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Auf den Felsen von Gibraltar : Affenliebe aus Staatsräson

  • -Aktualisiert am

Nicht von allen geliebt: Affen in Gibraltar Bild: picture-alliance/ dpa

Wer zu den Felsen von Gibraltar reist, sieht sich mit spannenden Spuren der Geschichte und dreisten Berberaffen konfrontiert. Neun Kilometer begleitet Taxifahrer David die Urlauber.

          Over four million visitors come here every year!“, ruft Taxifahrer David begeistert. Mehr als vier Millionen Besucher kommen jedes Jahr zu einem Felsen, der, rein optisch, nichts weiter als ein steil aufragender Keil im Mittelmeer ist. Oder doch im Atlantik? Unter anderem ist es diese Frage, die den Felsen von Gibraltar zu etwas Besonderem macht: Er ist nämlich ein Teil jener etwa 60 Kilometer langen Meerenge, die das Mittelmeer mit dem Atlantischen Ozean verbindet. Kommt man von spanischer Seite her, eröffnet sich nach einer Fahrt durch wüstenähnliche, hügelige Landschaft ein Tal, in dem der Felsen mit den ihn umgebenden Städten La Línea de la Concepción und Gibraltar und seiner grünen Flora klar hervorsticht.

          In das Vereinigte Königreich

          Den Weg zur Grenze findet man dank der guten Beschilderung relativ leicht, auch wenn es scheinbar Stunden dauert, bis man mit dem Auto den Übergang in das Vereinigte Königreich von Großbritannien und Nordirland machen kann. Denn seit 1830 gilt Gibraltar offiziell als britische Kronkolonie. Während für die alten Griechen die „Säulen des Herakles“ das Ende der Welt markierten, ermöglichte die nur 14 Kilometer breite Stelle Jahrhunderte später den Mauren, Fuß auf europäischem Festland zu fassen und fast die gesamte Iberische Halbinsel zu erobern. Ihre Spuren sind noch heute sichtbar, auch im Zentrum Gibraltars, das man stilecht im roten Doppeldeckerbus erreicht, der direkt hinter der Grenze abfährt. Die Fahrt kreuzt das Flugfeld, das gelegentlich durch Schranken gesperrt wird, um Starts und Landungen zu ermöglichen. Sie führt durch enge Gassen und von Palmen gesäumte Straßen, die es schwermachen, zu erkennen, ob man sich nun in Spanien befindet oder eben doch in England.

          Zur Talstation der Seilbahn

          Schuluniformen, Architektur, Straßenschilder und Bobbys sprechen klar für England, wohingegen Flora und Fauna, der spanischsprechende Busfahrer und der Rechtsverkehr eher für Spanien sprechen. Wie auch immer, will man den Felsen besteigen, steigt man an der Haltestelle „Mainstreet“ aus, der Einkaufsmeile Gibraltars. Hier tummeln sich Touristen, es gibt Fish and Chips, steuerfreien Alkohol und Tabak. Folgt man der Straße in südlicher Richtung, kommt man, vorbei am Friedhof der Gefallenen der Schlacht von Trafalgar, zur Talstation der Seilbahn, die einen hinauf zum Felsen bringt.

          Taxifahrer David verspricht, dass er seine Gäste die gesamten neun Kilometer, die für sie auf dem Felsen zu begehen sind, fahren und alles Wichtige erzählen werde. Er ist dabei sogar „viel“ billiger als die Seilbahn und verlangt ungefähr einen Euro je Person weniger.

          Die Säulen des Herakles

          Wer sich für ihn entscheidet, wird nicht enttäuscht: Er unterhält die zehn Urlauber im Kleinbus mit Anekdoten und Wissenswertem. Das Denkmal für die „Säulen des Herakles“ markiert den Punkt, an dem man einen beeindruckenden Blick auf Afrika hat. Weiter geht es zur „Saint Michael’s Cave“, einer riesigen Tropfsteinhöhle. Danach geht es zu den Belagerungstunneln aus dem 18. Jahrhundert, unter deren Eingang man die Rekonstruktionen einer Bunkeranlage aus dem Zweiten Weltkrieg sehen kann.

          Während der Rundfahrt ist es unmöglich, den Berberaffen zu entkommen, die frei auf dem Felsen herumlaufen. Diese Tiere sind so zutraulich, dass sie den Besuchern nicht nur aus der Hand fressen, sondern auch nicht davor zurückschrecken, dem unaufmerksamen Touristen den Kopf zu entlausen. Die Affen werden von den Briten gehegt und gepflegt, denn eine Legende aus der Zeit der Belagerung Gibraltars zwischen 1779 und 1783 besagt, dass Gibraltar an Spanien zurückfallen wird, sobald die Affen vom Felsen verschwunden sind.

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