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Slowenische Tourismusschüler : Klassenzimmer mit Meerblick, und keiner geht zum Schwimmen

  • -Aktualisiert am

Bild: Christopher Fellehner

Sie träumen vom eigenen Hotel, aber die Aussichten für die Schüler einer slowenischen Adriastadt sind schlecht. Trotz Disziplin und Dienstleistungswillen.

          Das klare, blaue Meer glitzert und funkelt in der Morgensonne. Am Hafen von Izola, einer slowenischen Kleinstadt an der Adria, nur etwa 15 Kilometer südlich der italienischen Grenze, liegen die Boote und Yachten der Stadtbewohner und Touristen. In den Scheiben brechen sich die Sonnenstrahlen. Es ist kurz nach sieben Uhr, und die ersten Schüler und Lehrkräfte finden sich auf dem Schulhof ein. Für die 310 Schüler der Srednja gostinska in turisticna sola Izola (SGTI) und ihre Lehrer ist es normal, mehrmals in der Woche diese Vorstunde wahrzunehmen, um das Schulpensum ableisten zu können.

          Die junge Lehrerin unterrichtet neun Fächer

          “Die Vorstunde ist eher unbliebt“, sagt eine zierliche junge Frau mit dunklen langen Haaren, die sie zu einem Zopf gebunden hat. Auf dem Kopf trägt sie eine Sonnenbrille, und ihr in Grau-Schwarz gehaltenes Outfit wirkt durch ihre Uhr und den Ring am rechten Ringfinger sportlich und schick zugleich. „Besonders im Winter ist es schwer, so früh aufzustehen.“ Sergeja Brglez gehört zu den Jüngsten unter den 26 Kolleginnen und Kollegen und lehrt insgesamt neun Fächer, darunter Tourismus und Ökonomie. Sie unterrichtet in den angebotenen Bildungsgängen mit den Schwerpunkten Gastronomie oder Tourismus.

          Die Schüler des ersten bis vierten Jahres an der SGTI befinden sich ungefähr im selben Alter wie deutsche Schüler der Klassen 9 bis 12. Wer das Abitur mit allgemeiner Universitätsberechtigung erreichen möchte, muss im fünften Schuljahr an eine andere Schule wechseln, zum Beispiel in die Nachbarstadt Piran. Nach drei Jahren erhalten die Schüler parallel zur theoretischen Ausbildung außerdem einen Ausbildungsabschluss als Koch oder Restaurantfachmann. Einen Ausbildungsbetrieb als dualen Ausbildungspartner gibt es in Slowenien nicht, die gesamte fachpraktische Ausbildung findet hier in der Schule statt.

          Die beste Note ist eine „Fünf“

          Auch das slowenische Notensystem ist anders als das deutsche, die schlechteste Note ist eine Eins, während die Fünf die beste Note ist. Außerdem gibt es nur glatte Noten, keine Zwei plus oder Drei minus. Frau Brglez, die den Schülern Lernstoff von der Kalkulation bis hin zu Wirtschaft und Recht vermittelt, legt viel Wert auf Medieneinsatz und Gruppenarbeit in ihrem Unterricht. Ganz besonders wichtig sei ihr jedoch Disziplin, was man ihr auch ansehen kann. Ihre kerzengerade Haltung und das sichere Auftreten lassen daran keinen Zweifel. Sie fordere viel von ihren Schülern, doch leider sei die Technik dabei oft im Weg. „Vater Google, Mutter Wikipedia“, sagt die junge Frau zum Arbeitsverhalten ihrer Schüler. Ihr erstaunlich gutes Deutsch hat sie übrigens in ihrer Kindheit durch deutschsprachige Comicserien des österreichischen Fernsehens gelernt.

          Schüler wie der 17 Jahre alte Timm Zgur sind begeistert von ihrem Unterricht. „Touristik ist mein Lieblingsfach“, sagt er und fügt hinzu: „Aber Sprachen sind bei uns auch sehr wichtig, denn wir haben in unserem schuleigenen Hotel nicht nur slowenische, sondern auch deutsche, französische und italienische Gäste.“ Die Schüler sprechen alle Englisch, lernen Französisch und Deutsch. Im Sommer ist das Schulhotel, das Gästen eine einfache Unterkunft bietet, jedes Jahr ausgebucht. Die erwirtschafteten Gewinne des schuleigenen Betriebs können wieder in die Schule investiert werden.

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