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Reiselust : Eine Hütte in der Karibik und ein Schweizer Zimmer

  • -Aktualisiert am

Bild: Illustration Claudia Weikert, Labor Frankfurt

Nelly spricht vier Sprachen und fühlt sich in vier Ländern heimisch. Zur Zeit lebt sie in Costa Rica, aber ihr Elternhaus ist in der Schweiz.

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          Es ist noch früh am Morgen, als Nelly Schläfereit wach wird. In der Nähe kräht ein Hahn, Hühner gackern, und das Muhen von Kühen ist zu hören. Seit drei Wochen bewohnt die Deutsche gemeinsam mit einer Freundin eine kleine Hütte zwischen dem Hühner- und dem Kuhstall des Bauernhofs „La Finca Biamonte“ in Costa Rica. Während der Woche arbeiten beide in einem Kindergarten, der auf dem Bauernhofgrundstück liegt, die Wochenenden verbringen sie an der karibischen Küste.

          Zwar sei ihr Spanisch noch alles andere als gut, sagt die 17-jährige Nelly, doch sie versuche immer Spanisch zu sprechen und vor allem bei Diskussionen nicht auf Englisch auf die Leute einzureden, das sie perfekt beherrscht. Spanisch ist die vierte Sprache, die Nelly nun lernt, und Costa Rica ist das vierte Land, in dem sie lebt. Als ihre Eltern, die beide in Freiburg Jura studierten, aus beruflichen Gründen vor neun Jahren entschieden, von Bergisch Gladbach nach Genf in die französische Schweiz zu ziehen, wo Nellys Vater nun als Compliance Officer für die Firma Japan Tobacco International arbeitet, habe sie ihre „erste Reaktion mit Wut ausgedrückt“, erinnert sich die dunkelblonde, großgewachsene junge Frau. Nach dieser ersten Reaktion war ihre „Einstellung zu dem Umzug jedoch weniger negativ“.

          Auf die Higshschool in die Nähe von Boston

          Schnell fand die damalige Drittklässlerin neue Freundinnen, turnte im Schulzirkus „Rustelli Confetti“, nahm Querflötenunterricht und sprach kaum ein Jahr später fließend Französisch. Um ihr Schulenglisch aufzubessern, zog es die sportbegeisterte Nelly vor drei Jahren in die Vereinigten Staaten in die Nähe von Boston, wo sie Schülerin der mit etwa 100 Schülern verhältnismäßig kleinen High Mowing School ist und ihren Highschoolabschluss machen wird.

          Neben den Fremdsprachen interessiert sie sich für Sport und lebt das intensiv aus: Im Herbst spielt sie in der Fußballmannschaft der Schule, im Frühling trainiert sie mit der Lacrossemannschaft, und im Winter macht sie Yoga. Im Gegensatz zu ihrem „Zuhause“ in Genf ist der Alltag in dem kleinen Internat, in dem sie in Wilton, New Hampshire, lebt, viel strukturierter. So wird sie um 7 Uhr geweckt, dann gibt es Frühstück. Der Unterricht beginnt um 8 Uhr und endet um 15 Uhr. Daraufhin trainiert die Fußballmannschaft täglich bis 17.30 Uhr, bevor „free time“ bis 20 Uhr ist, in der die Schüler das Internat verlassen können.

          Nach dem letzten Highschooljahr, das nach dem fast zweimonatigen Aufenthalt in Costa Rica beginnt, möchte Nelly ein Freiwilliges Soziales Jahr in Lateinamerika absolvieren, um dann „wirklich viersprachig“ zu sein, wie sie lachend sagt. Exotische Länder ziehen sie besonders an. „Mich hat beeindruckt, dass die Leute in Costa Rica und in ganz Lateinamerika sehr in der Gegenwart leben und sich nicht besonders viele Gedanken über die Zukunft machen. Sie genießen jeden Moment, und man hat das Gefühl, dass die Leute dort viel fröhlicher und glücklicher sind als in Europa oder den USA. Es ist einfach eine ganz andere Welt“, schwärmt sie, während ihre grün-blauen Augen leuchten.

          Manche Freundschaften halten die Entfernung aus

          Und wie sieht ein Freundeskreis aus, wenn man mit 17 Jahren schon in vier Ländern gelebt hat? Es sei durchaus schwer, Freundschaften in so vielen Ländern zu pflegen, räumt Nelly ein, doch daran erkenne sie auch die richtig guten. „Während manche Freundschaften die Entfernung aushalten, fallen andere mehr oder weniger auseinander.“

          Bei der Frage, wo sie sich zu Haue fühlt, in Deutschland, der Schweiz, den Vereinigten Staaten oder in Costa Rica, wird es kompliziert. „Die Frage nach meinem Zuhause konnte ich noch nie richtig beantworten.“ Theoretisch sei ihr Zuhause natürlich in der Schweiz, da ihre drei jüngeren Brüder und ihre Eltern dort leben und sie im Haus ihrer Eltern ein eigenes Zimmer hat. Doch es sei auch schon vorgekommen, dass sie das Internat, in dem sie in den Staaten lebt, als ihr Zuhause bezeichnet. Für sie steht fest, dass sie noch viel reisen möchte. Die Frage, wo sie später einmal leben möchte, lässt sie vorerst offen.

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