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Jungautoren : „Ich schreibe im Liegen“

Bis gerade eben kannten sie sich gar nicht. Aber jetzt. Franca und Nick sind nämlich beide Buchautoren und geben jetzt zusammen Interviews. Bild: Patricia Kühfuss

Franca ist neun, Nick ist elf. Und beide sind schon Buchautoren. Wir haben sie auf der Buchmesse getroffen und ein Gespräch über Drachen, Kommafehler, Nintendo, Inspirationsquellen und das Buch des Jahres geführt.

          5 Min.

          Franca und Nick, ihr seid erst 9 und 11 Jahre alt und habt schon je ein Buch veröffentlicht. Wann habt ihr angefangen zu schreiben?

          Anke Schipp
          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Franca: Ich konnte schon ein paar Buchstaben, bevor ich in die Schule gekommen bin. Es ist halt so gewesen, dass ich irgendwann einfach mal Lust hatte, in ein Heft zu schreiben. Und dann habe ich später gemerkt, dass ich es ja auch veröffentlichen und dafür Geld kriegen kann, denn ich spare auf ein Pferd. Deswegen hatte ich die Idee, das so zu machen.

          Und warum schreibst du Gedichte?

          Franca: Ich finde, Gedichte können so schön Gefühle ausdrücken. Außerdem habe ich über so was wie Freiheit geschrieben. Und über den Winter, Frühling, Sommer und Herbst.

          Und wie hast du angefangen zu schreiben, Nick?

          Nick: Ich habe ein Buch von Cornelia Funke gelesen, das heißt „Drachenreiter“. Das hat mich inspiriert, und dann wollte ich auch mal was dazu schreiben. Ich habe dann einfach angefangen und festgestellt, dass es Spaß macht, in die Welt einzutauchen, über die man da schreibt, und wie man sie verändern und gestalten kann. Und dann habe ich einfach immer weiter geschrieben.

          Und woher nimmst du die Ideen?

          Nick: Ich lasse mich von anderen Büchern inspirieren oder von dem, was ich so erlebe. Oder ich höre was in den Nachrichten.

          Kommen da denn auch Drachen vor?

          Nick: Nee, stimmt, eigentlich nehme ich doch nichts aus den Nachrichten. Vielleicht eher aus Filmen.

          Wie lange habt ihr an eurem Buch geschrieben?

          Franca: Ich habe immer mal wieder am Wochenende geschrieben. Ich schätze mal, so ein Dreivierteljahr.

          Nick: Ich habe auch eher am Wochenende geschrieben, weil ich sonst nicht so viel Zeit hatte. Ich glaube, bei mir waren es anderthalb Jahre.

          An welchem Ort schreibt ihr am liebsten?

          Franca: Ich liege ganz oft im Wohnzimmer auf dem Boden und schreibe auf dem Laptop.

          Nick: Ich schreibe eigentlich immer auf dem Sofa.

          Ist Deutsch euer Lieblingsfach in der Schule?

          Nick: Nee, meine Lieblingsfächer sind Sport und Mathe.

          Und Deutsch magst du nicht?

          Nick: Aufsätze schreiben schon, aber jetzt kommt ja Grammatik, das mag ich eher nicht.

          Franca: Von den wichtigen Fächern ist Deutsch mein liebstes Fach, aber Sport und Kunst mag ich auch sehr gerne.

          Wenn man gerne schreibt, liest man meistens auch gerne, oder?

          Franca nickt.

          Nick: Ja.

          Es heißt ja, Mädchen lesen Pferdebücher und Jungs nur Abenteuerbücher. Ist das bei euch auch so?

          Franca: Nein, ich lese auch Abenteuerbücher. Ich habe zum Beispiel auch den „Drachenreiter“ von Cornelia Funke gelesen.

          Nick: Pferdebücher würde ich nie lesen. Das ist schon eher was für Mädchen. Ich lese am liebsten Fantasy-Bücher.

          Wenn ihr viel lest, sagen eure Eltern auch schon mal: „Leg doch mal das Buch weg und bring den Müll runter“?

          Nick: Ja, oft genug. Besonders aber meine Freunde. Mein bester Freund, der sagt immer, wenn ich ein neues Buch habe: „Nee, jetzt ist der schon wieder die ganze Woche weg.“ Nach der Schule gehe ich oft noch mal raus, aber abends lese ich sehr gerne.

          Franca: Bei mir ist es so, wenn ich gerade lese, dann fühle ich mich schon manchmal schnell gestört. Am liebsten lese ich dann in meinem Zimmer.

          Was macht ihr lieber, Lesen oder Fernsehen?

          Nick: Lesen.

          Franca: Beides gleich.

          Und wie ist das bei euren Freunden?

          Nick: Meine Freunde schauen schon mehr fern als lesen.

          Franca: Es gibt viele aus meiner Klasse, die viel lieber fernsehen.

          Und Nintendo?

          Nick: Mache ich auch gerne.

          Und wann machst du das, wenn du so viel liest?

          Nick: Das mache ich, bevor ich lese, vielleicht eine Stunde am Tag. Lesen tue ich dann etwa anderthalb oder zwei Stunden am Tag.

          Vielleicht habt ihr ja gehört, dass der Deutsche Buchpreis für das wichtigste Buch des Jahres gerade verliehen wurde. Der Titel heißt: „Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969“. Würdet ihr so ein Buch kaufen?

          Franca (lacht): Nein.

          Nick (lacht): Eher nicht.

          Wie seid ihr denn auf eure Titel gekommen?

