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Kroatisches Kulturprojekt : Max sucht den Superstar und lernt Deutsch

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Von Märchen, Poesieabenden, Theater und Talenten unter Schülern und einer tollen kroatischen Lehrerin. Lea Lesar-Dolenc greift viele Ideen auf.

          4 Min.

          Wie immer hat Lea Lesar-Dolenc viel zu tun. Freizeit kennt die schlanke, mit ihren kurzen, modisch frisierten Haaren jugendlich wirkende 43-Jährige kaum. Die alleinerziehende Mutter von zwei Kindern, die als Grundschullehrerin im nordkroatischen Dorf Vidovec bei Varaždin arbeitet, ist ständig auf den Beinen. Sie räumt den Keller auf, ist verdreckt und erschöpft. Da gibt ihr die Mutter aufgeregt einen Brief. Lea Lesar liest und versteht nicht, worum es geht. Ihr Lebensgefährte Marius Schiener klärt sie auf: „Du erhältst das Verdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland.“ Ungläubiges Staunen. Was fast wie ein Märchen klingt, fängt 2003 an der Grundschule Vidovec tatsächlich mit einem Märchen an. Es ist eine dieser typischen, langweiligen Grammatik-Stunden in Deutsch als Fremdsprache. „Können wir nicht mal etwas anderes machen?“, fragen die Kinder ihre Lehrerin. Die schlägt vor, das Märchen „Der Wolf und die sieben Geißlein“ zu spielen. Begeistert lassen sich die Schüler darauf ein und gründen auch noch eine Zeitschrift dazu: „MAX“ erscheint seit dieser Zeit regelmäßig und bis heute als einzige deutschsprachige Schülerzeitung Kroatiens im Grundschulbereich.

          Auf der Bühne des Nationaltheaters

          Das Theaterprojekt wächst. Weitere Gruppen aus der eigenen Grundschule und der Umgebung kommen dazu. 2017 gibt es dann bereits zum 15. Mal die Internationalen deutschsprachigen Theaterspiele. Zu dieser Zeit finden die Aufführungen in der benachbarten Stadt Varaždin statt. Im April 2018 waren 54 Gruppen dabei, aus Kindergärten, Grund- und Mittelschulen und von Universitäten. Die Deutsch lernenden Schülerinnen und Schüler kommen aus acht Ländern, insgesamt machen mehr als 900 Teilnehmer mit. An vier Tagen besuchen sie Workshops in Vidovec und zeigen selbstgeschriebene oder nachgespielte Stücke auf der großen Bühne des Nationaltheaters Varaždin. Durch Krešimir Golub, einen ehemaligen Studienkollegen, erhält Lea Lesar seit zehn Jahren organisatorische Unterstützung. 2013 lernt sie Marius Schiener kennen. Der 46-jährige Theaterschauspieler und Regisseur aus Wien war für das Österreichische Kulturforum zu Gastauftritten in Kroatien. Begeistert stieg er in das Projekt mit ein. Bruno Hranić, Bürgermeister von Vidovec, ist ebenfalls ein großer Unterstützer. Er gibt die Idee für die Gründung des gemeinnützigen Vereins Europäischer Kulturkreis, Ekult, der mit Lea Lesar, Krešimir Golub und Marius Schiener im Vorstand mittlerweile weitere Projekte organisiert und unterstützt, die alle die deutsche Sprache in der Region Varaždin attraktiv machen. Dazu gehört zum Beispiel die deutschsprachige Talentshow „Max sucht den Superstar“, die an der Grundschule von Krešimir Golub in Cestica an der Grenze zu Slowenien durchgeführt wird. Auf dieses Projekt folgte „Max sucht den Superstar II“, eine Talentshow für Mittelschüler und Studenten, die an der Wirtschaftsschule in Varaždin hauptsächlich von Melanija Klarić organisiert wird. Deutschsprachige Poesieabende und weitere Veranstaltung kommen hinzu. Mittlerweile hat sich eine Redewendung eingebürgert: „Für Deutsch muss man in der Region Varaždin kaum werben, denn hier ist Deutsch Ekult.“ Im Fokus stehen die Theaterspiele. Zur Finanzierung der Kosten von etwa 20 000 Euro tragen vor allem die Gemeinde Vidovec, die Stadt Varaždin, die Regionalverwaltung und private Sponsoren bei. Die Theatergruppen tragen fast alle ihre Kosten für die Reise und einen Teil der Unterkunft selbst.

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