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Jean Zimmer : Es begann auf dem Bolzplatz

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Er ist beliebt, ehrgeizig, enorm schnell und hat es so in die Bundesliga geschafft: Fußballer Jean Zimmer und sein Motto „Niemals aufgeben“.

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          Das sieht halt keine Sau. Der Erfolg ist für alle sichtbar, doch das fast tägliche Training, die Disziplin, auch die Absagen, Zweifel und die Opfer, welche erbracht werden mussten, sehen die Leute nicht.“ So beschreibt der Fußballprofi Jean Zimmer den heutigen sozialen Umgang mit gutverdienenden Profisportlern. Der 25-Jährige verdeutlicht das mit dem Bild eines Eisbergs, der mitten im Ozean treibt und von dem man nur seine Spitze, nämlich den Erfolg, sieht. Der Großteil des Eisberges, die Mühen auf dem Weg nach oben, befindet sich unter dem Wasserspiegel und sind somit nicht sichtbar. Zimmers bisher größter sportlicher Erfolg war das Tor des Monats im Dezember 2018 gegen Borussia Dortmund. Er schoss am 18 Dezember 2018 in der 56. Minute das Tor zum 2:0. Bis dahin hatte der BVB noch kein Spiel der Saison 2018/19 verloren. Der Schuss von der Nummer 39 der Fortuna Düsseldorf aus rund 18 Metern besiegelte die erste Saisonniederlage Dortmunds. Es war Zimmers erster Treffer in der Ersten Fußball-Bundesliga überhaupt und direkt ein besonders wichtiger.

          Aufgewachsen nahe Kaiserslautern

          Den Schlüssel für seinen erfolgreichen Weg als Fußballprofi sieht Zimmer in seinem Charakter. Sein Motto „Niemals aufgeben“ ließ er sich an seinem 18. Geburtstag auf die Brust tätowieren. Wichtige Wegbegleiter sind für ihn seine Eltern, insbesondere sein Vater, der immer hinter ihm stand und ihm Mut zugesprochen hat. Aufgewachsen ist Zimmer in der Stadt Landstuhl, etwa 20 Kilometer westlich von Kaiserslautern. Mit vier Jahren fing er an, seinen Traum zu leben. „Alles begann auf dem Bolzplatz mit den Kumpels von früher“, erinnert er sich. Zu Beginn seines fünften Lebensjahres trat er im westpfälzischen Bann seinem ersten Fußballverein, dem SV Bann, bei, unter der Führung seines ihm gegenüber kritischen Vaters, der sein erster Trainer war.

          Seinem Vater ist er auch dankbar dafür, dass er zu Hause für die Familie präsent war. Er ist als Selbständiger für die Aachener Bausparkasse tätig und habe Familie und Beruf gut miteinander verbinden können. Den nächsten Sprung machte der Sohn dann mit dem Wechsel in den Sportzweig des Heinrich-Heine-Gymnasiums in Kaiserslautern. Parallel dazu trat er mit zehn Jahren dem 1. FC Kaiserslautern bei.

          Um sieben aus dem Haus, um 21 Uhr zurück

          Trotz mühsamer und anstrengender Verbindung von Sport und Schule beendete er seine Schullaufbahn 2013 mit einem Abiturergebnis im Zweier-Bereich. „Ab der neunten Klasse bin ich morgens um sieben aus dem Haus und abends um neun mit dem Zug nach Hause.“ Freundschaften waren für den Nachwuchssportler zu der Zeit äußerst schwierig, einen Teil seiner Jugend opferte er dem Sport. Nach dem Abi wurde Jean Zimmer in den aktiven Bereich der Amateure des 1. FCK berufen, wo er ein Jahr spielte und sich so etablieren konnte, um als „Backup“ in der ersten Mannschaft zu spielen.Mit dem Spruch „Arbeit schlägt Talent“ beschreibt der 1,73 Meter große und 76 Kilogramm schwere Fußballspieler seinen Weg ins Profigeschäft. Von 2013 bis 2016 spielte er aktiv als rechter Verteidiger bei den „Roten Teufeln“. Besonders hier hat der junge Außenverteidiger mit seiner natürlichen und sympathischen Art und seinen kurzen, blonden Haaren einen hohen Beliebtheitsgrad bei den Fans erreicht. Im letzten Heimspiel für den FC Kaiserslautern wurde er von der Westkurve des Fritz-Walter-Stadions mit Standing Ovations verabschiedet. An diesem Tag verließ Jean Zimmer das Stadion mit feuchten Augen.

          Robustheit in Kombination mit Siegerwillen

          Seine enorme Geschwindigkeit – er läuft die 100 Meter in 10,9 Sekunden –, die Robustheit und sein Ehrgeiz in Kombination mit einem starken Siegerwillen zeichnen ihn als Außenverteidiger aus und machen ihn heute zu dem Spieler, der schwer zu ersetzen ist. Zugleich ist er in den vergangenen drei Jahren zu einem Aufsteiger geworden. Zur Saison 2016/17 wechselte Jean Zimmer zum VfB Stuttgart. Dort spielte er eine Saison in der 2. Bundesliga und stieg mit dem Verein 2017 in die Erste Bundesliga auf. Er wurde dann an Fortuna Düsseldorf ausgeliehen und stieg auch hier 2018 in die höchste Fußball-Liga auf. Dort konnte er seine Stärken zeigen und sich als rechter Verteidiger festspielen. Hier will er seine Leistung in der Saison 2019/20 bestätigen. Derzeit kuriert der junge Profi aber einen Außenbandriss nebst Einblutungen im linken Sprunggelenk aus, der ihn Anfang des Jahres 2019 außer Kraft setzte. Er denkt, dass er mit Beginn der neuen Saison im Hochsommer wieder voll einsatzfähig ist. Trotz des Verletzungspechs sieht er meist die guten Seiten im Leben. Zu diesen zählt er neben der Möglichkeit, seinen Traum leben zu können, insbesondere seine Frau; sie bezeichnet er als „sein größtes Glück“. Sie sei „wie gemacht für ihn“, weil sie selbst auch sportlich und fußballinteressiert sei und darüber hinaus auch mit seinen Launen gut umgehen könne. Außerdem nehme sie ihm im Alltag so manches ab, wenn sie merkt, dass er es braucht. Auf seine Zukunft angesprochen erklärt Jean Zimmer, dass die englische Premier League das größte Ziel seit seiner Kindheit sei. Daher wünscht er sich eines Tages, in England spielen zu dürfen. „Ich mag die Mentalität dort, und die Spielweise ist wie für mich gemacht.“ Besonders sympathisch ist ihm der FC Liverpool; die Stadionatmosphäre erinnert an alte Zeiten auf dem Betzenberg.

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