https://www.faz.net/-gum-9qynv

Kanin-Hop : Nur der Rammler ist nicht interessiert

  • -Aktualisiert am

Bild: Christopher Fellehner

Vorwitzige Tiere haben die Nase vorn. Ohne Geduld läuft nichts. Kanin-Hop ist in der Schweiz beliebt. Vor allem Frauen leiten ihre Lieblinge über den Parcours.

          4 Min.

          Es ist ungewohnt still in der Werkhalle der „Zurbuchen Spenglerei & Bedachungen“ in Wangen in der Zentralschweiz. Für einen Tag im Jahr wird die Werkstatt zu einem Turniergelände umfunktioniert. Inmitten des Raumes liegt die 40 Meter lange Teppichbahn, auf der in regelmäßigen Abständen zwölf bunt bemalte Hindernisse aus Holz aufgestellt sind. Gleich davor, mit gutem Überblick über den Hindernislauf, befindet sich der Schiedsrichtertisch. Hinter dem MacBook sitzt Regula Wermuth, Präsidentin des Kaninchensportvereins „Kanin Hop Schweiz“ und mit ihrer Tochter Katharina auch Organisatorin des Zurbuchen-Cups, des Turniers, das jedes Jahr ein- bis zweimal stattfindet. Ihre Brille, die sie wie einen Haarreif trägt, hält ihre kurzen silbergrauen Strähnen davon ab, ins Gesicht zu fallen. Sie trägt eine schwarze Trainerjacke, bestickt mit dem blauen Klublogo, das ein Kaninchen über vier rote Stangen sowie das Schweizerkreuz springend zeigt. Die Idee des Kanin-Hops kam vor ungefähr 35 Jahren in Schweden auf. Die Kaninchen wurden nach den Regeln – wie sie aus dem Springreiten bekannt waren – trainiert, über kleine Hindernisse zu springen. Seither wurde die Sportart immer beliebter, seit 2012 hat die Schweiz einen bisher landesweit einzigen Verein, der 52 Mitglieder zählt, wovon etwa 30, hauptsächlich Mädchen und Frauen, aktiv an Turnieren teilnehmen. „Es braucht viel Geduld und vor allem Verständnis, wenn man einem Kaninchen das Springen über Hindernisse beibringen will“, sagt die Präsidentin, die ihre Wohnung mit einem langohrigen Mitbewohner namens Jim Knopf teilt.

          Entspannt schnüffelt der Zwergwidder am Teppich

          Die Mitglieder trainieren ihre Kaninchen individuell ein- bis zweimal in der Woche bei sich zu Hause, auch Ruhephasen sind wichtig, damit die Tiere nicht überfordert werden. Während die anderen Teilnehmerinnen ihre Springkaninchen warmlaufen lassen und ihnen letzte Tipps zuflüstern, sind der braun-weiß gefleckte „Ananas“ und seine Trainerin schon startbereit. Entspannt schnüffelt der Zwergwidder am Teppich, während die 11-jährige Lara auf das Startsignal wartet. Doch die Interessen des Rammlers liegen gerade woanders. Er stößt die Stangen mit der Schnauze herunter und legt sich schließlich auf die Seite. Behutsam wird er von Lara zurück in seine Transportbox gebracht. „Wenn ein Kaninchen nicht will, dann darf es auch nicht gezwungen werden. Uns ist wichtig, dass das Tier im Zentrum steht und nicht dessen Halter“, erklärt Regula Wermuth. Die Hopper, so nennen sich die Trainer, kennen ihre Tiere und merken schnell, ob sie Lust haben oder nicht.

          „Grundsätzlich eignen sich alle Kaninchenrassen für das Kanin-Hop. Der Charakter des Tieres ist entscheidend. Mit vorwitzigen Kaninchen lässt es sich besonders gut arbeiten“, erklärt die zweifache Mutter mit dem Blick auf den sieben Kilo schweren „Belgischen Riesen“ Cäsar, der gerade die ersten Hindernisse gemeistert hat. Es werden zwei Vorläufe gesprungen, in denen die 23 Teilnehmerinnen während der Zeit von eineinhalb Minuten versuchen, möglichst schnell so wenige Stangen wie möglich zu reißen. Für jedes beschädigte Hindernis wird ein Fehler gezählt. Mit vier oder weniger Fehlern kommt man ins Finale. Die 16-jährige Evelyn ist seit vier Jahren im Verein und tritt regelmäßig bei Turnieren an. Auf dem Arm trägt sie ihr zweijähriges Holländerkaninchen „Neo“ mit der Startnummer neun. Es trägt ein leichtes Geschirr aus Nylon, an dem eine mindestens zwei Meter lange Leine befestigt ist, so ist es im Reglement festgelegt. Die Leine und das Geschirr sollen das Tier nicht einschränken, sondern als Notbremse dienen, falls das Kaninchen erschrickt und davonrennt.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Erledigen Sie die Spieler des gegnerischen Teams: Szene aus dem Handyspiel Call of Duty Mobile

          Anschlag von Halle : Vom Ballerspiel zum Mordanschlag

          Stephan B. wollte seine Attacke in Halle aussehen lassen wie ein Videospiel. Eine Spurensuche in einer Welt, in der alles nur ein Witz sein kann – oder bitterer Ernst.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.