https://www.faz.net/-guy-6z819

Studentenverbindung : Stolz seinen Zipfel zeigen

  • -Aktualisiert am

Bild: Andrea Koopmann

Auf dem Festkommers der katholischen Studentenverbindung Alamannia werden in Tübingen neue Fuxe aufgenommen. Aber viele Studenten bleiben skeptisch.

          „Cerevisiam bibunt homines, animalia cetera fontes.“ „Es trinken die Menschen Bier, die übrigen Geschöpfe trinken Wasser“, heißt es in der Volksweise aus dem Deutschen Kommersbuch. Im großen, eher ungemütlichen Festsaal eines Hotels in Tübingen, den die Verbindung für das Festkommers ausgesucht hat, herrscht eine lockere Stimmung. Man feiert das 140. Stiftungsfest der katholischen Studentenverbindung Alamannia in Tübingen. „Wir feiern hier quasi den 140. Geburtstag der 1871 gegründeten Verbindung. Für uns ist das ein besonders wichtiges Ereignis“, erklärt Wolfgang Hönle. Der „Alte Herr“ ist seit 28 Jahren bei der Tübinger Studentenverbindung.

          Fünf Studenten betreten im sogenannten Vollwichs die kleine Bühne. Sie tragen weiß-hellblaue Schärpen und schwarze Barette aus Samt mit weißen Federn. In den Händen halten sie den Degen, der nur zur Zierde dient. Zum Festakt sind viele befreundete Verbindungen aus ganz Deutschland gekommen. Alle werden einzeln vorgestellt. „In unserer Gemeinschaft steht amicitia im Vordergrund“, erklärt Lateinlehrer Hönle. Seine Verbindung zeichne sich vor allem durch Geselligkeit aus. Die aktiven Studenten treffen sich während des Semesters mehrmals die Woche im Verbindungshaus, die Alten Herren in ihren Ortszirkeln zu Wanderungen, Opernbesuchen oder Tanz- und Cocktailabenden. „Das ist der Unterschied zwischen den schlagenden Verbindungen und unseren katholischen Studentenverbindungen. Wir lehnen durch unsere christlichen Wurzeln und unseren Glauben das Duellieren mit Waffen ab und bevorzugen das geistige Duell“, sagt der 48-Jährige. Der leicht untersetzte Lehrer hat sich in einen eleganten Anzug geworfen. Er unterrichtet Latein, Geschichte und Religion am Rosenstein-Gymnasium im ostwürttembergischen Heubach.

          Den Festvortrag hält Heiner Geißler. Er ist seit 1954 Mitglied bei den Alamannen. Wer als Student den Aufnahmeantrag stellt, wird zum Fux. Jeder Fux hat einen Mentor, der ihn in dieser Probezeit unterstützt. Als Fux sollte man während der ersten zwei Semester großes Engagement zeigen, damit man bei der Prüfung zum geschichtlichen Wissen und den abgefragten Prinzipien glänzen kann. Nach dieser Aufnahmeprüfung ist er offiziell aktiver Bursche der Verbindung für die Dauer seines Studiums. Danach gehört er als Alter Herr zu den weiterhin beitragzahlenden Mitgliedern. Durch die Mitgliedsbeiträge zwischen 200 und 350 Euro jährlich wird die Verbindung finanziert.

          Heute werden zwei junge Fuxe aufgenommen, recipiert. Sie erhalten ihren ersten Zipfel, einen silbernen Stoffanhänger mit Metallgravur. Vor der Aufnahme, die am Ende einer Phase des gegenseitigen Kennenlernens steht, mussten sie sich einer Befragung durch die aktiven Burschen stellen. Die beiden Fuxe müssen nun ein Gelübde zum Konventgeheimnis ablegen und einen vollen Bierkrug ganz austrinken, während die fünf „Chargierten“ mit ihren Degen in einem bestimmten Rhythmus auf Holzbretter schlagen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.