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Kloster St. Peter, Schwarzwald : Arbeite, Gast, oder zieh weiter!

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Bild: Moni Port

Ein ehrgeiziger Abt, skeptische Mönche, Uhrenpater, tüchtige Astronome und der schönste Rokokosaal im Breisgau. Mit einem Professor durch das Kloster St. Peter.

          5 Min.

          Das Kloster St. Peter zeigt, wie bereits vor Jahrhunderten Bilder symbolisch aufgeladen wurden und mit Emblemen Politik gemacht wurde“, sagt Hans-Otto Mühleisen, emeritierter Professor für Politikwissenschaften. „Ein anschauliches Beispiel für die reiche Symbolik des Klosters findet sich hier in der Bibliothek“, erklärt Mühleisen und deutet auf ein Ensemble von vier gelehrten Benediktinern in Ölbildern über den Bücherborden. Zwei von ihnen hängen am einen, die anderen beiden am gegenüberliegenden Ende der Rokokobibliothek des Klosters St. Peter auf dem Schwarzwald und zeigen jeweils einen Mönch, der zweimal von einem Engel bei seiner Arbeit „geleitet“ und „kontrolliert“ wird und zweimal als sogenannter „Selbstdenker“ eigenständig forscht. „Schöner kann man die aufklärerischen Spannungen im 18. Jahrhundert nicht darstellen“, findet der 77-Jährige. Seit mehr als 50 Jahren führt Mühleisen Interessierte durch das Kloster, weil es ihm wichtig ist, dass die Erinnerung an seine bewegte Geschichte nicht verlorengeht.

          Die Autorität der Heiligen nutzen

          Doch nicht nur die gesellschaftlichen Konflikte der damaligen Zeit beschäftigten die Mönche in St. Peter. Ein Beispiel für Spannungen innerhalb des Klosterlebens selbst ist der Bau der Bibliothek, die an den Wänden von verzierten Bücherregalen und in der Mitte von einem antiken Kartentisch eingenommen wird. Mühleisen deutet dazu auf ein Bild außerhalb der Bibliothek, das vier schlafende, träumende Mönche zeigt, in deren Mitte der heilige Benedikt dem Betrachter einen Bauplan entgegenhält. „Die Autorität des Heiligen wurde hier gezielt genutzt, um die Bauvorhaben des Abtes zu unterstützen“, erklärt er. Die Mönche hatten nämlich ursprünglich kein Interesse am Bau einer Bibliothek und leisteten dem Abt, der in ihren Augen auch des eigenen Ruhms wegen eine Bibliothek errichten wollte, zunächst Widerstand. 1737 aber wurde der Bau beschlossen, zwei Jahre später stand bereits der Rohbau. Der daraufhin neu gewählte Abt ließ weitere Arbeiten jedoch aufgrund einer drohenden Belagerung der Franzosen und eines Bauernstreiks einstellen, so dass der Bau zehn Jahre lang stilllag. Nach dem Aufstieg der österreichischen Kaiserin Maria Theresia wurde für das Kloster der Besitz einer Bibliothek plötzlich von hoher Bedeutung. Als unter dem übernächsten, 1749 gewählten Abt Philipp Jacob Steyrer der Bau wiederaufgenommen wurde, stand nun das Ziel im Vordergrund, zu zeigen, dass St. Peter ein modernes und nützliches Kloster sei. Die fertige, damals nicht heizbare Bibliothek war aus diesem Grund weniger Arbeits- als Schauraum. „So entstand hier nach über 25 Jahren des Aufs und Abs schlussendlich der schönste Rokokoraum im Breisgau“, sagt der gebürtige Freiburger. Auch die üppige Emblematik der Bibliothek sollte das Ansehen des Klosters aufpolieren. „Die Emblematik zeugt von Ideenreichtum, hoher Belesenheit und einem hohen Wissensbestand des Klosters“, erläutert der Historiker. St. Peter war neben dem Kloster St. Blasien das wichtigste Wissenszentrum im Schwarzwald, insbesondere für Naturwissenschaften, zu deren Studium Mönche von St. Peter zur Universität Salzburg geschickt wurden.

          Erst vor 15 Jahren tauchte die Schrift des Subpriors auf

          Das im Mittelalter als politische Konkurrenz gegründete Nachbarkloster St. Märgen ging in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts diesen Weg nicht mit. Missbilligend schrieb der Abt von St. Märgen in sein Tagebuch, als junge Benediktiner auf dem Weg nach Salzburg bei ihm Station machten: „Der Herr von St. Peter sollte sie lieber Theologie anstatt die Natur studieren lassen.“ Die langjährige Konkurrenz zwischen den Klöstern, die ihren Ursprung in der bei der Gründung päpstlichen beziehungsweise kaiserlichen Orientierung hatte, war höchstwahrscheinlich ein Impuls für die intensiven naturwissenschaftlichen Forschungen in St. Peter. Sicher ist, dass die Kultur im Schwarzwald vom Mittelalter bis zur Säkularisation weitgehend von den Niederlassungen verschiedener Orden geprägt wurde.

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