https://www.faz.net/-guy-893xe

Jungautoren : „Ich schreibe im Liegen“

Nick: Am Anfang hatte ich einen ganz anderen Titel, der hieß „Die Welt der Fabelwesen“. Allerdings hatte ich dann im Internet geschaut, ob es den Titel schon gibt. Und da gab es einen Uni-Vortrag über Fabelwesen, der hieß auch so. Da wusste ich nicht, ob ich den Titel nehmen kann. Und dann habe ich es einfach „Das vergessene Drachenland“ genannt.

Franca: Ich habe einfach überlegt, und weil ich ein Gedicht über den Herbst geschrieben habe ... ja, irgendwie fand ich das Wort ganz schön – „Nebelglanz“.

Wie kam es überhaupt zu der Veröffentlichung der Bücher? Hatten eure Eltern die Idee?

Franca: Also, wir hatten irgendwie zusammen die Idee.

Nick: Ja, eher die Eltern, aber ein bisschen wollte ich auch veröffentlichen.

Haben eure Eltern eure Bücher vorher gelesen? Und vielleicht noch was geändert?

Franca: Ich habe es mir mit meinem Vater angeguckt, und dann hat Papa mir auch geholfen, das zu veröffentlichen. Mehr nicht. Alles ist so geblieben.

Nick: Wir haben zusammen noch mal die ganzen Rechtschreibfehler rausgemacht und Kommas gesetzt. Kommas sind meine Schwachstelle. Den Text wollte ich eigentlich nicht mehr verändern, denn den habe ich ja in der dritten und vierten Klasse geschrieben.

Wissen eure Klassenkameraden, dass ihr ein Buch geschrieben habt?

Nick: In der alten Klasse schon, in der neuen eher nicht, da wissen es nur ein paar Freunde.

Habt ihr in der Klasse erzählt, dass ihr auf die Buchmesse fahrt?

Franca: Ich wollte es eigentlich nur meinen Freundinnen erzählen. Aber dann hat die Lehrerin gesagt, ich soll es mal in der Klasse erzählen.

Und was haben deine Klassenkameraden gesagt?

Franca: Manche haben mir viel Glück gewünscht.

Nick: Bei mir habe ich am Ende der vierten Klasse mein Buch vorgelesen. Allerdings war das der letzte Tag im Schuljahr, und da hat keiner mehr irgendwas gesagt, weil ich gleich zum Bus musste.

Jetzt bist du in der sechsten Klasse. Wissen nicht alle, dass du fehlst, weil du bei der Buchmesse bist?

Nick: Meine Freunde wissen es. Meine Deutschlehrerin hat gesagt, dass ich das Buch in der Klasse vorlesen soll, wenn ich von der Buchmesse zurück bin. Na ja, das mache ich dann auch, aber eigentlich nicht so gerne. Ich will nicht so dastehen wie jemand, der sagt: „Schaut mal, ich hab ein Buch geschrieben. Verbeugt euch jetzt alle vor mir.“

Findest du das angeberisch?

Nick: Ja.

Franca: Ich finde schon, dass alle, die wollen, mein Buch lesen können, aber ich will überhaupt nicht angeben damit.

Habt ihr Angst, für Streber gehalten zu werden?

Franca: Ja, das mag ich nicht so gerne, wenn das jemand sagt.

Hat das denn schon mal jemand gesagt?

Franca: Ja, aber eher so im Spaß. Es war aber auch nicht wegen des Buchs, sondern weil ich im Zeugnis nicht so schlechte Noten hatte.

Nick: Bei mir haben sie es auch eher wegen meinem Zeugnis gesagt.

Wenn ihr mal groß seid, was wollt ihr werden?

Franca: Ich will Schriftstellerin werden und auch noch was mit Pferden machen.

Nick: Ich will Schreiben nur als Nebenberuf machen. Als Hauptberuf will ich eher in den Bereich Informatik und Maschinenbau gehen.

Welche Schriftsteller findet ihr gut?

Franca: Ich war letztens auf einer Lesung von Cornelia Funke und habe auch mit ihr gesprochen, die war sehr nett. Ich habe ihr auch erzählt, dass ich ein Buch geschrieben habe. Da hat sie gesagt, dass ich bestimmt in meinem Leben so viele Bücher schreiben werde, dass sie bis zur Kirchendecke reichen werden, denn die Lesung fand in einer Kirche statt. Aber das war natürlich völlig übertrieben.

Nick: Wen ich gerne mal treffen würde, das kann ich aber nicht, weil der schon tot ist, ist Tolkien, der Autor von „Herr der Ringe“. Ich würde gerne mal wissen, wie er auf die ganzen Ideen gekommen ist.

Habt ihr schon ein neues Projekt?

Franca: Ich schreibe jetzt erst mal ein Pferdebuch. Und danach was mit Wölfen, da habe ich auch schon eine Idee.

Nick: Ich schreibe auch an einem neuen Buch. Das ist schon dicker als das alte. Und vom Schreibstil ist es auch schon ein bisschen besser, es geht aber auch um Drachen und Fantasy. Ich weiß noch nicht, wann das fertig wird. Das Beste ist, nichts zu versprechen, denn wenn man das macht, muss man es auch fertig kriegen.

Jungautoren

Kinder, die Bücher schreiben, sind Wunderkinder? Nicht unbedingt! Auf Self-Publishing-Plattformen gibt es immer mehr Eltern, die die Werke ihrer Kinder mit relativ geringen Kosten veröffentlichen lassen. Käufer sind dann vor allem Verwandte und Freunde. So wie bei Franca Nitsche und Nick Kiesgen, die auf der Plattform epubli den Gedichtband „Nebelglanz“ (Franca) und die Fantasy-Geschichte „Das vergessene Drachenland“ (Nick) veröffentlicht haben.

Weitere Themen

Hunger heiligt Kunst

Essen und Schreiben : Hunger heiligt Kunst

In den Büchern von Autorinnen wie Sally Rooney, Michelle Steinbeck oder Chris Kraus essen Frauen – oder sie schreiben. Aber nie beides. Über die mystische Tradition einer sehr aktuellen Frage.

„Kannst du nicht mal leiser atmen?“

Beziehungskolumne : „Kannst du nicht mal leiser atmen?“

Der Freund unserer Autorin kann ohne ihre Anwesenheit schlecht einschlafen. Was sie zu Beginn romantisch fand, empfindet sie nun als emotionale Erpressung. Aber was tun, wenn der Schlafrhythmus des anderen nicht zum eigenen passt? Die Beziehungskolumne „Ich. Du. Er. Sie. Es.“

Topmeldungen

Zum Tod von Hardy Krüger : Einer unter Millionen

Der Schauspieler, Autor und Regisseur Hardy Krüger ist gestorben. Er war mehr als nur ein Weltstar. Er war ein guter Mensch und ein anständiger Deutscher.
Durch Anom entdeckt: Cannabis-Plantage in Hessen

Kryptodienst Anom : Organisierte Kriminalität in der Falle

Mit dem Kryptodienst Anom stellte das FBI eine Falle, durch die weltweit Hunderte Drogenhändler festgenommen werden konnten. Aber sind die so erhobenen Beweise vor deutschen Gerichten verwertbar?