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Drogensucht : Sinnloses Saufen und Rumhängen

  • -Aktualisiert am

Bild: Moni Port, Laborproben Frankfurt

Durch einen ungeliebten Umzug wurde Konstantin zum Außenseiter. Dann geriet er in die falsche Clique und war ein Jahr lang schwer drogenabhängig. Jetzt ist er geheilt.

          4 Min.

          Wenn du selbst schon ganz tief in der Scheiße gesteckt hast, weißt du ganz genau, wie schwer es ist, da wieder herauszukommen“, sagt der 23-jährige Sozialpädagogikstudent Konstantin Berger aus der Kleinstadt Minden in Nordrheinwestfalen, direkt an der Grenze zu Niedersachsen. Der hochgewachsene junge Mann schaut dabei auf den Boden. Seine dunkelbraunen, klaren Augen wirken aufgeweckt und wissbegierig. Es fällt schwer zu glauben, dass der intelligente Student mit gutem Zweier-Abitur noch vor wenigen Jahren unfähig war, ein normales Leben zu führen. Konstantin Berger war über ein Jahr lang schwer drogenabhängig.

          „Im Rückblick kann ich selbst kaum glauben, was die Drogen aus mir gemacht haben“, erklärt er. Angefangen hat die Geschichte, als sein Vater eine neue Arbeitsstelle in der Nähe von Minden annahm und Konstantin mit seiner Familie von Hamburg in die Kleinstadt umziehen musste. „Ich war damals 15, und es fiel mir sehr schwer, mein gewohntes Umfeld zurückzulassen und in Minden neue Freunde zu finden“, schildert Konstantin die anfänglichen Probleme in seiner neuen Heimat. Er wollte sich nicht mit dem Umzug abfinden, fand in Minden keinen Anschluss und wurde dadurch schnell zum Außenseiter.

          Den Zusammenhang erkannte niemand

          Die psychischen Probleme wirkten sich natürlich auch auf seine schulischen Leistungen aus, die bis dahin immer sehr gut gewesen waren. Immer häufiger brachte er jetzt Vieren und Fünfen statt Einsen und Zweien nach Hause. Ein Nachhilfelehrer sollte Abhilfe schaffen. Einen Zusammenhang zwischen den schlechten Noten und Konstantins psychischem Leiden erkannte niemand. „Ich konnte und wollte meinen Eltern die Entscheidung zum Umzug nicht verzeihen und sprach mit ihnen so gut wie kein Wort mehr. Deshalb gaben sie der Pubertät auch die Schuld an meinem Verhalten und den schlechten Leistungen in der Schule und maßen meinem ignoranten Verhalten erst mal keine große Bedeutung zu“, erklärt der schlanke, junge Mann mit dunkelblonden Haaren.

          Mittlerweile unterließen auch seine Mitschüler jegliche Versuche der Kontaktaufnahme. „Erst als sich alle von mir abwendeten, erkannte ich, dass ich es selbst verschuldet hatte, immer noch keinen Anschluss gefunden zu haben“, erkennt Konstantin seinen damaligen Fehler an. Das Ausgegrenztsein nahm ihm auch die letzte Motivation für die Schule. Seinen immer größer werdenden Kummer ertränkte Konstantin mit Alkohol in einer Kneipe, in der er eines Abends von einer Gruppe Jugendlicher angesprochen wurde. Sie luden ihn auf mehrere Bier ein und erklärten ihm, dass sie eine Gang gegründet hatten, die sich „Fear“ nennt. „Ich war so froh, dass endlich wieder jemand Kontakt zu mir aufnahm, dass ich mir keine Gedanken darüber machte, warum sie ausgerechnet mich ansprachen. Im Nachhinein ist mir natürlich klar, dass sie in mir das perfekte Opfer gesehen haben“, erklärt Konstantin und fügt leise hinzu „und schließlich auch gefunden haben.“

          Je mehr Alkohol, desto mehr Lob

          Nach diesem Abend traf Konstantin sich immer häufiger mit der Gruppe. Nach einem viertel Jahr durfte er sich als „offizielles Mitglied der Gang“ bezeichnen, die sich nun fast täglich traf. Als jüngstes Mitglied war Konstantin dafür zuständig, dass bei jedem Treffen mehrere Flaschen hochprozentiger Alkohol zur Verfügung standen. „Schnell wurde es zur Normalität, nachmittags volltrunken zu sein. Und selbst, wenn ich mal keine Lust hatte zu trinken, tat ich es trotzdem, aus Angst, negativ aufzufallen. Je mehr Alkohol man trank, desto mehr Lob und Anerkennung erntete man von den anderen“, erklärt Konstantin das Zusammenleben innerhalb der Gruppe.

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