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Spielsucht : In die Schulden getrieben

  • -Aktualisiert am
          4 Min.

          Ich habe in den letzten drei Tagen 3000 Euro verloren“, beklagt sich der 27-jährige Stammkunde Franz Schmidt (Name geändert) in einer Ingolstädter Spielothek. „Ich muss mir dann morgen bei meiner Schwester Geld für die Miete leihen.“ Was für den sportlich gekleideten, jungen Mann früher ein harmloser Zeitvertreib war, ist zur Sucht geworden. Als er schließlich sogar einen Kredit aufnehmen musste, um seine Spielschulden auszugleichen, verließ ihn seine langjährige Lebensgefährtin.

          Dabei ist sein Schicksal kein Einzelfall. Spielsucht ist seit März 2001 in Deutschland offiziell als Krankheit anerkannt, und nach Angaben der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen gibt es geschätzte 150 000 Betroffene, die sich in Therapie befinden. Die Dunkelziffer der tatsächlich Abhängigen ist bei weitem höher. Diese Zahl ist in den vergangenen Jahren stetig angestiegen.

          Als spielsüchtig gilt jemand, der sowohl die Kontrolle über die Höhe des Geldeinsatzes als auch über die Dauer des Spielens verliert. Oft wird das Glücksspiel erst beendet, wenn kein Geld mehr zur Verfügung steht. Trotz hoher Verluste können einige auf das regelmäßige „Zocken“ nicht verzichten und geraten somit immer tiefer in die Schuldenfalle. Die Gefahr wird oft unterschätzt. Die Gründe für den ersten Besuch eines Casinos sind vielfältig: Neugier, Langeweile, Freunde oder auch die Hoffnung auf einen hohen Geldgewinn. Außerdem versuchen manche ihren Sorgen zu entfliehen oder sich von diesen abzulenken.

          Vernachlässigt und belogen

          Franz Schmidt begann das Glücksspiel mit einem niedrigen Geldeinsatz. Da er anfangs viel Glück hatte, war er dazu bereit, den Einsatz kontinuierlich zu steigern, in dem Glauben, einen noch höheren Betrag zu erspielen. Sein Aufenthalt am Spielautomaten wurde zum wichtigsten Bestandteil seines Alltags. Dies führte dazu, dass ihm kaum noch Zeit für seine Frau und seine zweijährige Tochter blieb. Sogar die Feiertage verbrachte er manchmal in seinem Stammlokal.

          Doch seine Familie wurde nicht nur vernachlässigt, sondern auch belogen. Es kam vor, dass der junge Vater Geld vom gemeinsamen Konto ohne das Wissen seiner Frau abhob und es gedankenlos verspielte. Um das Ausmaß seiner Spielschulden zu verheimlichen, nahm er in seiner Verzweiflung einen Kredit auf. Seine Frau war mit der Situation überfordert und ließ sich schließlich nach fünf Jahren Ehe von ihm scheiden.

          „Wenn ich knapp bei Kasse bin, hole ich mir schon mal was zum Zocken aus dem Geldbeutel meiner Freundin“, berichtet der 18-jährige David Müller (Name geändert). Der Schüler verließ sich oft darauf, sich Geld von seinen Freunden leihen zu können, um weiterhin eine Spielothek besuchen zu können. Seine Eltern versuchten häufig, ihm zu helfen, indem sie seine Geldschulden beglichen, um seine angehende Spielsucht nach außen hin zu vertuschen. Das war jedoch keine Hilfe, sondern geradezu eine Einladung, weiterzumachen wie bisher.

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