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Segelfliegen : 20 Extrakilo, und sie hebt ab

  • -Aktualisiert am

Bild: Illustration Andrea Koopmann

Carmen Müller möchte hoch hinaus. Die Achtzehnjährige will Pilotin werden. Eine passionierte Segelfliegerin ist die Abiturientin schon jetzt.

          4 Min.

          Das erste Mal hatte ich panische Angst und krallte mich mit meinen Händen an den Armlehnen fest!“, berichtet Carmen Müller lachend und in Erinnerungen schwelgend von ihrem ersten Flugzeugstart in die Dominikanische Republik. Diese Angst hat die angehende Abiturientin mittlerweile überwunden. Sie genießt jeden Moment, in dem sie mit ihrem Segelflieger in die Luft steigt und den Schulstress und private Sorgen vergessen und die Erde von oben betrachten kann.

          Sie durfte ins Cockpit

          Seit ihrem zwölften Lebensjahr hat die achtzehnjährige Oberstufenschülerin der Marienschule, eines Mädchengymnasiums im hessischen Fulda, das Ziel, später als Pilotin bei der Deutschen Lufthansa ihr Geld zu verdienen. Seitdem ihr Onkel, Technical Control Flight Manager am Frankfurter Flughafen, sie als Kind mit an den riesigen Airport genommen hat, weiß sie genau, wie ihre Zukunft aussehen soll. „Ich durfte sogar ins Cockpit einer Boeing 767 und mich auf den Pilotensitz setzen“, erzählt die blonde Jugendliche überglücklich von einer ihrer schönsten und bedeutsamsten Kindheitserinnerungen. „Am liebsten wäre ich damals direkt losgeflogen. Am besten bis nach Australien zu den Kängurus ans andere Ende der Welt“, erinnert sich die schon damals Reiselustige, während sie einem startenden Segelflieger nachschaut.

          Teamfähigkeit und Mehrfachbelastbarkeit

          Bis ein angehender Pilot das erste Mal die Triebwerke zünden und abheben darf, ist es ein langer Weg durch eine harte Ausbildung. Neben den guten Kenntnissen in der englischen Sprache, Mathematik und Physik muss der Pilotenanwärter auch bestimmte psychische und charakterliche Eignungen erfüllen. Ein guter Pilot muss nicht nur die motorischen Fähigkeiten vorweisen, die zum Steuern eines Flugzeuges benötigt werden, sondern auch Teamfähigkeit, Verantwortungsbewusstsein und Mehrfachbelastbarkeit demonstrieren. Außerdem muss der Bewerber einen souveränen Umgang in Stresssituationen beweisen. All diesen Voraussetzungen sieht die selbstbewusste Carmen gelassen entgegen.

          Nur die Frage über die körperlichen Richtlinien bringt ihre optimistische Ausstrahlung für einen kurzen Augenblick zum Verschwinden. „Leider erfülle ich mit einer Körpergröße von 1,62 Metern nicht die bei der Lufthansa geltende Mindestgröße von 1,65 Metern“, sagt sie. „Drei Zentimeter!“, lacht und ärgert sie sich zugleich. Da aber nicht alle Fluggesellschaften eine Mindestgröße voraussetzen, darüber weiß die sehr gut informierte Abiturientin genau Bescheid, sieht sie in ihrer Körperlänge kein wirkliches Hindernis. Nur eines, dass sie womöglich zu einer anderen Fluggesellschaft führt.

          Drei Flüge ohne Fluglehrer

          Die Vorstellung, als Frau in einem typischen Männerberuf Karriere zu machen, stört Carmen Müller nicht. Auch die Kenntnis darüber, dass der Anteil weiblicher Flugzeugführerinnen deutschlandweit unter vier und weltweit bei 2,5 Prozent liegt, schreckt sie nicht ab.

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