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Schachturniere : Schach-Oma Hartlaub auf Tour durch Europa

  • -Aktualisiert am

Bild: von Zubinski

Marianne Hartlaub hat das Schachspiel erst mit 57 Jahren für sich entdeckt. Heute tingelt die 91-Jährige mit ihrem Rollator von Turnier zu Turnier.

          4 Min.

          Es ist totenstill. Abgesehen vom monotonen Ticken der Uhren und gelegentlichem Klackern beim Bewegen oder Entfernen weißer und schwarzer Spielsteine. Die Anspannung im Raum ist greifbar. Marianne Hartlaub manövriert die schwarzen Figuren routiniert über das Schachbrett, ihr Gegner antwortet in regelmäßigen Abständen. So verändert sich die Stellung Zug um Zug. Gleichzeitig leert sich das Brett, während sich am Rand die geschlagenen Figuren in einer langen Bahn aufreihen. Nach und nach drängt Hartlaub den gegnerischen Monarchen mit ihrem eigenen zurück, während sie ihre Bauern weiter Richtung Grundreihe bewegt. Dann, unmittelbar nach dem letzten Zug, verfällt der Gegner in ein tiefes Nachdenken. Plötzlich und unerwartet, hebt er den Kopf und reicht ihr die Hand zur Aufgabe. Um die beiden Spieler herum bricht Applaus aus.

          Sie hat sich alles selbst beibringen müssen

          Damit ist die letzte Partie der Unterfränkischen Meisterschaften im Schach nach langen Stunden zu Ende gegangen. Marianne Hartlaub ist trotz mageren 2,5 Punkten aus neun Runden glücklich. Ihr ging es beim Schach nie wirklich ums Gewinnen. „Mir geht es nicht um die Punkte, sondern um den Spaß am Spiel und die Ideen“, sagt sie selbst von sich. Ihr gefällt am Schach, dass es so viele Möglichkeiten in jeder Partie gibt. Marianne Hartlaub als Phänomen zu bezeichnen ist keinesfalls untertrieben. Mit mittlerweile 91 Jahren ist sie topfit – sowohl körperlich als auch geistig. Das Schachspiel hat sie erst im Alter von 57 Jahren für sich entdeckt – bei den meisten ein Alter, um mit dem Schach aufzuhören. Geholfen hat ihr ihr Sohn, der den Schachklub in Klingenberg am Main gründete, in dem sie seit 34 Jahren spielt. Ihr Mann freute sich, dass sie dieses besondere Hobby ausführte, da er auch selbst Schach spielte. Seitdem hat sie sich mit Leib und Seele dem königlichen Spiel verschrieben, begann jedoch als ein richtiger Autodidakt. „Ich habe mir alles selbst beibringen müssen“, erklärt die rüstige Seniorin in ihrem Haus in Trennfurt am Main. Dabei hat sie sich an den großen Schachspielern ihrer Zeit orientiert, wie den Weltmeistern Bobby Fischer oder Anatoli Karpow.

          Besonders gerne spielt sie in ihrer Geburtsstadt Marienbad

          Seitdem ist sie ununterbrochen auf Achse, um Schach zu spielen. Immer im Gepäck ist ihr Rollator. Gespielt hat sie schon in zahlreichen Ländern: in Tschechien, der Schweiz, den Niederlanden, Russland und natürlich Deutschland. Es gibt kaum einen Fleck, wo sie noch nicht war. Sie tingelt jedes Jahr von Turnier zu Turnier, weshalb man Glück haben muss, sie zu Hause anzutreffen. Besonders gerne spielt Marianne Hartlaub in ihrer Geburtsstadt Marienbad im heutigen Tschechien. Sogar eine Schach-Kreuzfahrt hat sie schon unternommen, und das mit keinem Geringeren als Schachgroßmeister und Kommentatorenlegende Vlastimil Hort. „In 34 Jahren habe ich nun ganz Europa kennengelernt“, erinnert sie sich und fügt stolz hinzu: „Ich habe mir vorgenommen, jedes Jahr an einen neuen Ort zu gehen, wo ich noch nie zuvor war.“

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