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Türkischer Campus : Nach der Vorlesung in den Schönheitssalon

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Bild: Philip Waechter, Labor Frankfurt

An der elitären privaten Yeditepe-Universität in Istanbul werden Studenten zu Klienten. Das ist für die Stipendiaten nicht immer einfach.

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          Ich wollte immer schon auf die Yeditepe-Universität gehen.“ Özge Findik sitzt mit überschlagenen Beinen auf einer dunkelgrün lackierten Bank inmitten des dunklen Pinienwäldchens auf dem Campus der Yeditepe Üniversitesi in Istanbul. Fröhliches Stimmengewirr durchdringt die Wipfel der noch jungen, schlanken Bäume, in deren Schatten es sich kleine Studentengruppen gemütlich gemacht haben. Die 19-jährige Özge studiert im zweiten Semester Philosophie an der 1996 gegründeten privaten Hochschule, die ihren Namen Yeditepe – auf Deutsch „sieben Hügel“ – der Lage auf einem der sieben Hügel Istanbuls verdankt.

          Vor dem Studium besuchte das hübsche, zierliche Mädchen ein Gymnasium des türkischen Istek-Verbands, eines privaten Verbands von Bildungs- und Kultureinrichtungen, unter dessen Trägerschaft auch die Yeditepe-Universität steht. „Mein Gymnasium hat schon früh Ausflüge hierhin organisiert, um uns die Uni zu zeigen und Werbung zu machen“, sagt Özge. Freunde und Familie sprachen immer wieder von den „großartigen Möglichkeiten“, die eine so junge, moderne Universität mit Lehrkräften internationalen Ranges bietet. Als ihr Bruder schließlich das Studium in Yeditepe begann, stand auch für Özge fest, welche Uni sie einmal besuchen wollte: „Ich war überglücklich, als ich bei der nationalen Hochschulaufnahmeprüfung ÖSS eine so hohe Punktzahl erreichte, dass ich Yeditepe würde besuchen können. Und nicht nur das, sie boten mir sogar noch ein Stipendium an.“

          Hohe Bewerbungshürden

          Von diesem Glück können andere ÖSS-Absolventen nur träumen. Ausschließlich Bewerber mit den besten Prüfungsergebnissen haben die Gelegenheit, sich überhaupt an der Yeditepe-Universität zu bewerben. Nicht zu unterschätzen ist aber vor allem die finanzielle Komponente: Selbst wenn die angehenden Studenten hervorragend qualifiziert sind, erhalten sie nicht immer ein Stipendium. Die Studiengebühren von durchschnittlich 20 000 Lira, also 10 000 Euro im Jahr, für den Studiengang Medizin sind es 30 000, stellen für viele ein Problem dar und geben den Ausschlag, das Studium an einer kostenlosen staatlichen Universität aufzunehmen.

          Um sowohl den leistungsstarken, aber weniger zahlungskräftigen Schülern einen größeren Anreiz zu schaffen, die Mühen einer Bewerbung für ein Stipendium auf sich zu nehmen, als auch die vermögenden Familien davon zu überzeugen, dass sich die Investition in eine Ausbildung auszahlt, betreibt die Universität großen Aufwand: Das Werbeprogramm reicht von 20 Tagen der offenen Tür bis hin zu dem sogenannten Tanitim Programi, in dessen Rahmen mehrere Gruppen von Professoren und Assistenten Gymnasien in östlichen Teilen der Türkei bereisen. Ausgerüstet mit Werbegeschenken wie Ipods, T-Shirts und Laserpointer-Kugelschreibern, allesamt mit dem Universitätslogo bedruckt, informieren die Lehrkräfte die Abschlussjahrgänge der Gymnasien über Vorzüge und Angebote der Universität. „Da wir noch eine sehr junge Universität sind, ist diese Werbearbeit wichtig. Auch wenn wir uns inzwischen weit über Istanbul hinaus einen Namen gemacht haben, wissen in Ost-Anatolien noch nicht alle, dass es Yeditepe gibt. Außerdem ist die Konkurrenz groß: Allein im Jahr 2010 wurden in der Türkei mindestens zehn neue Privatuniversitäten gegründet“, erläutert Philosophieprofessor Dogan Özlem, der jährlich eine der Werbetouren in den Nordosten der Türkei organisiert.

          Auf Werbetour in Schulen

          Damit auch die Gymnasiasten im äußersten Ost-Anatolien nicht nur von der Privatuniversität und ihren Angeboten erfahren, sondern auch einmal hautnah erleben, wie das Studentenleben dort aussieht, lädt Yeditepe jährlich viermal 1000 Schüler und Lehrer nach Istanbul zu einem einwöchigen Aufenthalt ein. Die besten fünf Schüler und weitere fünf Lehrer jeder zuvor auf der Werbetour besuchten Schule werden vier Nächte lang auf dem Universitätscampus in den modernen, luxuriös ausgestatteten Studentenwohnheimen beherbergt. Tagsüber stehen Schnupperseminare, Sightseeing in den historischen Stadtteilen Istanbuls und Bosporustouren auf dem Programm. Den Höhepunkt stellt ein Wochenende im universitätseigenen Fünf-Sterne-Hotel Doga-Club am Schwarzen Meer dar.

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