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Schweizer Fußballscout : Nur 15 von 15 000

  • -Aktualisiert am

Bei der Talentsuche setzt der Trainer auf die Methode Tips: Technik, Spielintelligenz, Persönlichkeit und Schnelligkeit der jungen Fußballer sind im Fokus.

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          Der Kindertraum, Fußballstar zu werden, wird von Erwachsenen oft nicht ernst genommen. Anders bei Trainer Dave Tschirky. „Hier im Footeco, der offiziellen Nachwuchsförderung des Schweizer Fußballvereins, trainiert man mit der Absicht, Profi zu werden. Der Weg zum Fußballprofi ist hart, und wer sein Ziel nicht vor Augen hat, wird dabei scheitern.“ Der Schiedsrichter pfeift dreimal, die jungen Spieler laufen vom Fußballplatz ihrer Heimatstadt Rüthi bei Zürich. Die Eltern eilen ihren Kindern entgegen. Mitten unter ihnen der Scout. Er bewertet die Spieler nach der Methode „Tips“. Das Tool des Schweizerischen Fussballverbandes bewertet Technik, Spielintelligenz, Persönlichkeit und Schnelligkeit. Die Spieler, die den Scouts als Talente aufgefallen sind, erhalten per Post eine Einladung zum Probetraining im Footeco. Da werden die Spieler erneut mit „Tips“ herausgefiltert. „Wir suchen nicht nach Spielern, die schon alles können, sondern nach Jugendlichen, deren Potential noch nicht ausgeschöpft wurde“, verrät Trainer Tschirky, der viel Wert auf das Verhalten der Spieler auf und neben dem Platz legt.

          Herausgefiltert für den Spitzenfußball

          Das Footeco-Programm, das für Fußball, Technik und Koordination steht, läuft im Alter von elf bis 13 Jahren. Die Spieler werden auch in Taktik, Kondition und mentaler Stärke geschult. Jährlich findet ein Ausscheidungsverfahren statt, bei dem es nur die Besten in die nächste Stufe schaffen. So werden Talente für den Spitzenfußball herausgefiltert. Auf der Stufe Footeco weiß man nicht, wer es zum Profi schaffen wird. Von 15 000 jungen Fußballern schaffen etwa 15 den Einstieg in den Profifußball. Als Spitzenfußballer werden Mannschaften ab der U15 aufwärts bezeichnet. Ist man in der Nationalmannschaft und bewährt man sich international, erhält man den Titel eines Elitespielers.

          Tschirkys Arbeit als Trainer auf der Stufe Footeco gilt als Teilzeitpensum, davon leben kann er auf diesem Niveau noch nicht. Zu seiner Arbeit gehören drei Trainingseinsätze und wöchentliche Fußballpartien. „Dass ich eines Tages Trainer werde, habe ich mir nie erträumt.“ Aufgrund einer Verletzung konnte Tschirky nicht mehr als Sportler agieren. Ständig hat man Spiele am anderen Ende der Schweiz. Die schulischen Leistungen leiden oft darunter, weshalb viele von sich aus mit dem Fußball aufhören. Spätestens nach dem neunten Schuljahr braucht man eine Alternative. Sei es eine Sportschule oder eine Sportlehre. „Die wenigsten setzen komplett auf den Sport, da das Risiko zu groß ist“, meint der Trainer.

          Das Sportinternat in Essen ist für Ella perfekt

          Auch Ella Touon musste sich entscheiden. „Es war mit Abstand die schwierigste Entscheidung, die ich jemals treffen musste. Für mich war immer klar, dass ich Fußball spielen will. Aber wo und vor allem wie?“, sagt die 16-Jährige. Trotz Anfragen und Einladungen zu Probetrainings von Schweizer Topmannschaften war ihre Freude minimal, da sie nicht wusste, wie sie noch mehr Trainingseinheiten in ihren vollgestopften Alltag integrieren sollte. Die Gymnasiastin, die in Lachen im Kanton Schwyz aufwuchs, hatte auch hohe schulische Erwartungen an sich. „Im Gymnasium merkte ich schnell, dass es nicht mehr ohne das Lernen ging, doch dafür fehlte mir die Zeit. Also fing ich an, morgens um vier aufzustehen, um das Nötigste zu lernen.“ Später, als Ella in der Schweizer Nationalmannschaft aufgenommen wurde, kamen noch die Trainingslager dazu. „Ich war oft abwesend und hatte keine Zeit, den Stoff nachzuholen. Ich wusste also, dass es so nicht weitergehen konnte.“

          Im Frühjahr erhielt Ella eine Einladung ins Sportinternat Essen. Die perfekte Lösung. Dafür musste sie allerdings nach Deutschland ziehen und ihre Freunde und Familie zurücklassen. „Es war schwierig, doch auf der anderen Seite ist mir eine riesige Last von den Schultern gefallen.“ Da Ella alle paar Monate Trainingslager in der Schweiz hat, verliert sie ihre Lieben nicht aus den Augen. „Das ist mir besonders wichtig. Der Weg zum Profi ist hart, wer keine Unterstützung von Freunden hat, wird es nicht schaffen. Ich verstehe mich gut mit meinen Mannschaftskameraden, doch die Beziehungen sind oftmals oberflächlich. Schlussendlich bleiben wir Konkurrenten.“ Kürzlich hat Touon die Einladung zur EM-Qualifikation erhalten.

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