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Kribbeln im Bauch : Im Grunde ist die Liebe Stress

  • -Aktualisiert am

Im siebten Himmel Bild: REUTERS

Wenn zwei Menschen sich näher kommen, rasten Hormone und Botenstoffe im Körper aus: Magen und Darm drehen durch, weiche Knie sind keine Seltenheit. Biologisch gesehen ist Verliebtsein also purer Stress. Und das soll gesund sein?

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          Wie nur die richtigen Worte finden? Eva sitzt auf den Stufen vor dem Haus und tippt auf ihr Handy ein. Seit gefühlten Ewigkeiten geht das so: tippen, löschen, tippen. Immer noch nicht richtig, wieder von vorn. 160 Zeichen sind so wenig - und zugleich so viel. „Soll ich überhaupt schreiben?“, fragt sie endlich. „Jaha“, ruft Rike aus dem Garten und kann sich ein Grinsen nicht verkneifen.

          Vor zwei Wochen kam Eva aus dem Urlaub zurück und eröffnete: „Ich glaub', ich hab' mich verliebt.“ Seither läuft sie ständig mit diesem seligen Lächeln herum, geht keinen Schritt mehr ohne Handy, checkt stündlich ihre E-Mails und ist zu Tode betrübt, wenn keine neue da ist. Manchmal bekommt sie beim Essen keinen Bissen runter. „Ich weiß auch nicht, was los ist“, meint sie und grinst.

          Botenstoffe toben durch den Körper

          Was los ist? Von außen betrachtet, könnte man sagen: Eva schwebt im siebten Himmel. Es hat sie erwischt. Sie ist verknallt, weiß nicht mehr, wo ihr der Kopf steht. Das ist los. Evas Körper ist im Ausnahmezustand. Den genauer zu beschreiben, haben Wissenschaftler schon öfter versucht. Sie luden Verliebte ein, ließen sie Fragebögen ausfüllen. Sie zapften ihnen Blut ab und durchleuchteten die Gehirne.

          Ergebnis: Wenn Verliebte vom Kribbeln im Bauch sprechen, toben die Botenstoffe durch den Körper. Ein Hormon namens Adrenalin putscht auf und versetzt ihn in höchste Anspannung. Magen und Darm drehen durch und man bekommt weiche Knie.

          Verliebtsein ist biologisch gesehen Stress. Aber, keine Angst, den hält der Körper lange aus, erklärte ein Hamburger Sexualforscher einmal. Eine Forscherin in Italien ergründete, warum Verliebte nur noch den oder die Angebetete im Kopf haben. Sie fand im Blut Verliebter von einem anderen Botenstoff, dem Serotonin, nur sehr geringe Konzentrationen. Und zwar so geringe wie sie auch bei Menschen mit Zwangsstörungen vorkommen, also Leuten, die sich etwa ständig die Hände waschen müssen. Verrückt nach jemandem sein - das ist vielleicht doch mehr als ein Spruch.

          Blutwert plus Herzschlag gleich Liebe?

          Doch soll man sich Verliebtsein tatsächlich als Formel denken: Blutwert plus Herzschlag gleich Liebe? Besser nicht. Denn wenn man ehrlich ist, ist die Messerei nur eine Krücke für die Wissenschaft. Anders bekommen Mediziner und Biologen die Liebe nicht eingefangen.

          Das Gefühl, mit jemandem einfach zusammensein zu wollen, die gleiche Musik zu hören und über ähnliche Dinge zu lachen - das sprengt jede Formel. Und im Moment auch Evas Kopf. Alle Worte scheinen leer und irgendwie beliebig. Mit den Schmetterlingen im Bauch fängt es an. Wer hat die eigentlich erfunden? „Mein Herz tanzt“ - schon besser, aber aus einem Lied geklaut. Die Liebe wird besungen wie sonst nichts. Und so bleibt auf der Suche nach Einmaligkeit nicht viel übrig von den 130.000 Stichwörtern aus dem Duden. Dabei haben wir Deutschen es noch gut. Ein Wort wie Schwärmerei gibt es in vielen anderen Sprachen gar nicht. Oder schmusen. Das hat ein Freund aus Kanada zu seinem deutschen Lieblingswort erkoren. Es klingt so schön.

          Wie ein kleiner Liebesbrief

          Liebe mit Worten zu greifen ist für Paare, die unterschiedliche Sprachen sprechen, erst recht ein Kunststück. Wenn es ein Wort wie Verliebtsein oder Miteinandergehen in einer der Sprachen gar nicht gibt - wie will man da rausfinden, ob die Gefühle die gleichen sind?

          Dagegen hat Eva es leicht. „Ich glaub', ich lass' es“, sagt sie geknickt. Eine schöne SMS könnte sein wie ein kleiner Liebesbrief. Aber heißt es nicht immer, per SMS missverstehe man sich meist? Mit einem Blick wäre vielleicht alles gesagt. Da klackt Evas Handy, eine Nachricht - unterschrieben mit „HDL“. Hab Dich lieb.

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