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Kinderonkologiestation : Vertrauen gegen Angst

  • -Aktualisiert am

Bild: Moni Port

In der Nähe übernachten, gemeinsam Basteln, gegenseitige Unterstützung. In der Homburger Kinderonkologie hat sich viel Gutes getan. Das ist nicht überall so.

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          Freitagmorgen treffen sich in der Kinderklinik des Universitätsklinikums Homburg/Saar die jungen Patienten der Station für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie und ihre Angehörigen zum wöchentlichen gemeinsamen Frühstück. Es findet um 9 Uhr im Spielzimmer am Ende des Flurs im Dachgeschoss von Gebäude 9 statt. Der Raum ist freundlich und mit hellen Holzmöbeln ausgestattet. Bunte, selbstgemalte Bilder zieren die Wände. Ein solches Frühstück und auch die Existenz solcher Räumlichkeiten war vor 36 Jahren noch undenkbar. „Da war das Krankenhaus weiß, kalt und unpersönlich, ein traumatischer Ort für schwerkranke Kinder. Erst langsam setzte sich die Erkenntnis durch, dass zur Behandlung und Heilung der schweren Krankheiten solche psychosozialen Rahmenbedingungen notwendig, ja sogar entscheidend sind“, sagt Norbert Graf, der seit 2003 Direktor der Klinik für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie in Homburg ist.

          Stiftungsprofessur dank Elterninitiative

          Die unfreundliche, unpersönliche Umgebung in der Kinderklinik rief 1982 eine Gruppe von Ärzten, Pfarrern, Pflegepersonal und Eltern auf den Plan, die gemeinsam die Elterninitiative für krebskranke Kinder im Saarland e.V. gründeten. Diese Initiative hat sich zum Ziel gesetzt, die psychosoziale Betreuung zu verbessern, Familien zu helfen und ihnen Unterstützung anzubieten. Aber auch die medizinische Versorgung auf der Station des Kinderonkologiezentrums des Saarlandes und der daran angeschlossenen Ambulanz sollte optimiert werden. Graf selbst ist über eine Stiftungsprofessur an die Universität des Saarlandes gekommen – dank der Elterninitiative. Seit 1982 konnten mehr als zehn Millionen Euro an Spendengeldern eingenommen und für verschiedene Bereiche ausgegeben werden: Zunächst wurden Drittmittelstellen geschaffen, also weiteres Personal eingestellt, so dass für die kleinen Patienten mehr Pflegepersonal auf den Stationen zur Verfügung steht. So ergänzen heute eine Psychologin und zwei Ergotherapeutinnen das Behandlungsteam. Sie betreuen die Kinder während ihrer Aufenthalte, spielen oder basteln mit ihnen oder backen auch mal in der Küche gemeinsam einen Kuchen, der dann von allen Anwesenden zusammen gegessen wird.

          Ein cooles Tribal in Schwarz

          „Guckt mal, was ich euch mitgebracht habe“, ruft eine junge Medizinstudentin, die heute auf die Station gekommen ist. Sie hat weiße T-Shirts, Kappen und Textilfarben mitgebracht, und verteilt sie an die Kinder. „Ihr könnt euch überlegen, wie ihr euer T-Shirt oder eure Kappe gestalten möchtet.“ Die Patienten finden das eine wunderbare Idee und legen sofort los. Paul malt ein Krokodil auf sein T-Shirt, Mia verziert ihre Kappe mit kleinen Steinchen, Yassin entscheidet sich für ein cooles Tribal in Schwarz. Die Elterninitiative setzte sich auch dafür ein, dass durch vermehrte Hausbesuche, in Absprache mit den behandelnden Ärzten, die Häufigkeit und Dauer der notwendigen stationären Aufenthalte in der Klinik reduziert werden konnten. In einem nahe gelegenen Gebäude wurde ein Eltern- und Geschwisterwohnbereich eingerichtet, wo Angehörige nicht nur in drei Schlafzimmern übernachten können, um in der Nähe ihrer Kinder zu sein, sondern sich auch mit anderen Eltern in einem Gemeinschaftsbereich über die oftmals belastenden und schwierigen Situationen im Zusammenhang mit der Erkrankung ihrer Kinder austauschen können. „Die Station, und alles außen herum, fühlt sich schon wie ein zweites Zuhause an“, sagt der Vater eines erkrankten Kindes.

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