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Romanticum Koblenz : Virtuell durchs Tal

  • -Aktualisiert am

Darum ist es im Museum am Rhein so schön: Das Romanticum Koblenz lockt mit Loreley-Karaoke und 70 Mit-Mach-Stationen.

          3 Min.

          Die Rheinromantik und das 21. Jahrhundert trennen nicht nur rund 250 Jahre, sondern auch Welten? Dass dies kein Hindernis sein muss, zeigt die Äußerung eines jungen Besuchers: „Endlich ein Museum, das im 21. Jahrhundert angekommen ist!“ Mit dem Lob wird das Romanticum in Koblenz bedacht, das vor sechs Jahren eröffnet wurde und eine interaktive Zeitreise in das Unesco-Weltkulturerbe Oberes Mittelrheintal bietet. Was darunter zu verstehen ist, erklärt der an der Mosel aufgewachsene 48-jährige Axel Hahn, ausgebildeter Kaufmann, der in der Touristeninformation in Koblenz arbeitet und für die technischen Stationen im Museum zuständig ist. „Das Museum ist aufgebaut wie eine Dampffahrt zur Zeit der Rheinromantik. Man durchfährt beim Rundgang virtuell das Rheintal, wobei erklärt wird, was zwischen der Strecke Koblenz und Rüdesheim entlang des Rheins vom Weltkulturerbe zu sehen ist. Zusätzlich dazu gibt es zahlreiche Erklärungen zu den Sehenswürdigkeiten auf der Strecke, zu der Geologie der Umgebung, der Flora und Fauna. Also zu allem, was dazu beigetragen hat, dass das obere Mittelrheintal zum Weltkulturerbe wurde.“

          Kleiner Reiseführer mit dem Smartphone

          Der Eingangsbereich der interaktiven Ausstellung wirkt wie eine Anlegestelle für das Dampfschiff, auf das man wartet. Die Wartezeit kann man sich vertreiben, indem man es sich auf einer der zahlreichen Bänke gemütlich macht und den Erzählungen über die An- und Weiterreisen über den Rhein lauscht oder die Säulen betrachtet, die überklebt sind mit Plakaten von Rheinreisen. Eine Wendeltreppe führt zu den mehr als siebzig Mit-Mach-Stationen, die nicht nur Klein, sondern auch Groß riesigen Spaß bereiten. Neben den Stationen oder Videos ist ein aufleuchtendes Kompasssymbol dargestellt, das sich auch auf der Internetseite des Romanticums unter dem Namen „Mein Romanticum“ wiederfindet. „Über das ,Mein Romanticum‘, das die Maske für die Informationen ist, die man während des Rundgangs auf der Eintrittskarte speichern kann, kann man diese daheim noch mal über die Website abrufen. Dies ist auch unterwegs möglich, indem man den QR-Code auf der Karte mit dem Smartphone scannt. Auf der Karte kann man all das speichern, für das man sich persönlich auch interessiert“, erklärt Hahn begeistert. „Somit hat man die Möglichkeit, mit Smartphone und Eintrittskarte einen kleinen Reiseführer zu erstellen.“

          Schöne Scherenschnitte und  lustige Momente

          Nach einiger Zeit gelangt man in das „Herz der Rheinromantik“, einen eher dunklen Raum, der von warmem Licht durchflutet ist. Hier zeigen sich auch die Lieblingsexponate der Besucher in ihrem besten Licht, wie Hahn schmunzelnd berichtet: „Es gibt zwei Exponate, bei denen man hört, dass die Gäste damit sehr viel Freude haben. Das ist einmal der Scherenschnitt. Diese Scherenschnittbilder kann man auch auf seiner Eintrittskarte speichern und noch mal zu Hause anschauen oder gegebenenfalls ausdrucken. Bei der Station sind auch immer zwei Personen nötig, eine Person, von der das Bild gemacht wird, und eine andere, die den Auslöser der Kamera drückt. Dabei kommt bei den Gruppen immer viel Spaß auf.“ Und tatsächlich: Eine Schlange bildet sich an dieser Station. Man setzt sich hinter eine Scheibe, von vorne ist nur der Schatten des Kopfes zu sehen. Mit einer altmodisch aussehenden Kamera schießt man das Bild und kann es für alle sichtbar auf einem von drei Bildschirmen ausstellen, die neben der Station die Wand dekorieren. Der Scherenschnitt war in der Rheinromantik eine häufig verwendete Technik in der Kunst.

          „Das zweite Exponat ist das Loreley-Karaoke, wobei durch die Nutzung für Gruppen sehr lustige Momente zustande kommen“, meint Axel Hahn. An dieser Station kann man mit den berühmten Versen von Heinrich Heine sein Talent zum Singen unter Beweis stellen, während der Rest es sich auf einem Sofa bequem macht. In den Räumlichkeiten, die den Salon des Dampfschiffes darstellen sollen, gibt es noch viele Exponate zu entdecken wie ein Schattenspiel, bei dem die Schatten von Persönlichkeiten, die in Koblenz geboren sind oder dort einen Besuch abgestattet haben, über die Leinwand huschen und ihre Geschichten erzählen. Der nächste Raum beschäftigt sich mit den Themen Wandern, Radfahren und Wein. Dort werden über verschiedene Monitore Erfahrungsberichte von Radfahrern, Wanderern und Weinkennern zum Besten gegeben. Beim Zuhören bekommt man auch ein Gefühl von Vorfreude auf den Sommer, Sonne und die Natur. Hier gibt es auch Vorschläge für Rad- und Wanderwege.

          Eine eigene Burg erstellen

          Der nächste Raum befasst sich mit den Sehenswürdigkeiten und besonders mit den Burgen auf der Strecke. Besucher können Echos ausprobieren und den Sagenscheinwerfer, den man auf einen bestimmten Punkt der Kulisse richten und durch den man eine Sage aus dem Mittelrheintal genießen kann, oder die Burgstaffelei, wo man sich eine eigene Burg erstellen kann, inspiriert von echten Burgen aus der Gegend. „Es ist wirklich für jeden etwas dabei, man kann Oma und Opa mitnehmen, die sich an den Steuerstand setzen und den Rhein über Monitore genießen, während die Kleinen die anderen Stationen in Anspruch nehmen“, erläutert Hahn. Der Steuerstand beeindruckt: In einer abgegrenzten Räumlichkeit befindet sich das Steuer des Dampfschiffs. Hier kann man über Monitore bequem auf einer Bank auf den Rhein schauen und eine Fahrt durch einen von neun Abschnitten des Rheintals genießen. Zu dieser Station hat Axel Hahn eine Anekdote parat: „Das lustigste Erlebnis war eine ältere englische Dame, die den Steuerstand benutzt und sehr amüsante Fotos von sich gemacht hat. Da sie im Winter hier war und die Monitore eine Fahrt bei traumhaftem Wetter zeigten, sagte sie: wenn ich die Bilder zu Hause zeige, dann werden die sich wundern, was für ein schönes Wetter in Deutschland im Winter ist.‘ Das fand ich dann doch schon sehr lustig.“

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