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Knabenchor : Unter Chorknaben

  • -Aktualisiert am

Mike Etrich liebt Musik und ist deshalb ins Internat gezogen. Der 18-Jährige singt im Windsbacher Knabenchor und probt viermal in der Woche. Mindestens.

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          Mike Etrich liebt Musik. Er liebt es zu singen. Aber während sich andere Schüler in seinem Alter mit dem Schulchor begnügen, will er mehr aus seiner Stimme machen. Er schaffte es, bei einem der renommiertesten Knabenchöre Deutschlands aufgenommen zu werden - dem Windsbacher Knabenchor. Insider nennen den Windsbacher Knabenchor in einem Atemzug mit den Regensburger Domspatzen, den Wiener Sängerknaben oder dem Thomanerchor in Leipzig. Der Chor besteht seit 1946. Mike ist 18 Jahre und seit sieben Jahren dort im Internat. Das in der Nähe von Nürnberg gelegene Windsbach ist mehr als 200 Kilometer von Mikes Heimatort Durmersheim bei Karlsruhe entfernt. Manche Konzertreisen führen weit weg. Der Auftritt vor der spanischen Königin und die Amerika-Reise seien Höhepunkte gewesen, sagt er.

          Danach geht es zum Johann-Sebastian-Bach-Gymnasium

          Der Alltag ist aber weit weniger aufregend. Mike steht um sechs Uhr auf, um sich in der Frühstudierzeit auf den Schultag vorzubereiten. Er wiederholt Englisch- und Lateinvokabeln und erledigt Hausaufgaben. Nach dem Frühstück läuft er zum nahen Johann-Sebastian-Bach-Gymnasium. Nach dem Unterricht gibt es Mittagessen im Internat. Anschließend hat Mike eine Stunde frei. Den größten Teil seiner Hausaufgaben erledigt er nachmittags. Von Montag bis Donnerstag findet abends jeweils eine Chorprobe statt. Montags um 19 Uhr direkt nach dem Abendessen proben die Männerstimmen allein. Dienstags, mittwochs und donnerstags proben sie gemeinsam mit den Knabenstimmen.

          Schon in Durmersheim hat er Klarinette gespielt

          Es gibt ein Fußballfeld, Tischtennisplatten und einen Airhockey-Tisch. Mike zieht sich auch gerne in sein Zimmer an seinen Computer zurück. In der Schule ist Musik ein Hauptfach, da es sich um ein musikalisches Gymnasium handelt. Außerdem muss jeder der Chorknaben auf dem Gymnasium mindestens ein Instrument lernen. Mike spielt Klarinette. Er hatte bereits im Durmersheimer Musikverein Unterricht. Zu Hause begleitete ihn sein Vater auf Gitarre oder Klavier. Seine Mutter singt in einem Chor. „Ich wollte einfach ausprobieren, wie es ist, täglich intensiv Musik zu machen“, sagt Mike.

          Bis zur neunten Klasse wohnte er gemeinsam mit einem Klassenkameraden in einem Zimmer. Seit der zehnten Klasse hat er eines für sich allein. Heimweh hatte er nur am Anfang. Zwar dürfen die Schüler, abhängig von den Konzertterminen, einmal im Monat nach Hause fahren. Aber die intensive Arbeit im Chor fördert den Gruppenzusammenhalt und enge Freundschaften, so dass Windsbach für neue Schüler schnell zu einer zweiten Heimat wird. Das Wichtigste ist natürlich der Chor. Zwar ist es auch möglich, das Internat zu besuchen, ohne im Chor zu singen, das ist aber mit höheren Kosten verbunden. Vor Konzerten gibt es zusätzliche Proben am Wochenende. Auf die Frage, ob das mit der Schule vereinbar ist, antwortet Mike zögerlich: „Manchmal wird es schon knapp.“

          Ab und zu gibt es eine große Reise

          Einmal im Jahr gibt es eine Auslandsreise. Alle zwei Jahre findet eine große Auslandsreise statt, wie Mikes Reise durch die Vereinigten Staaten. Bei ihren Konzerten singen sie alle Arten von Stücken „von Bach zu Modernen“ mit vier bis acht verschiedenen Stimmen. Die Chorknaben haben aber keinen Einfluss darauf, welche Lieder sie singen. Die musikalische Erziehung hat zwar Einfluss auf den privaten Musikgeschmack, aber das heißt nicht, dass Mike nur Bach oder Beethoven hört. Er liebt zum Beispiel den A-cappella-Chor Wise Guys. Er hat schon mehrere von ihren Konzerten besucht. Er hört aber auch viele Stücke von Rise Against und Linkin Park. Anfangs hat er zwar seine Eltern und seine beiden Brüder vermisst, aber inzwischen könnte er es sich anders gar nicht mehr vorstellen, sagt er und lächelt. Sänger will er später nicht werden. Stattdessen möchte er in Franken bleiben und Biomedizintechnik in Ansbach studieren. Teamgeist und Disziplin bringt er mit.

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