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Harfinistin : Ein Tag in der Woche ist harfenfrei

  • -Aktualisiert am

Bild: Moni Port, Labor Frankfurt

Maria-Theresa Freibott liebt das Harfenspiel und träumt von einer Karriere als Berufsmusikerin. Dafür tut die 17jährige Abiturientin schon jetzt sehr viel.

          Schon als ich etwa drei Jahre alt war, wollte ich unbedingt Harfe lernen. Damals war ich in einem Konzert meiner Eltern, und als ich im Orchester die Harfe gesehen habe, war ich gleich fasziniert“, erinnert sich die 17-jährige Maria-Theresa Freibott, während sich der Probenraum der Kissinger Sängervereinigung langsam leert. Mit ihrer Jeans und dem Pulli wirkt sie überhaupt nicht wie eine abgehobene Musikerin, sondern wie ein normales junges Mädchen; allein die halblangen dunkelblonden Locken scheinen perfekt in die landläufige Vorstellung einer Harfenspielerin zu passen.

          Auch Maria-Theresa singt seit Jahren in dem von ihrem Vater geleiteten Chor, der eben noch hier geprobt hat und den sie schon als Solo-Harfenistin begleitet hat. Dass es dazu überhaupt kam, hat Maria-Theresa zum Teil wohl auch einer gewissen Dickköpfigkeit zu verdanken, denn obwohl sie schon so früh Harfe lernen wollte, musste sie damit warten, bis sie acht Jahre alt war. „Das ist beim Harfespielen so etwas wie das Mindestalter.“ In der Zwischenzeit bekam sie Klavierstunden, um das Notenlesen zu lernen und weil das die Zweihändigkeit fördert.

          Nebenbei studiert sie in Würzburg

          „Als ich etwa fünf war, wollte meine Mutter, die selbst Geigerin ist, mich außerdem für die Geige begeistern, aber ich war da skeptisch, ich wollte schließlich Harfe spielen. Als sie dann gemeint hat, dass man auf einer Geige doch auch zupfen kann wie auf der Harfe, habe ich es immerhin versucht. In der ersten Stunde durfte ich auch zupfen, aber als ich in der zweiten Stunde mit dem Bogen spielen sollte, wollte ich nicht weitermachen. Das klang ja nicht mehr wie Harfe“, berichtet sie lachend.

          Also bekam Maria-Theresa mit acht Jahren ihren ersten Harfenunterricht und studiert seit 2007 im Rahmen der Frühförderung an der Hochschule für Musik Würzburg. Maria-Theresa besucht Kurse in Musiktheorie und erhält Harfen-Einzelunterricht bei Gisèle Herbet, Professorin und Solo-Harfenistin. Auch Maria-Theresa träumt von einer Profikarriere. „Ich möchte sehr gerne in einem ausländischen Orchester spielen und dann um die Welt reisen.“ Am besten würde ihr eine Anstellung in Frankreich oder Spanien gefallen; allein schon wegen der Sprachen dort, die sie in der Schule bereits begeistert lernt. Wie wichtig ihr dieses Ziel ist, zeigt sich auch daran, dass sie das Jack-Steinberger-Gymnasium in Bad Kissingen verlassen hat und jetzt das Siebold-Gymnasium im etwa eine Stunde entfernten Würzburg besucht, wo ein Musikleistungskurs angeboten wird.

          Die Organistenprüfung hat sie auch schon

          Sie übt täglich bis zu zwei Stunden, auch während Freistunden, wofür sie ein Instrument der Hochschule benutzen darf. „Ein Tag in der Woche ist aber eigentlich immer sozusagen harfenfrei, allerdings eher gezwungenermaßen, weil ich lange Schule habe und dann noch in einer Kirche Orgel spiele, um nicht aus der Übung zu kommen“, erklärt Maria-Theresa, die im vergangenen Jahr auch noch als jüngste Absolventin der Diözese Würzburg die Organistenprüfung abgelegt hat.

          „Am Wochenende kann das Üben dafür auch mal deutlich länger als unter der Woche dauern.“ Die viele Arbeit macht sich bezahlt: Neben dem Bezirksjugendsinfonieorchester Unterfranken und der „Jungen Philharmonie Würzburg“ spielt Maria-Theresa in der „sinfonietta franconica“. Außerdem wird sie wieder am Wettbewerb „Jugend musiziert“ teilnehmen.

          Ihre Mutter ist Diplom-Orchestermusikerin im Fach Violine und spielt unter anderem aushilfsweise bei den Hofer Symphonikern, der Vater ist an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg als Dozent angestellt und leitet dort den Chor und Kammerchor. Zwar haben sie ihre Tochter gefördert, sie aber nicht unter Druck gesetzt. „Eigentlich war ich immer selbst sehr motiviert, was das Üben betrifft“, überlegt Maria-Theresa. Dass ihre Eltern nie versucht haben, ihre Kinder in eine Richtung zu drängen, sähe man auch an ihrem jüngeren Bruder Hermann, meint Maria-Theresa, der interessiere sich nämlich eher für Fußball und ist Schiedsrichter.

          Am Wochenende mit den Freunden unterwegs

          Die Frage, ob es für sie nicht trotzdem manchmal schwer ist, das alles unter einen Hut zu bringen, verneint sie: „Das ist einfach eine Organisationsfrage, meistens bleibt mir sogar noch genug Zeit, um mit meinen Freunden zu telefonieren oder zu chatten.“ Und das, obwohl sie dabei auch die Schule nicht vernachlässigen will, denn falls es mit der Musik doch nicht klappen sollte, möchte sie Alternativen haben. Überhaupt sieht Maria-Theresa in der Musik nicht ihren einzigen Lebensinhalt: „Meine Familie und meine Freunde spielen eine sehr große Rolle für mich, und am Wochenende unternehme ich meistens etwas mit Freunden. Außerdem gehe ich hin und wieder in die Disco, und es ist auch nicht so, dass ich nur klassische Musik hören würde“, stellt sie klar. Dann gibt sie jedoch zu: „Aber wenn ich mal eine Zeitlang gar nicht üben konnte, freue ich mich richtig auf meine Harfe.“

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