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Zur Volksfestkönigin gewählt : Einmal Königin sein

  • -Aktualisiert am

Königinnen müssen in die Öffentlichkeit, hier mit dem früheren bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber Bild: picture-alliance/ dpa

Veronika I. ist das geworden, wovon viele Mädchen träumen: Königin. Die 18 Jahre alte Bürokauffrau ist zur Nibelungenkönigin gekürt worden und hat das Leben in den neuen Kreisen ausgiebig genossen.

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          Einmal Prinzessin sein . . . davon träumen viele Mädchen. Auf den meisten bayerischen Volksfesten hat man sogar die Chance, eine Königin zu werden. Da gibt es Hopfenköniginnen, Blütenköniginnen, Spargelköniginnen, Nibelungenköniginnen, ja sogar die Limeskönigin ist vertreten. In Bayern ist es Tradition, auf Volksfesten wie dem Barthelmarkt, dem Gillamoos und auf kleineren regionalen Veranstaltungen Königinnen zu wählen. Diese haben die Aufgabe, während ihrer Amtszeit den Veranstalter, ihr Volksfest, aber auch ihre Gemeinde zu repräsentieren.

          „Ganz schön aufregend ist das alles“, sagt Veronika Zehentbauer, die sogar zum Interview traditionell im Dirndl und mit Schärpe erschienen ist. „Eigentlich wollte ich ja gar nicht mitmachen, aber als ich dann doch angemeldet war, freute ich mich tierisch darauf, so etwas einmal miterleben zu dürfen.“ Die 18 Jahre alte Bürokauffrau repräsentierte als „Nibelungenkönigin 2006/2007, Veronika I.“ ihren Heimatverein, den TSV Pförring. „Ohne meine Oma wäre ich sowieso aufgeschmissen gewesen, weil ich dann dieses Dirndl hier gar nicht anhätte. Sie hat es mir gleich nach meiner Wahlnacht genäht“, lacht Veronika und streicht sich die glänzende Schürze glatt.

          Drei Jahre regieren

          Während viele Königinnen von ihren Gemeinden oder Vereinen ernannt werden, wurde Veronika auf dem Volksfest nach kurzer Vorstellungsrunde von den Besuchern aus fünf Kandidatinnen gewählt. Ein Jahr lang hatte sie das Amt inne. „Es gibt aber auch Königinnen oder Prinzessinnen, die zwei oder sogar drei Jahre regieren. Dabei entstehen tolle Freundschaften untereinander, mit ein paar Königinnen treffe ich mich regelmäßig, und auch auf Volksfesten in der Region läuft man sich immer wieder über den Weg.“

          Als Erinnerung dient das Königinnenbüchlein, ein Album, das jede Hoheit bei sich trägt. „Bei meinem ersten Auftritt wurde ich mit den Büchlein der anderen überhäuft, ich habe zwei Stunden lang nur geschrieben und Fotos geklebt, aber dabei natürlich auch viele Einträge und Widmungen für mein eigenes erhalten.“ Stolz zeigt sie einen Eintrag von Edmund Stoiber. Am Ende ihrer Amtszeit hat dann jede Königin ein Album voller Bilder und Adressen anderer Majestäten. Veronikas Schärpe ist übersät mit Nadeln und Broschen. „Man bekommt zusätzlich noch bei jedem Auftritt einen Anstecker, den man sich dann an die Schärpe pinnt.“

          Gefühl von Wichtigkeit

          Natürlich ist bei den Auftritten noch so einiges geboten. „Du hast einfach immer das Gefühl, das Wichtigste auf der ganzen Veranstaltung zu sein. Normalerweise bekommen die Königinnen eine Gratismaß und Verpflegung, dürfen immer ganz vorn dabei sein, Kutsche fahren, umsonst in Fahrgeschäfte, und spannend wird’s natürlich dann bei der Abdankung“, schwärmt sie. Grund, auf ein Volksfest eingeladen zu werden, sei meist die Abdankung der amtierenden Königin.

          „Jede Königin bekommt von der Gastkönigin ein Geschenk, als Dank für ihr Kommen, und die Gastkönigin natürlich auch ein Geschenk der geladenen Regentinnen. Da schenkt man dann normalerweise etwas total Vereins- oder Gemeindetypisches. Die Honigblütenkönigin natürlich immer ein Glas Honig, von der Spargelkönigin bekommt man meist Spargel, und ich habe immer ein Buch über unsere Gemeinde und die Nibelungensage verschenkt.“

          Manchmal fließen Tränen

          Bei so einer Abdankung fließen dann oft auch Tränen. „In dem Jahr bin ich ganz schön rumgekommen“, berichtet Veronika. „Ich war quer durch Bayern unterwegs. Meine Nachfolgerin durfte sogar einer Einladung nach Jork bei Hamburg folgen. Da sind drei Busse aus unserer Region zum Königinnentreffen gefahren, das war ein unvergessliches Erlebnis.“

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