https://www.faz.net/-guy-12elw

Ehrenamt : Konsul für zwei Karibik-Inseln

  • -Aktualisiert am

Bild: Jörg Mühle, Labor Frankfurt

Werner Gierschs Schreibtisch steht im hessischen Bad Homburg. Hier arbeitet er als Honorarkonsul von Antigua und Barbuda und sagt, „mein ganzes Leben ist Tourismus“.

          4 Min.

          Erst letzte Woche stand ein Offizieller am Flughafen in Frankfurt und kam nicht durch die Passkontrolle. Ich sagte sofort, dass ich in zwanzig Minuten da bin“, erzählt Werner Giersch und schildert, wie er dem Herrn aus Antigua und Barbuda aus der misslichen Lage helfen konnte. Auf dem Schrank in dem gemütlichen Büro steht eine Flasche Rum aus dem Zwei-Insel-Staat, eine Karte der Antillen hängt an der Wand.

          Der konservative Anzug, die kurzgeschnittenen Haare und sein souveränes Auftreten lassen Werner Giersch seriös und diplomatisch erscheinen. Der ältere Herr ist sich absolut sicher: „Mein ganzes Leben ist Tourismus.“ Ob bereits bei seiner Doktorarbeit, der eigenen Beratungsfirma oder seiner Tätigkeit als Honorarkonsul von Antigua und Barbuda: immer dreht sich alles um diese Branche. Aber gerade seine ehrenamtliche Position als Honorarkonsul hat er liebgewonnen. So sehr, dass er sich ausschließlich auf die Vertretung Antiguas und Barbudas konzentriert. Dabei kam Werner Giersch, der sein Konsulat in Bad Homburg leitet, gerade durch seine Unternehmensberatung zum Ehrenamt.

          Australien und China fehlen noch

          Jahrelang war er im Auftrag verschiedener Organisationen und Firmen wie der EU, der Weltbank oder GTZ in der Welt unterwegs und half dabei, die touristische Attraktivität vieler Standorte zu verbessern. Zum Beispiel entwarf Giersch Pläne, um den Kamerun-Berg in Kamerun touristisch nutzbar zu machen, oder ein Feriendorf an der Elfenbeinküste aufzubauen.

          Doch ob Schwarzafrika oder Vorderasien: „Ich kenne größere Teile der Welt“, sagt er lächelnd. „Nur Australien und China fehlen noch“, aber sein Gesicht sagt, dass das wahrscheinlich nicht ewig so bleiben wird. Lange Zeit war er schließlich für die EU in den Antillen tätig und lebte dort. „Je mehr ich mich damit befasst habe, desto faszinierter war ich. Es gibt dort Inseln, die haben sechzehn, siebzehn, achtzehn Mal den Kolonialherren gewechselt.“ Auch die kulturellen Einflüsse machten in seiner Wahrnehmung den Charme dieser Region aus. „Mir ist das ganze Land ans Herz gewachsen“, sagt er ohne zu zögern und meint damit Antigua und Barbuda, Inseln, die lange Zeit zu Großbritannien gehörten und fast ausschließlich von den Erlösen des Tourismus leben. Mit etwa 70 000 Einwohnern sind die beiden Inseln sehr klein, haben aber „für jeden Tag einen Strand“, weil ihre Küsten fast vollständig aus Buchten bestehen. Politisch ist Antigua und Barbuda als ehemalige Kolonie seit der Unabhängigkeit 1981 eine parlamentarische Demokratie im britischen Commonwealth und stark am englischen Zwei-Kammern-System orientiert. Staatsoberhaupt ist die englische Queen, die durch einen Generalgouverneur, zurzeit eine Dame, vertreten wird. Die Regierungsmacht liegt allerdings wie in Großbritannien beim Premierminister.

          Der Minister hat anrufen lassen

          Dank seiner Mission für die EU kam Giersch schnell mit dem damaligen Premier in Kontakt. „Er hat mir ein von ihm verfasstes Buch mit meinem Vornamen gewidmet“, lächelt Giersch stolz: „Man kennt in so einer kleinen Gemeinschaft die wichtigen Leute schnell persönlich.“ Nach einigen Jahren der erfolgreichen Zusammenarbeit als touristischer Vertreter, „ging das Telefon. Der Premierminister hat anrufen lassen. Ich hatte damit nicht gerechnet.“ So überraschend kam für Giersch die Bitte, das Land Antigua und Barbuda in der Südhälfte Deutschlands als Honorarkonsul zu vertreten. „Und so etwas lehnt man einfach nicht ab. Es war vor allem eine Ehre.“ Giersch sieht es auch als Anerkennung für seine Arbeit. Zurzeit ist er der einzige offizielle Vertreter des Landes in Deutschland und untersteht direkt dem höchsten Vertreter Antiguas und Barbudas in Europa, dem High Commissioner in London.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Eine Frau lässt sich in Lubmin in Mecklenburg-Vorpommern gegen das Coronavirus impfen.

          RKI-Zahlen : Sieben-Tage-Inzidenz steigt leicht auf 17,9

          Das Robert-Koch-Institut verzeichnet 1766 neue Corona-Infektionen. In der Diskussion um Kinderimpfungen wehrt der Vorsitzende der STIKO sich gegen Kritik und fordert mehr Erwachsene auf, sich impfen zu lassen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.