befinden sich 15 Menschen im Laden. Hinter einer Gardine sieht man eine kleine Toilette und ein altes Festnetztelefon an der Wand. Es klingelt. „Es ist bestimmt Marisa, sie ruft immer zu dieser Zeit an“, sagt Anart. Marisa Sánchez ist eine 90 Jahre alte Frau, die jeden Tag anruft, die beste Kundin der Frei-Haus-Lieferung. „Sie war die Kundin, die uns damals empfohlen hat, auch Getränke und Snacks anzubieten, und jetzt bilden diese den Großteil unseres Einkommens“, erklärt Baldev. Der Laden leert sich langsam. Ahmed, Baldevs Sohn, der 2017 ankam, ist mit dem Lieferwagen zurück. Anart putzt, während Baldev die reifsten Früchte einer Obdachlosen gibt. Endlich sind sie fertig. „Es sind gute Menschen, ich hoffe, dass sie ihre Familien bald wiedersehen können“, sagt die obdachlose Frau und beißt in ihren Apfel.

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