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Weinsafari : Auf Weinsafari

  • -Aktualisiert am

Der Weg vom Keimling zur Flasche: In Rheinhessen nimmt ein unternehmenslustiger Winzermeister seine zahlenden Gäste mit auf eine Safari rund um den Wein.

          3 Min.

          Das Weingut Mohrenhof in Lonsheim sieht von außen aus wie ein ganz normales rheinhessisches Weingut, ein großes, altes Bauernhaus mit weitläufigem Innenhof. Doch wenn man sich näher mit dem Hof und dem Mann, der dahintersteckt, auseinandersetzt, stellt sich schnell heraus, dass dieses Weingut nicht wie jedes andere rheinhessische Weingut ist. Andreas Mohr ist 42 Jahre alt und leitet den Mohrenhof in der dritten Generation. Sein Großvater hatte damals die Idee, neben der Viehzucht und Feldarbeit noch Wein anzubauen. Erst der technologische Fortschritt erlaubte es, die fast zehn Hektar Land in Familienbesitz so zu nutzen, dass man dort erfolgreich Wein kultivieren konnte. Unter seinem Vater wurde aus dem gemischten Betrieb dann ein reines Weingut. In diesem half Andreas Mohr seit seiner Jugend. 2002 kam der Generationenwechsel aber früher als erwartet. In diesem Jahr hatte der Vater von Andreas Mohr einen Unfall, der den Sohn zwang, den Betrieb schon früher zu übernehmen, als er eigentlich wollte. Andreas Mohr war zu diesem Zeitpunkt 25 Jahre alt und noch mitten im Weinbaustudium. Außer geringer Hilfe seiner Mutter, die aber mit der Pflege des Vaters eigentlich genug zu tun hat, hat Andreas Mohr keine Hilfe. Er ist ledig und hat keinen Angestellten. Die rund 40 000 Reben bearbeitet er bis auf die Hilfe eines Saisonarbeiters komplett allein.

          Auf Effizienz getrimmt, er ist allein

          Er vergleicht seinen Betrieb mit einem Speedboot, das er immer, wenn er möchte, in die Richtung steuern kann, die er für sinnvoll hält, ohne Rücksprache zu halten. Er habe Spaß dabei, sein Produkt vom Keimling bis zur abgefüllten Flasche zu begleiten. Um auch allein schnell zu arbeiten, hat Andreas Mohr seinen Betrieb auf Effizienz getrimmt: Die Tanks, in denen die Weine gären, sind alle ebenerdig gelagert. Generell hat er alle Produktionsschritte für den Wein so platziert, dass die Laufwege so kurz wie möglich sind. „Effektivität und gute Betriebsorganisation sparen Arbeitszeit.“ Nachdem er den Betrieb übernommen hatte, war er zunächst unsicher. Er habe sich sehr zurückgehalten und versucht Fehler zu vermeiden, dennoch kämpfte er mit diversen Rückschlägen, aus denen er mit der Zeit lernte. „Brötchen kannst du jeden Tag backen, Wein macht man einmal jedes Jahr.“ Es hat etwas gedauert, bis er seinen eigenen Stil gefunden hat und er sich sicher fühlte. Vor zwölf Jahren hatte der Jungwinzer den Betrieb so weit im Griff, dass er sein Studium beenden wollte. Doch nach einiger Zeit merkte er, dass die Pause einfach zu lang war. Er fühlte sich im Hörsaal fehl am Platz. Dafür machte er von 2010 bis 2013 seinen Winzermeister.

          Einfach das machen, was er schon lange wollte

          Als er diesen Abschluss hatte, war er aber noch nicht zufrieden. Er wollte den Konjunktiv aus seinem Leben streichen, einfach die Dinge machen, die er schon länger geplant hatte. Trotz Flugangst entschloss er sich dazu, sich einen langjährigen Traum zu erfüllen: eine Kalifornien-Rundreise, die er dadurch ermöglichte, dass er den Betrieb für diese zwei Wochen ruhen ließ. Da Mohr in den Vereinigten Staaten beeindruckt von der Serviceorientierung des Tourismusgewerbe war, wollte er ein Stück davon in seine Heimat bringen. „Ich habe schon immer Potential für Rheinhessen im Weintourismus gesehen.“ Dieses Potential wollte er ausschöpfen und so verwirklichte der Unternehmer 2014 die „Weinsafari“, eine Infotainment-Fahrt mit ausgemusterten Geländewägen durch seine Heimat Rheinhessen. Mohr selbst leitet diese Fahrten und schwärmt: Die „Weinsafari“ sei Tourismus nah am Gast. Die Gruppen sind unter sich und wenn sie eine Safari buchen, können sie sich sicher sein, dass niemand sie stört und sie die Fahrt alleine mit dem Guide bestreiten werden. Während dieser rund dreistündigen Fahrt erklärt der Winzer seinen Gästen dann die Umgebung und das Weinhandwerk.

          Er spricht viel von Digitalisierung

          Das Konzept ging auf, Andreas Mohr bekam 2015 den Preis für innovative Weintouristik, vom Netzwerk „Great Wine Capitals“ und hat im Jahr 2018 zwischen April und Oktober mehr als 40 Fahrten gemacht, neben der täglichen Arbeit im Weingut. Größtenteils opfert er dafür Wochenenden und Freizeit. Zur Zeit sieht Mohr seinen Betrieb noch nicht zu 100 Prozent da, wo er ihn haben will. Die Social Media Präsenz sei noch nicht so, wie er sich das erhoffe, die Website des Betriebes sei noch verbesserungswürdig. Der Winzermeister spricht viel von der Digitalisierung und davon, dass er seinen Betrieb fit machen möchte, für das immer schnelllebiger werdende Weingewerbe, indem es eben nicht mehr reiche, einfach Wein zu machen. Man müsse dem Kunden etwas bieten, um nicht in der Masse der 2500 Weinbetriebe in Rheinhessen unterzugehen.

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