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Jazz : Wie in Trance

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Der Welthit „New York, Rio, Tokyo“ und viele eigenwillige Einfälle. Begegnung mit dem Jazzer Peter Fessler in einem Club in Berlin-Charlottenburg.

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          Die Stimmung im „A-Trane“, einem Jazzclub in Berlin-Charlottenburg, ist angenehm. Das Licht wird gedimmt. Peter Fessler betritt die Bühne. Er trägt eine Schiebermütze und eine Klassikgitarre unter dem Arm. Heute wird er im Duo mit einem Saxophonisten ein Jazz-Konzert geben. Musik bedeutet alles für den Mann mit Dreitagebart und Lederjacke. „Ich habe die Musik schon als Kind als emotionale Stärkung empfunden. Sie hält mich bis heute fast ausschließlich am Überleben.“ Dass er einmal Berufsmusiker werden würde, war trotzdem nicht absehbar. Nach seiner Handwerksausbildung reiste er in die Vereinigten Staaten, um für sich zu klären: „Bleibt das Interesse an der Musik noch so stark, wenn man sich dem Thema voll und ganz stellt?“ Er begab sich auf Wanderschaft, spielte in Clubs, Bars, Pizzerien, ganz auf sich allein gestellt, das gab ihm den „Reality Check“.

          Sein Weg nach dem One-Hit-Wonder

          Musik in der Fachrichtung Jazz studierte er dann als 20-Jähriger an der Musikhochschule in Köln. Es gab Enttäuschungen und Erfolge, wie den Welthit „New York, Rio, Tokyo“ 1986 mit dem Trio Rio. „Das One-Hit-Wonder war jedoch nicht mein Karriereabschluss.“ Dem Jazzer ist es wichtig, nicht nur als ehemaliges Bandmitglied wahrgenommen und auf seinen großen Hit reduziert zu werden. Er wollte und machte mehr. „Ich habe kein Career Thinking betrieben, sondern bin meinen eigenen Weg gegangen.“ Fessler hat eine ganz eigene nonverbale Form der Kommunikation für sich entdeckt. Fesperanto nennt er diese Art von Gesang, bei der er immer wieder Silben auslässt. „Ich gehe manchmal hin und komponiere fast ganze Passagen auf der Bühne.“ Das Publikum glaube das teilweise gar nicht. Doch mit seinen 59 Jahren sei er aus dem Alter heraus, in dem man sich rechtfertigen müsse. „Das ist das Schöne an der Jazzmusik: Du stehst auf dem Zehnmeterbrett, dann musst du springen. Du musst dann schon in den Moment rein.“ Manchmal muss er aufpassen, dass er nicht zu sehr in den Freestyle abgleitet. Er will die Struktur des Liedes beibehalten und nicht nur als „Improvisationsautist“ gelten. „Das Schönste ist, Dinge zu machen, die man nicht vorhersehen kann.“ Am wichtigsten sei der „seltsame Trancezustand“, der ihn fühlen lasse, als wäre er fernab vom Publikum, aber dennoch voll und ganz bei sich. Auch das Publikum in Trance zu versetzen, das sei das Ziel. Ein Schlüsselerlebnis war seine Begegnung mit dem Musiker Al Jarreau, mit dem er 1999 auf dem Montreux Jazz Festival spielte. „Es war fast eine Art Heilung, der Adelsschlag und die Beruhigung zugleich“, die ihn an die nonverbale Gesangsform heranführten.

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