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Eine Zeitzeugin erinnert sich : „Drei Liter“ statt „Heil Hitler“

  • -Aktualisiert am

Bild: Anke Kuhl, Labor

Eva Pankok stammt aus einer Künstlerfamilie. Sie geht als Zeitzeugin in Schulen und berichtet von ihrem Leben im Dritten Reich, von kleinen Revolten im Alltag und erschütternden Erlebnissen.

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          Jahrelang wird der Nationalsozialismus im Geschichtsunterricht behandelt, doch es geschieht nicht häufig, dass Schülerinnen und Schüler von Angesicht zu Angesicht einen Zeitzeugen hören können, der diese Zeit bewusst erlebt oder sogar selbst unter den Greueltaten der Nazis gelitten hat.

          Nach dem Besuch von Sally Perell im vergangenen Jahr bietet sich den Mädchen und Jungen der Q 11 des Julius-Echter-Gymnasiums in Elsenfeld eine solche Gelegenheit schon zum zweiten Mal, als Eva Pankok die Schule besucht. Geboren 1925, erlebte sie die Nazizeit im Teenageralter. Als Tochter des aus Mühlheim an der Ruhr stammenden Künstlers Otto Pankok und der Journalistin Hulda Pankok, die beide 1935 und 1936 ein Berufsverbot auferlegt bekamen, wuchs sie in einer antinationalsozialistisch eingestellten Familie auf.

          Der Versuch, Auszuwandern, scheiterte

          Während der Naziherrschaft zogen die Pankoks mehrmals um: von Düsseldorf zunächst ins Münsterland, dann über Gildehaus bei Bentheim ins Emsland, nach Bokeloh bei Meppen und schließlich nach Pesch in der Eifel. Anschaulich und fesselnd erzählt Eva Pankok, die im Rollstuhl sitzt, aber mit fester Stimme und hochkonzentriert 60 Minuten frei vor den gut 100 Zuhörern spricht, von ihren kleinen Auflehnungen gegen das Regime.

          Entgegen der Mode vermied sie es, ihre Haare zu Zöpfen zu flechten, obwohl sie nicht katholisch war, trug sie ein Kreuz, was den Nazis ein Dorn im Auge war, und statt „Heil Hitler“ zur Begrüßung der Lehrer zu rufen, murmelte sie „drei Liter“. Ihr Vater habe den Malerkollegen Matthias Barz und dessen jüdische Frau in seinem Haus in Bokeloh versteckt. Ein Versuch, in die Schweiz auszuwandern, sei gescheitert, da der Einreiseantrag von den dortigen Behörden abgelehnt worden sei, berichtet die 85-Jährige, die noch immer auf dem alten Rittergut in Hünxe am Niederrhein lebt, auf das sich ihr Vater im Ruhestand zurückgezogen hatte.

          Appell an die Jugendlichen

          Auch die Unterdrückung der Sinti erlebte die Familie schon in den 30er Jahren hautnah, da Otto Pankoks Atelier in einer Sintisiedlung am Rande Düsseldorfs lag und er zusehen musste, wie viele Sintifamilien abtransportiert wurden. Der Kontakt zu den Sinti war auch in Bokeloh eng, ebenso in der Eifel. Immer wieder malte Pankok Sinti und hielt damit auch das ihnen zugefügte Leid in seinen Bildern fest. Viele Freunde und Bekannte wurden in KZs und Gettos gebracht und kamen, wenn überhaupt, meist krank oder verletzt zurück. Überzeugend schildert Eva Pankok ihre Erleichterung am Kriegsende, als sie endlich keine Angst mehr haben musste, dass ihren Eltern als Gegnern der Nazis Ähnliches geschieht. Sie schließt mit dem Appell an die Jugendlichen, sich nie mit dem Faschismus einzulassen. Dem rauschenden Applaus nach zu urteilen, sind die Schüler von dieser ganz besonderen Art des Geschichtsunterrichts durchaus beeindruckt.

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