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Von Kuba nach Deutschland : Schweigen vor Angst

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Maria Singer liebt einen Deutschen und hat Kuba verlassen. Aber der Neuanfang hier fällt ihr schwer. Und das liegt nicht nur an Sprachbarrieren.

          2 Min.

          Ich möchte nicht wieder in mein Heimatland zurück. Doch viele Menschen machen es mir hier sehr schwer. Ich lerne ja schon sehr viel, um mich hier so schnell wie möglich zu integrieren. Doch meine Hautfarbe lässt sich leider nicht ändern.“ Maria Singer ist niedergeschlagen, wenn sie auf ihren bisherigen Deutschland-Aufenthalt zurückblickt. Die 30-jährige Kubanerin ist schlank, groß und wirkt mit ihren leuchtenden, großen Augen und schwarzen, lockigen Haaren offen und freundlich. Sie lebt schon ein Jahr mit ihrem deutschen Mann in Stuttgart- Vaihingen und besucht seit sechs Monaten die Maier-Sprachschule im Zentrum Stuttgarts. Nach einem Intensivkurs gibt es eine Sprachprüfung, die viele benötigen, um eine Arbeitserlaubnis zu bekommen.

          Sie versteht nur Bruchstücke

          Maria Singer gab in Kuba Computerkurse für Anfänger und hofft, auch hier bald eine Arbeit zu finden. Sie wirkt zurückhaltend und spricht kaum Deutsch. „Ich traue mich nicht, Deutsch zu sprechen, nicht einmal mit meinem Mann. Ich habe Angst, Fehler zu machen“, gibt sie zu. „Diese große Unsicherheit kommt von den vielen negativen Erlebnissen, die sie hier mit deutschen Menschen gemacht hat“, erklärt ihr Mann, Peter Singer. „Sie ist viel mit ihren kubanischen Freundinnen oder auch alleine in Bus und Bahn unterwegs. Da kommt es fast jedes Mal vor, dass negative Bemerkungen ihr gegenüber geäußert werden. Ihr Problem ist dann, dass sie nur Bruchstücke davon versteht und sich nicht wehren kann.“

          Ihr schlimmstes Erlebnis hatte Maria Singer auf dem Weg zur Schule im Bus. Sie setzte sich auf einen der hinteren Plätze. Da rief der Fahrer sie als Einzige zu sich nach vorne. Maria Singer verstand ihn zunächst nicht. Der Mann rief sie aggressiver nach vorn und forderte sie auf, ihr Ticket zu zeigen. „Mir war das total unangenehm“, sagt Maria Singer. „Ich war nervös und verstand ihn zunächst nicht. Der Fahrer sprach so schnell, und als ich nicht wusste, was ich machen sollte, wurde er zunehmend lauter, bis er mich beinahe anschrie. Als ich ihm dann endlich mein Ticket zeigte, durfte ich mich wieder setzen. Es hat mich sehr getroffen, dass er außer mir sonst niemanden kontrollierte.“

          Im Urlaub kennengelernt

          Solche Erfahrungen schüchtern sie ein. „Sie zieht sich in der Öffentlichkeit sehr zurück und weiß nicht, wie sie sich verhalten soll. Ich versuche ihr schon so viel wie möglich zu helfen“, sagt Peter Singer und legt tröstend den Arm um seine Frau. „Schon vor ihrem Aufenthalt in Deutschland habe ich nach anderen Paaren hier gesucht, in denen ein Partner auch aus Kuba kommt. Mit einigen hat sie sich gut angefreundet. Doch Kontakte zu anderen Deutschen hat sie kaum.“

          Der Angestellte der Straßenbahn Stuttgart hat seine Frau vor sieben Jahren im Urlaub auf Kuba kennengelernt. Er verbrachte ihn in Havanna, wo sie mit ihrem 18-jährigen Stiefbruder lebte. Sofort hatte Peter Singer sich in sie, das Land und die Mentalität verliebt. Daraufhin flog er mehrmals im Jahr nach Kuba. Über E-Mail und Telefon hielten sie Kontakt. Nach sechs Jahren beschlossen sie, ihr Leben gemeinsam zu verbringen. Marias Stiefbruder war inzwischen alt genug und ausgezogen. „In Kuba gab es ein großes Hochzeitsfest“, erzählt Maria Singer strahlend. „Alle meine Verwandten und Freunde waren da. Die Familie und der Zusammenhalt sind bei uns sehr wichtig.“ Kurz darauf zog sie nach Stuttgart. „Ich möchte hier auf jeden Fall bleiben und weiterhin zur Schule gehen. Die Sprache zu beherrschen ist sehr wichtig für mich, allein schon deswegen, damit ich mich gegen die negativen Bemerkungen wehren und mir und anderen beweisen kann, dass ich es schaffe, mich zu integrieren.“

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