          Nick: Am Anfang hatte ich einen ganz anderen Titel, der hieß „Die Welt der Fabelwesen“. Allerdings hatte ich dann im Internet geschaut, ob es den Titel schon gibt. Und da gab es einen Uni-Vortrag über Fabelwesen, der hieß auch so. Da wusste ich nicht, ob ich den Titel nehmen kann. Und dann habe ich es einfach „Das vergessene Drachenland“ genannt.

          Franca: Ich habe einfach überlegt, und weil ich ein Gedicht über den Herbst geschrieben habe ... ja, irgendwie fand ich das Wort ganz schön – „Nebelglanz“.

          Wie kam es überhaupt zu der Veröffentlichung der Bücher? Hatten eure Eltern die Idee?

          Franca: Also, wir hatten irgendwie zusammen die Idee.

          Nick: Ja, eher die Eltern, aber ein bisschen wollte ich auch veröffentlichen.

          Haben eure Eltern eure Bücher vorher gelesen? Und vielleicht noch was geändert?

          Franca: Ich habe es mir mit meinem Vater angeguckt, und dann hat Papa mir auch geholfen, das zu veröffentlichen. Mehr nicht. Alles ist so geblieben.

          Nick: Wir haben zusammen noch mal die ganzen Rechtschreibfehler rausgemacht und Kommas gesetzt. Kommas sind meine Schwachstelle. Den Text wollte ich eigentlich nicht mehr verändern, denn den habe ich ja in der dritten und vierten Klasse geschrieben.

          Wissen eure Klassenkameraden, dass ihr ein Buch geschrieben habt?

          Nick: In der alten Klasse schon, in der neuen eher nicht, da wissen es nur ein paar Freunde.

          Habt ihr in der Klasse erzählt, dass ihr auf die Buchmesse fahrt?

          Franca: Ich wollte es eigentlich nur meinen Freundinnen erzählen. Aber dann hat die Lehrerin gesagt, ich soll es mal in der Klasse erzählen.

          Und was haben deine Klassenkameraden gesagt?

          Franca: Manche haben mir viel Glück gewünscht.

          Nick: Bei mir habe ich am Ende der vierten Klasse mein Buch vorgelesen. Allerdings war das der letzte Tag im Schuljahr, und da hat keiner mehr irgendwas gesagt, weil ich gleich zum Bus musste.

          Jetzt bist du in der sechsten Klasse. Wissen nicht alle, dass du fehlst, weil du bei der Buchmesse bist?

          Nick: Meine Freunde wissen es. Meine Deutschlehrerin hat gesagt, dass ich das Buch in der Klasse vorlesen soll, wenn ich von der Buchmesse zurück bin. Na ja, das mache ich dann auch, aber eigentlich nicht so gerne. Ich will nicht so dastehen wie jemand, der sagt: „Schaut mal, ich hab ein Buch geschrieben. Verbeugt euch jetzt alle vor mir.“

          Findest du das angeberisch?

          Nick: Ja.

          Franca: Ich finde schon, dass alle, die wollen, mein Buch lesen können, aber ich will überhaupt nicht angeben damit.

          Habt ihr Angst, für Streber gehalten zu werden?

          Franca: Ja, das mag ich nicht so gerne, wenn das jemand sagt.

          Hat das denn schon mal jemand gesagt?

          Franca: Ja, aber eher so im Spaß. Es war aber auch nicht wegen des Buchs, sondern weil ich im Zeugnis nicht so schlechte Noten hatte.

          Nick: Bei mir haben sie es auch eher wegen meinem Zeugnis gesagt.

          Wenn ihr mal groß seid, was wollt ihr werden?

          Franca: Ich will Schriftstellerin werden und auch noch was mit Pferden machen.

          Nick: Ich will Schreiben nur als Nebenberuf machen. Als Hauptberuf will ich eher in den Bereich Informatik und Maschinenbau gehen.

          Welche Schriftsteller findet ihr gut?

          Franca: Ich war letztens auf einer Lesung von Cornelia Funke und habe auch mit ihr gesprochen, die war sehr nett. Ich habe ihr auch erzählt, dass ich ein Buch geschrieben habe. Da hat sie gesagt, dass ich bestimmt in meinem Leben so viele Bücher schreiben werde, dass sie bis zur Kirchendecke reichen werden, denn die Lesung fand in einer Kirche statt. Aber das war natürlich völlig übertrieben.

          Nick: Wen ich gerne mal treffen würde, das kann ich aber nicht, weil der schon tot ist, ist Tolkien, der Autor von „Herr der Ringe“. Ich würde gerne mal wissen, wie er auf die ganzen Ideen gekommen ist.

          Habt ihr schon ein neues Projekt?

          Franca: Ich schreibe jetzt erst mal ein Pferdebuch. Und danach was mit Wölfen, da habe ich auch schon eine Idee.

          Nick: Ich schreibe auch an einem neuen Buch. Das ist schon dicker als das alte. Und vom Schreibstil ist es auch schon ein bisschen besser, es geht aber auch um Drachen und Fantasy. Ich weiß noch nicht, wann das fertig wird. Das Beste ist, nichts zu versprechen, denn wenn man das macht, muss man es auch fertig kriegen.

          Jungautoren

          Kinder, die Bücher schreiben, sind Wunderkinder? Nicht unbedingt! Auf Self-Publishing-Plattformen gibt es immer mehr Eltern, die die Werke ihrer Kinder mit relativ geringen Kosten veröffentlichen lassen. Käufer sind dann vor allem Verwandte und Freunde. So wie bei Franca Nitsche und Nick Kiesgen, die auf der Plattform epubli den Gedichtband „Nebelglanz“ (Franca) und die Fantasy-Geschichte „Das vergessene Drachenland“ (Nick) veröffentlicht haben.

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