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Konzertarzt : Vor Xavier Naidoo fiel die Patientin in Ohnmacht

  • -Aktualisiert am

Bild: Andrea Koopmann

Hinter Konzertkulissen Wunden nähen und Randalierer versorgen: Marcus Roos arbeitet als Notarzt im Hallenstadtion Zürich.

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          Ein unangenehmes Geräusch reißt Marcus Roos aus der Faszination des Konzerts mit Sting und Paul Simon, dem er gerade noch friedlich gelauscht hat. Pflichtbewusst blendet er die Musik aus und nimmt das piepsende Funkgerät zur Hand. Eine knisternde Stimme meldet ihm einen Notfall durch den Lautsprecher des Walkie-Talkies. Ein Mann sei im Foyer versehentlich in eine Glastür gelaufen. Eilig macht sich der in Zivil gekleidete 47-Jährige auf den Weg in sein Sanitätszimmer. Er hat nun auf Arbeit umgestellt.

          Marcus Roos wirkt als Notarzt im Hallenstadion Zürich, mit 13 000 Plätzen einer der größten Sport- und Konzerthallen Europas. Der Vater von vier Kindern wohnt im Kanton Aargau und führt eine pädiatrische Arztpraxis in Wohlen bei Bremgarten im Westen von Zürich. Den Job im Hallenstadion hat er eher per Zufall erhalten. Roos arbeitete als Sportchirurg in einer Privatpraxis und wurde von seinem Chef angefragt, ob er den Posten eines Bekannten als Notarzt im Hallenstadion übernehmen wolle. Roos zögerte nicht lange und nahm die Stelle an. Nicht nur, weil er so bei vielen Veranstaltungen sein kann, sondern weil das Ganze ein bisschen wie eine Wundertüte funktioniert. „Es ist halt Akutmedizin. Man weiß nie richtig, was als Nächstes auf einen zukommt“, sagt Roos. „Bei meiner täglichen Arbeit als Pädiater dagegen weiß ich schon im Voraus, was ich als Nächstes behandle, und kann mich vorbereiten. Der Nebenjob im Hallenstadion ist mehr wie ein Hobby und hält im Alltag fit.“

          Rissquetschwunde am Kopf

          Als er den kleinen, grellbeleuchteten Raum betritt, liegt der Patient auf einer der drei Liegen. Gedämpft hört man die Bässe. Der Mann hat sich eine Rissquetschwunde am Kopf zugezogen. Während Roos mit ihm spricht, zieht er eine Spritze mit einem Lokalanästhetikum auf, um die Wunde lokal zu betäuben. Nachdem er sie desinfiziert hat, deckt er sie mit einem grünen Lochtuch ab.

          Es kam schon vor, dass Musiker vor ihrem Auftritt nach einem Notarzt fragten, weil sie sich nicht sicher waren, ob sie auftreten können. Roos berichtet von einer Popsängerin, derentwegen er eine Stunde früher aus der Praxis eilen musste, nur weil sie wegen einer Heiserkeit nicht sicher war, ob sie auftreten konnte. Oder von einem Country-Musiker, der ein Problem mit seinem Unterkiefer hatte. „Das sind sehr seltene Fälle, ich begegne den Künstlern sonst nie persönlich. Und ich gehe auch nicht backstage, um für mich oder meine Kinder ein Autogramm zu organisieren.“ Sorgfältig näht er nun die Wunde. Bald darf der Patient wieder ins Konzert zurück. Und er selbst auch.

          Am liebsten Popkonzerte und Sportevents

          Die Einsätze werden zu Jahresbeginn eingeteilt. Je Anlass ist meistens ein Notarzt aus dem Team dabei. Bei größeren Veranstaltungen jedoch, zum Beispiel beim „Masters of Dirt“, einer wilden Freestyle-Motocross-Show, sind wegen des hohen Unfallpotentials drei Notärzte aktiv, versichert Roos. Er selbst bevorzugt Popkonzerte und Sportevents wie Eishockeyspiele, Tennisduelle oder das berühmte Sechstagerennen. „Man kann zwar bei der Einteilung gewisse Präferenzen angeben, muss manchmal aber auch mit Einsätzen leben, die einem nicht so ganz entsprechen, was bei mir zum Beispiel Generalversammlungen von Großfirmen oder Volksmusikkonzerte sind.“ Roos legt dem Verletzten noch einen Pflasterverband an. Der Patient bedankt sich. Wie die meisten ist er erstaunt, wie gut diese 25 Quadratmeter Sanitätszimmer ausgerüstet sind.

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