https://www.faz.net/-guy-6w8iv

Studium in den Niederlanden : Freundlich und manchmal leicht chaotisch

  • Aktualisiert am

"Am Anfang war es nervig, dass man sich nicht richtig ausdrücken konnte. Ich habe dann zusätzlich neben dem Studium einen Abendkurs der holländischen Sprache belegt, der zehn Wochen lang ging. Es war anstrengend, aber nach einem halben Jahr beherrschte ich die Alltagssprache recht gut", erklärt die junge Frau mit den kurzen dunkelblonden Haaren. Auf die Frage, warum sie sich für ein Studium in den Niederlanden entschieden hat, antwortet sie in einem amüsierten Ton: "Ich hatte das so nicht geplant. Eigentlich wollte ich in Deutschland Eventmanagement studieren. Das war aber nur an privaten Hochschulen möglich, und das wollte ich nicht. Also habe ich ein bisschen im Internet gesucht und bin dann auf die Stenden in Leeuwarden gestoßen, die so in etwa das anbot, was ich machen wollte. Ich bin dann im August zum Tag der offenen Tür gefahren und musste mich schnell entscheiden, da das Studium bereits Ende August anfing." Zunächst zog sie in ein neu gebautes Studentenheim und wurde nach einem halben Jahr schließlich Mieterin einer schönen Wohnung in der Stadtmitte. Die Niederländer bezeichnet Meret als offene und freundliche, manchmal auch chaotische Menschen, die zwar eine befremdende, in Merets Augen furchtbar ungesunde Esskultur hätten. "Die Holländer kochen nicht gerne, kaufen selbst Kartoffeln fertig abgepackt und vorgegart, und haben eine Vorliebe für süße, kalorienreiche Leckereien", erklärt sie. Dafür seien sie in vielen Dingen entspannter als die Deutschen. An einem Studium in den Niederlanden findet sie wie Desiree vor allem den "problemgesteuerten Unterricht" vorteilhaft.

Dieser Unterricht ermöglicht es den Studenten, in kleinen Gruppen eine Aufgabe sowohl theoretisch als auch praktisch selbst zu lösen. "Dadurch wird natürlich Teamfähigkeit gefördert, und man entwickelt sich weiter. Aber vor allem lernt man so einzuschätzen, wo die eigenen Stärken und Schwächen liegen", erklärt Meret. Einen deutlichen Nachteil sieht sie bei der Endnotenvergabe: Zwar sind die internationalen Abschlüsse in Deutschland weitgehend anerkannt, jedoch wird die niederländische Abschlussnote aufgrund anderer Rechnungen in Deutschland um bis zu eine halbe Note herabgestuft, was bei einer Bewerbung für den Masterstudiengang in Deutschland nachteilig ist. "Ärgerlich, aber nicht zu ändern", kommentiert Meret, die im dritten Jahr ein Auslandssemester an der Partnerschule in Chile absolvierte.

Heute ist Meret 22 Jahre alt und hat ihren Bachelor in der Tasche. Angefangen hat sie vor vier Jahren, da war sie gerade mal Achtzehn, genau wie Desiree jetzt. "Es fehlen noch einige Unterlagen und das Ergebnis des Sprachkurses, das für die Zulassung dringend notwendig ist. Noch heißt es abwarten und zittern", sagt Desiree mit einem bangen Blick. Dass die Niederländer deutlich weniger bürokratisch sind, würde sie sofort unterschreiben. "Was ich an Groningen nicht mag, sind die unzähligen Fahrradfahrer und der dadurch anstrengende Straßenverkehr." Auf die Frage, was sie vermissen wird, antwortet sie mit einem Lachen und wie aus der Pistole geschossen: "Hotel Mama! Alleine Wohnen bedeutet schließlich auch alleine kochen, alleine putzen, alleine waschen. Ich glaube, das wird noch problematisch werden." Als weitere Faktoren, die sie dazu bewegen, möglichst jedes Wochenende nach Hause zu kommen, nennt sie ihre Freunde und ihren Kater Andy, die sie alle vermissen wird.

Nadine Schipper, Gymnasium Papenburg

Weitere Themen

Die komplizierte Lage des deutschen Teams

Handball-EM : Die komplizierte Lage des deutschen Teams

Der Plan des Bundestrainers ging bei der Handball-EM bisher nicht auf. Nun ist der vermeintlich leichte Turnierweg ins Halbfinale knifflig. Das Team von Christian Prokop hat es nicht mehr in der eigenen Hand.

Topmeldungen

IBMs Quantencomputer „System Q“ ist auf der Elektronikmesse CES in Las Vegas zu sehen.

Quantencomputer : Die nächste Revolution

Quantencomputer können Verschlüsselungen knacken, neue Batterien entdecken und an Finanzmärkten Geld verdienen. Und das sind nur die Möglichkeiten, die bisher bekannt sind.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.