https://www.faz.net/-guy-zxxx

Sommerritual mit Mückenplage : Jagdszenen am Badesee

  • -Aktualisiert am

Sommer pur: Chillen am See, hier in Langen bei Frankfurt Bild: Julia Zimmermann

Wenn es heiß wird in der Stadt, dann ziehen die Berliner an ihre Seen. So machen es auch Paul und seine Freunde, mit dem CD-Player und Handtüchern auf dem Fahrrad. Anders können sie sich ihre Sommerferien kaum vorstellen.

          2 Min.

          „Verdammte Mücken!“ Ein Ausruf, der am Abend oft zu hören ist. Den ganzen Tag über brennt die Sonne auf die am Strand der Krummen Lanke Liegenden. Auch der 17 Jahre alte Paul Meinert ist schon zum dritten Mal diese Woche hier. "Wir treffen uns am See, um zu baden, zum Chillen, um Freunde zu treffen oder um ein Bier zu trinken." Und wenn die Sonne hinter den Bäumen verschwindet und der Dämmerung weicht? "Na, um Party zu machen!"

          Generationentreffpunkt bei 30 Grad im Schatten

          Wenn das Thermometer die 30-Grad-Marke zu überschreiten droht, wird die Krumme Lanke in Berlin-Zehlendorf zum Treffpunkt aller Generationen: Tagsüber springen kleine Kinder mit Eltern ballspielend durchs Wasser, ältere Herrschaften genießen das feuchte Nass als gelungene Abkühlung nach einem Spaziergang, und die ersten Jugendlichen mischen sich unter die Badegäste. Wenn dann die Sonne untergeht und das Alter vollends der Jugend weicht, ist auch Paul wieder mit seinen Freunden da.

          Alle mit Fahrrad. "Einer hat meist 'nen CD-Player dabei, so dass wir immer gute Musik haben", stellt der mit Bierflasche in der Hand im Wasser stehende Paul lächelnd fest. "Verdammte Mücken!" Mit einem gezielten Schlag auf den Oberarm erlegt der schlanke Jugendliche den Angreifer und wird sofort mit lautem Jubel seiner Freunde gefeiert. "Es ist Jagdsaison!", ruft einer von Pauls Freunden vom Strand herüber. Alle haben Handtücher mitgebracht, die in bunten Flecken den Strand zieren. Dazwischen stehen und liegen zehn Jugendliche, meist mit freiem Oberkörper und Badeshorts bekleidet, Mädchen in Bikinis haben sich dazugesellt.

          „So muss es '68 gewesen sein“

          "Feuer dürfen wir nicht machen, aber die eine oder andere Kerze geht", sagt der 15 Jahre alte Jonas zwinkernd, der gerade fünf Teelichter um sein Handtuch verteilt. Es wirkt alles sehr friedlich. Und mit hereinbrechender Nacht wird die Stimmung immer besser. Bald bevölkern rund 20 angetrunkene Jugendliche den Strand und feiern die Sommerferien. Ab und zu macht ein Joint die Runde, und als Jonas dann auch noch Pink Floyd in den CD-Player legt, stellt der schon leicht lallende Paul fest: "So muss es '68 gewesen sein." Der Lacher ist auf seiner Seite.

          "Wenn da nicht die Jugendlichen drüben am großen Strand wären. Es wurden schon mehrmals Taschen geklaut. Die kommen aus der City, so Schöneberg, Kreuzberg, Wedding und betrinken sich total, pöbeln rum und ziehen Leute ab." Bestätigendes Gemurmel. Jonas gelingt es noch, die Stimmung vor dem Nullpunkt zu retten: "Davon lassen wir uns doch den Spaß nicht verderben, Leute. Wir sind hier beim Springbaumstrand, die sollen beim großen Strand bleiben. Außerdem ist ja jetzt länger nichts passiert. Es sind Sommerferien. Party!"

          Party bis um drei Uhr in der Nacht

          Mit einem Mal belebt sich die Szenerie. Zwei hysterische Mädchen kommen, "Die Bullen!" rufend, auf den Strand gelaufen. In wenigen Sekunden sind selbst die Teelichter gelöscht, man möchte keinen Konflikt provozieren. Langsam fährt ein grüner Streifenwagen vorbei, ein Beamter steigt aus: "Jungs und Mädels, kein Feuer hier - wegen der Waldbrandgefahr - ihr wisst, bei der Hitze. Schönen Abend noch und viel Spaß mit den Mücken." Die Gruppe lacht freundlich, und als die Streife weiterfährt, wenden sich alle wieder der ausgelassenen Party zu. Erst gegen drei Uhr nachts beginnt der Strand sich zu leeren. Auch Paul und Jonas machen sich auf den Weg, beide haben eine halbe Stunde Fahrzeit vor sich. Fröhlich lachend, resümiert Paul: "Geiler Abend. Nur eines muss echt gesagt werden: Verdammte Mücken."

          Weitere Themen

          Fast so wichtig wie Bienen

          Studie zum Insektensterben : Fast so wichtig wie Bienen

          Forscher haben auf der Schwäbischen Alb über ein halbes Jahrhundert hinweg ein dramatisches Insektensterben verfolgt. Der Rückgang an Schwebfliegen beträgt bis zu 97 Prozent. Dabei sind sie wichtig für die Pflanzenbestäubung.

          Topmeldungen

          Terror in Nizza : Rausch des islamistischen Nihilismus

          Nach der Ermordung des Lehrers Samuel Paty durch einen Islamisten wurde die Stimmung aufgeheizt. Auch durch Boykottaufrufe gegen Frankreich in islamischen Ländern. Doch ein Pauschalverdacht gegen alle Muslime ist falsch.

          Der Papst und die Satire : Mit der Faust zuschlagen

          Der Muslimische Ältestenrat will das Magazin „Charlie Hebdo“ wegen der Mohammed-Karikaturen verklagen. Zeichnungen wie diese gefallen auch Papst Franziskus nicht. Da gibt es einen gefährlichen Schulterschluss.
          Die Parteizentrale der CDU in Berlin

          Streit über CDU-Parteitag : Tricksereien und spaltende Entgleisungen

          Die drei Kandidaten für den CDU-Vorsitz müssen einen gemeinsamen Vorschlag für Wahlformat und Wahltermin vorlegen. Nur so wird der Sieger die Partei zusammenzuhalten können. Ein Gastbeitrag des Vorsitzenden der Jungen Union.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.