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Fasnachtswagenbau : Schwer in Fahrt vor dem großen Umzug

  • -Aktualisiert am

Bild: Von Zubinski, LABOR Frankfurt

9000 Arbeitsstunden werden in den Bau der Motivwagen des Rosenmontagszugs investiert. Über die Motive stimmen die Mainzer Männer ab.

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          Sie ist gelb, groß und watschelt immer hintendrein. Die Rede ist von der Zugente, die alljährlich eine Attraktion des Mainzer Rosenmontagszugs darstellt und diesen traditionell beendet. In der Fabrikhalle des größten Mainzer Carnevalvereins MCV in Mainz-Mombach kann man die Zugente das ganze Jahr bestaunen. Dort haust sie zusammen mit anderen Vereins- und Motivwagen und wartet auf ihren großen Auftritt. "Nach Fassenacht falle ich immer in ein tiefes Loch", sagt Dieter Wenger. Er leitet die Dekorationsfirma Inspiration, die für Wagen und Motive des MCV und anderer Gruppen und Vereine zuständig ist.

          "Ich habe den Zug schon als kleiner Bub direkt an mir vorbeilaufen sehen", erzählt der in der Augustinergasse in der Mainzer Altstadt Aufgewachsene und kommt dabei ins Schwärmen. Von einfachen Comics, einer Ausbildung als Dekorateur übers Theater bis zum erfolgreichen Bühnenbildner findet Wenger schließlich den Weg in die Mainzer Fassenacht. Er bezeichnet sich selbst als Künstler, denn in seiner Arbeit ist vom Entwerfen bis zum Schweißen und Lackieren alles dabei - alles Handarbeit.

          Der 71-Jährige entwirft und baut auch für das ZDF, wie zum Beispiel die Bühne der Kindersendung "1,2, oder 3" oder einen lebensgroßen Tabaluga und den bösen Arktos. Seine Leidenschaft allerdings bleibt die Meenzer Fassenacht. "Wer einmal eine Narrenmütze aufhat, legt sie nicht mehr ab", scherzt er.

          An Rosenmontag ist die ganze Narrenwelt erstaunt, welch großartige Motivwagen wieder einmal umgesetzt wurden. Die 25 Mitglieder der Zugleitung sammeln etliche Themenvorschläge, und dann wird, selbst in der Fassenacht, ganz einfach demokratisch darüber abgestimmt. "Aber alles, was wir machen, muss anders sein, keinen Wagen wird man auf dem Zug zweimal sehen", betont Wenger. Dann müssen Skizzen her. Wenger trommelt wieder seine rund 20 bis 25 Mitarbeiter zusammen, und es geht ans Schnitzen der aus Styropor und Stahl entstehenden Motive. Schätzungsweise 9000 Arbeitsstunden müssen für alle Wagen gerechnet werden, das ist schon eine erstaunliche Arbeitszeit dafür, dass manche Motivwagen nach der Kampagne direkt entsorgt werden. Besonders gelungene oder witzige Werke werden aufgehoben, wie zum Beispiel die riesige Freiheitsstatue, die im Jahr 2009 einen Motivwagen zierte: Mit auf dem Wagen war eine Figur des amerikanischen Präsidenten Barack Obama, der versuchte, die Statue wieder aufzurichten.

          Nach einem erfolgreich gemeisterten Zug bleibt auch Kritik nicht aus. Es wird viel Lob und Anerkennung ausgesprochen, aber auch negative Kritik bis hin zu gerichtlichen Verhandlungen. Dieter Wegner erinnert sich an den Fall der nackten Nonne. Bereits vor dem Rosenmontag gab es heftige Diskussionen, und eine Pressekonferenz, besonders der Bischof von Mainz, Karl Kardinal Lehmann, protestierte gegen den Wagen. Beim Thema Kirche gab es schon öfter Proteste. Doch die Debatte endete zugunsten des Meenzer Humors, der Wagen durfte fahren, aber zufälligerweise gab es genau an dieser Stelle des Zugs eine Bildstörung. "Nichts ist so ernst wie die Fassenacht", sagt Wenger.

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