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Jeff Koons-Hund : Ein Fell aus 38 000 Sommerblumen

  • -Aktualisiert am

Ein Gärtner pflegt in Bilbao vor dem Guggenheim-Museum die Terrier-Skulptur von Jeff Koons. Das erfordert eine Menge Logistik und Hingabe für „Puppy“.

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          Kepa Larrieta geht jeden Morgen in das Guggenheim-Museum in Bilbao. Von acht bis zehn Uhr kümmert der 59-Jährige sich um „Puppy“, einen zwölf Meter hohen Hund der Rasse West Highland Terrier, der aus Blumen besteht und vom amerikanischen Künstler Jeff Koons stammt. Die genauen Abmessungen betragen 12,4 mal 9,1 mal 8,5 Meter. Die Figur wurde für die Documenta 1992 in Kassel gebaut. 1997 wurde sie für die Eröffnung des Guggenheim-Museums gekauft, wo sie vor dem Haupteingang steht und täglich von mehreren hundert Touristen fotografiert wird. Es ist neun Uhr. Der Platz ist noch leer. Plötzlich öffnet sich an einer Seite des „Puppy“ eine kleine Tür, die komplett von Blumen bedeckt ist. Kepa Larrieta erscheint mit einer Blumenschere. Seit zehn Jahren pflegt er „Puppy“ jeden Tag. „,Puppy‘ ist heute für mich eine Art Haustier geworden“, erklärt Larrieta, der seine Arbeit ernst und leidenschaftlich verrichtet. Morgens arbeitet er an „Puppy“, nachmittags kümmert er sich um den kleinen Garten, der sich am Eingang des Museums befindet. Das Kunstwerk besteht insgesamt aus 38 000 Blumen. „,Puppys‘ Blumenmantel ist wie ein maßgeschneiderter Anzug. Es gibt drei Schichten: die innere aus Stahlblech, die mittlere Schicht, die mit Erde gefüllt ist, und den äußeren Umhang, den man von außen sieht, also die Blumen“, berichtet Larrieta. Von außen können die Besucher nur die Tausende Löcher, die mit Blumen gefüllt sind, sehen, aber sobald man „Puppys“ Struktur von innen betrachtet, bemerkt man, wie kompliziert diese ist. Der „Wachhund des Museums“, wie er von den Mitarbeitern des Guggenheim-Museums genannt wird, ist im Innern in fünf Höhen unterteilt, die über ein internes Gerüst zugänglich sind. Ein komplexes Rohrsystem ermöglicht, dass die Bewässerung und Düngung der Fläche gleichmäßig ist.

          Viele Blumen werden gestohlen

          „Die Verteilung ist homogen; dadurch wird vermieden, dass einige Gebiete zu wässrig und andere fast trocken werden“, sagt Larrieta, während er mit einem Laptop das korrekte Funktionieren des Rohrsystems überprüft. „Die automatische Bewässerung wird täglich um 22.30 Uhr aktiviert und anderthalb Stunden lang aufrechterhalten. Am nächsten Morgen prüfe ich den Zustand der Pflanzen und entscheide, ob ich ,Puppy‘ mehr zu trinken gebe oder ob ich im Gegenteil seine Dosis verringern muss. Es hängt vom Wetter ab.“ Es ist eine komplizierte und teure Arbeit, „Puppys“ Blumen wie am ersten Tag zu erhalten. „Innerhalb von sechs Monaten können etwa tausend Blumen geschädigt werden. Viele werden auch gestohlen, was eine ständige Auffüllung der leeren Flächen erzwingt. Einmal im Monat wird das Düngemittel aufgetragen. Zweimal im Jahr, im Mai und im September, wird der gesamte Blumenmantel getauscht.“ Im Frühling und Sommer sieht „Puppy“ bunt aus, mit Farben wie Rosa und Blau, während im Herbst und Winter Kieferngrün und Dunkelgelb überwiegen. Anfang Mai wird der Blumenmantel für den Sommer getauscht. „,Puppys‘ Mantel wird von den Stiefmütterchen, die im Winter wegen ihrer höheren Widerstandsfähigkeit gegen niedrigere Temperaturen verwendet werden, zu den sommerlichen Farben der Lobelien, Begonien und Petunien wechseln.“ Beim Blumenwechsel helfen zwanzig Gärtner mit. Allein der Aufbau des Außengerüsts dauert zwei Tage, der gesamte Blumenwechsel dauert zehn Tage und kostet 100 000 Euro. „Jetzt werden sie mit dem Wechsel weggeworfen, aber in den ersten Jahren wurden die Blumen, die abgenommen wurden, verschenkt, und die Leute haben sogar Schlange gestanden, um welche zu bekommen. Es war sehr witzig“, erzählt Larrieta lächelnd. Seine Arbeit führt er in Ruhe durch: Innerhalb von „Puppy“ ist der Lärm der Stadt, die gerade aufwacht, kaum zu hören.

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