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Schaffnerin : Am liebsten ist sie auf längeren Linien unterwegs

  • -Aktualisiert am

Bild: Moni Port, Labor Frankfurt

Sabine Hausch lenkt Busse und Straßenbahnen durch Bremen und plagt sich manchmal mit schwierigen Fahrgästen.

          4 Min.

          Der Liebe wegen“ zog Sabine Hausch von Crailsheim in Baden-Württemberg nach Bremen. Nach der Trennung von ihrem Mann blieb sie in der Hansestadt. Seit 13 Jahren arbeitet die 39-Jährige bei der Bremer Straßenbahn AG (BSAG). Bevor sie bei der BSAG mit ihren fast 340 Straßenbahnen und Bussen begann, war sie bei einem Paketdienst angestellt. „Nebenberuflich arbeitete ich in einem Kiosk an einer Endhaltestelle, wo ich durch pausierende Straßenbahnfahrer von dem Stellenangebot erfuhr.“ Zunächst fuhr sie ausschließlich Linienbusse. „Doch seit 2006 besitze ich das Doppelpatent zum Bus- und Straßenbahn fahren“, erzählt sie mit Begeisterung.

          Moderne Straßenbahnen haben eine Motorleistung von 4 mal 125 Kilowatt. „Mit diesen ungefähr 680 PS kann eine Höchstgeschwindigkeit von 70 Stundenkilometer erreicht werden.“ Während ein Auto bei 50 Stundenkilometer einen Mindestbremsweg von zehn Metern benötigt, braucht eine Straßenbahn dafür ungefähr 40 Meter. „In der Fahrschule für Straßenbahnfahrer werden daher Situationen durchgespielt, in denen die Fahrer das Einschätzen von Bremswegen und das richtige Bremsen lernen.“ Gerade im Herbst und im Winter befindet sich ein Schmierfilm auf den Schienen, der das Bremsen erschwert.

          Check vor der Ausrückzeit

          Bevor Sabine Hausch losfahren kann, muss sie im Betriebshof ihr meist knapp vierzig Meter langes Fahrzeug zehn Minuten vor der eigentlichen Ausrückzeit auf Einsatzfähigkeit überprüfen. „Bei diesem Check führen wir unter anderem mit kleinen weißen Kärtchen einen Probedruck an den Fahrkartenentwertern durch“, sagt die in ihrem Dienstanzug gutaussehende, entspannt und noch sehr jung wirkende zierliche Fahrerin, die mit ihrer fröhlichen Art nicht zu verkennen ist. In der Bahn drückt Hausch den Fahrschalter im Handumdrehen nach oben. Die Bahn setzt sich für ihr Gewichtsverhältnis mit großer Beschleunigung in Bewegung.

          In einer achtstündigen Schicht mit einer halbstündigen, gesetzlich festgelegten Pause, bekommt sie unterschiedliche Fahrzeuge zugewiesen. „Während der vier bis viereinhalb Stunden einer halben Schicht, bleibe ich meistens auf einer Linie. Doch der Fuhrpark ist groß. So wird die Tätigkeit nie eintönig, da jeder Fahrzeugtyp ein anderes Fahrverhalten besitzt.“ Am liebsten ist sie aber auf längeren Linien unterwegs, deren Linienverläufe durch die Innenstadt führen. Dies liegt mitunter daran, dass sie die Konzentration und den Trubel in der Bahn schätzt. „Da ich gerne draußen arbeite und den Kontakt zu den Fahrgästen mag, macht mir der Beruf Spaß. Erst nach dem vierten Tag mit Frühdienst ab 3.10 Uhr macht sich gegen acht Uhr morgens die erste Anstrengung bemerkbar.“ Ihr mache es kaum etwas aus, an Feiertagen oder Silvester zu arbeiten. Weniger gerne fährt sie abends in Außenbereiche der Stadt. Da ist sie froh, dass die Leitstelle durchgehend von zwei Verkehrsmeistern besetzt ist. Die Leitstelle am Betriebshof ist 24 Stunden durchgehend Ansprechpartner in Not- und Störfällen.

          Hilflose Fahrgäste und wüste Schlägereien

          „Unter anderem werden uns bei Demonstrationen über Funk Umleitungen bekanntgegeben, die wir dann zu fahren haben. Es gibt auch schon mal Probleme mit Fahrgästen.“ In den Fahrzeugen hat das Personal das Hausrecht, auch wenn diese eine Art öffentlichen Raum darstellen. Sollte es zu Schwierigkeiten kommen, beginnt eine Meldekette; die Leitstelle wird informiert, die die Polizei mit Informationen versorgt und gegebenenfalls mit Rettungswagen anfordert. „Manchmal gibt es hilflose Fahrgäste, die teilweise gar nicht mehr ansprechbar sind. Gerade im Winter ist das ganz schlimm. Diese Menschen können wir nicht auf die Straße setzen, so dass wir ihnen Hilfe organisieren.“

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