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Gefälschte Ausweise : Aufs Revier statt in die Disco

  • -Aktualisiert am

Bild: Andrea Koopmann

Vor den Türen des Halli Galli, wie die Frankfurter Disco genannt wird, endet der abendliche Ausflug der Mädchen. Der Türsteher hat die gefälschten Ausweise erkannt. Die Folgen sind unangenehm.

          4 Min.

          A„Was ist denn das?“, hört man den bulligen, braungebrannten etwa 1,85 Meter großen Mann mit schwarzen Haaren und schwarzer Kleidung verärgert rufen. Er kontrolliert die Personalausweise einer Gruppe von fünf Mädchen in Feierlaune, die sich gegen 23 Uhr vor der kleinen Disco „Dancecenter A66“, besser bekannt als „Halli Galli“, in Frankfurt befinden. „Ein Perso“, antwortet die Erste leicht verängstigt, versucht dies jedoch zu überspielen. Sie trägt eine schwarze Leggings, High Heels und ein blaues Oberteil, das bis über ihre Knie reicht. Kritisch schaut sich der Türsteher die Ausweise der anderen an und murmelt: „Jetzt haben wir ein Problem, oder besser: Ihr zwei habt ein Problem“, und deutet auf die zwei ersten Mädchen der Schlange, die sich von der Treppe, die von der Straße als Aufgang dient, bis zum Eingang der Disco zieht, die etwas abgelegen neben einem Kino zu finden ist.

          Die Kreativität spielen lassen

          Gefälschte Personalausweise sind kein Kavaliersdelikt, gehören allerdings mittlerweile zum Alltag. Die Jugend möchte feiern gehen und Alkohol trinken, das Einzige, was sie davon abhält, sind die Türsteher, die sich nicht mehr durch einen gefälschten Schülerausweis täuschen lassen. Eine andere Lösung muss her, das Alter zu verändern. Die Zahl der gefälschten Personalausweise nimmt deshalb stetig zu, da diese neben dem Führerschein und dem Reisepass als einzige gültige Urkunde von den Türstehern akzeptiert werden. Die Jugendlichen lassen dabei ihre Kreativität spielen. Es gibt viele Möglichkeiten, einen Personalausweis zu verändern, alles wird ausprobiert und meistens geahndet.

          Doch welche Folgen hat ein solcher, auf den ersten Blick harmloser Streich? „Mehr als eine Verwarnung wird es nicht geben“, sagt die 17-jährige Mira aus Frankfurt. „Oder vielleicht wird auch die Polizei gerufen, aber was sollen die schon groß tun? Die meisten wollen ja nur in die Clubs und nichts weiter mit dem Ausweis machen“, fügt Sema, ihre gleichaltrige Freundin, hinzu.

          Zwei Beamte in voller Montur

          Das ist nicht ganz richtig. Sollte die Polizei eingeschaltet werden, wird man mit auf die Wache genommen, muss seine Personalien angeben, es werden Lichtbilder angefertigt und Fingerabdrücke genommen für eine erkennungsdienstliche Behandlung. „Die Türsteher haben mich und meine Freundin erst eine halbe Stunde warten lassen. Sie waren sich selbst nicht sicher, ob sie die Polizei rufen sollen oder nicht. Einer wollte es unbedingt, der andere war unentschlossen. Letzen Endes haben sie sich aber dafür entschieden, und nach einer weiteren halben Stunde standen zwei Beamte in voller Montur, also Schlagstock, Weste und so weiter vor meiner Freundin und mir“, berichtet die 16-jährige Magdalena, die an besagtem Abend „ein Problem“ bekam. Hinzu kommt eine Anzeige wegen Urkundenfälschung. Als Folge muss man sich sogar auf eine Freiheitsstrafe einstellen, bei zuvor nicht polizeilich aufgefallenen Jugendlichen unter 18 Jahren endet dieses Delikt meist aber mit Sozialstunden oder einer Geldstrafe. „An so was habe ich nicht gedacht, ich wusste, ich mache mich strafbar, aber alle meine Freunde haben einen solchen Ausweis, und ich habe einfach nicht damit gerechnet, erwischt zu werden, die Male zuvor hat es auch immer geklappt“, sagt Magdalena. „Kurz zuvor haben mich zwei andere Freundinnen von drinnen noch angerufen und erzählt, dass sie ohne Probleme eingelassen wurden. Ich war beruhigt und umso geschockter, als der Türsteher meinen gefälschten Ausweis erkannte.“

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