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Israel : Nun liegt der stolze Sohn neben dem Vater

Endlich Pilot: Assaf Ramon im Juni nach Abschluss der Ausbildung auf dem Luftwaffenstützpunkt Hatzerim Bild: REUTERS

Der Pilot Assaf Ramon wollte wie sein Vater Astronaut werden. Der Vater kam vor sechs Jahren in der Raumfähre Columbia um. Nun stürzte der Sohn ab. Israel trauert. Und debattiert darüber, ob Kinder von verunglückten Soldaten Kampfpilot werden dürfen.

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          Am Anfang wollte es niemand glauben. Doch die Trümmer auf dem Feld bei Hebron ließen bald die letzte Hoffnung schwinden: Assaf Ramon ist tot. Am Montag fand der israelische Kampfpilot seine letzte Ruhestätte an der Seite seines Vaters Ilan. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sprach von einer fast „biblischen Tragödie“, aber auch für viele Israelis war der Montag ein Trauertag. Denn der erst 21 Jahre alte Pilot wollte eines Tages vollenden, was seinem Vater nicht gelang: Vor sechs Jahren war Ilan Ramon mit der amerikanischen Raumfähre Columbia als erster israelischer Astronaut ins Weltall geflogen und nicht mehr zurückgekehrt. Sechzehn Minuten vor ihrer Landung explodierte die Columbia am 1. Februar 2003 beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre über Texas.

          Hans-Christian Rößler
          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Achtzehn Seiten widmete die israelische Zeitung „Jediot Ahronot“ am Montag dem tragischen Tod des Piloten, 15 Seiten waren es bei „Israel Hayom“. In keiner Zeitung fehlten auf der Titelseite das Bild des stolzen Sohnes neben seinem Vater in Raumfahrerkleidung - und die Aufnahme, die seine Mutter und ihn neben dem in die blau-weiße Nationalflagge gehüllten Sarg seines Vaters zeigte. Schon bald nach der Beerdigung seines Vaters hatte Assaf Ramon in einem Interview auf die Frage geantwortet, ob Israel wieder einen Astronauten ins All schicken sollte: „Ja, und ich hoffe, sie werden eines Tages mich dafür auswählen.“ Er glaube, dass er sich seinem Vater näher fühlen könne, wenn er fliege, fügte der junge Israeli hinzu. Zielstrebig und unter den aufmerksamen Augen der israelischen Öffentlichkeit arbeitete er daran, seinen Wunsch zu verwirklichen. Zur Feier seines erfolgreichen Abschlusses der Pilotenausbildung kam sogar Staatspräsident Schimon Peres - wie am Montag zu seiner Beerdigung auf dem Friedhof von Nahalal, von dem aus der Luftwaffenstützpunkt Ramat David zu sehen ist. Ministerpräsident Netanjahu verschob dafür sein Treffen mit dem amerikanischen Nahost-Gesandten George Mitchell, das eigentlich den Weg zu einem Nahost-Gipfeltreffen kommende Woche in Amerika ebnen sollte.

          Verlust von zwei Vorbildern

          Mit ihrer Anwesenheit bei dem Begräbnis mit militärischen Ehren drückten der Staats- und der Regierungschef aber nur das aus, was auch viele andere Israelis fühlten, die den Tod bei Terroranschlägen und in zahlreichen Kriegen nur zu gut kennen. Ilan und Assaf Ramon verkörperten nach Ansicht der Zeitung „Maariv“, was Israel in seinem Kern ausmacht: „So wie sie verhalten sich die besten Söhne in diesem harten Land.“ Auch die Zeitung „Jediot Aharonot“ vermutet, dass die Menschen nicht nur das Leid der Familie Ramon bedrücke, sondern auch der Verlust der beiden Vorbilder. „So würden wir uns selbst gerne sehen: hübsch, begabt, überdurchschnittlich, mit einer ausgezeichneten Ausbildung und hohen Idealen.“

          Freunde und Verwandte von Assaf Ramon trauern an seinem Grab auf dem israelischen Friedhof
          Freunde und Verwandte von Assaf Ramon trauern an seinem Grab auf dem israelischen Friedhof : Bild: AP

          Noch stärker erschüttert war man jedoch in Israel, als damals die Bilder der rauchenden Trümmer der Columbia im Fernsehen zu sehen waren, in denen nicht nur Ilan Ramon den Tod fand, sondern auch der Traum vom unaufhaltsamen Aufstieg des kleinen Landes zerstob. Viele Israelis können sich noch heute genau an diesen Tag erinnern. Wie durch ein Wunder überlebten gut 30 Seiten von Ramons Tagebuch den Sturz aus mehreren Dutzend Kilometern Höhe - sie wurden auf einem Feld in der Nähe der texanischen Ortschaft Palestine (Palästina) gefunden. Zum großen Teil konnten Fachleute in Jerusalem wieder lesbar machen, was der Astronaut auf seiner Reise, auf der er auf koscheres Essen bestand, an persönlichen Notizen festhielt. Verloren ging damals eine Zeichnung eines vierzehnjährigen jüdischen Jungen, der einen Blick auf die Erde aus dem Weltall zeigt. Er zeichnete es in einem Konzentrationslager, in dem er 1944 umkam. Ilan Ramon selbst war der Sohn von Holocaust-Überlebenden. Den ersten Flug eines jüdischen Israeli ins All empfand er auch als eine Art späten Triumph über diejenigen, die seine Vorfahren auslöschen wollten.

          Menschliches Versagen wird nicht ausgeschlossen

          Erinnerungen weckte am Montag auch das Flugzeug, mit dem sein Sohn abgestürzt war. Mit einem solchen Kampfflugzeug vom Typ F-16 war der spätere Astronaut im Juni 1981 zu einer Mission aufgebrochen, die ihn zum ersten Mal in Israel bekannt machte: Er war der jüngste Pilot unter den insgesamt acht Flugzeugbesatzungen, die im Irak den Atomreaktor Osirak bombardierten. Damals kehrte er sicher auf seinen Stützpunkt zurück. Warum das seinem Sohn am Sonntag nicht gelang, ist nicht klar. Die Presse spekulierte darüber, dass er auf dem Übungsflug das Bewusstsein verloren haben könnte, aber auch menschliches Versagen wird nicht ausgeschlossen.

          Es war aber eine andere Frage, über die man am Montag in Israel zu debattieren begann. Sollten Kinder von umgekommenen Soldaten weiterhin zu Kampfeinsätzen oder ähnlich gefährlichen Missionen geschickt werden, fragte nicht nur Ministerpräsident Netanjahu. Eigentlich sieht ein Gesetz vor, dass Rekruten, die ihren Vater verloren haben, dafür nicht herangezogen werden. Wenn die Söhne (oder Töchter) aber darauf bestehen, müssen ihre Mütter in einer schriftlichen Erklärung ausdrücklich zustimmen. Oft setzen sich ihre volljährigen Kinder dann durch. Wie schmerzhaft es ist, einen nahen Verwandten bei einem gefährlichen Einsatz zu verlieren, weiß Netanjahu aus eigener Erfahrung. Sein Bruder Jonathan kam 1976 bei der Befreiung eines entführten Flugzeuges in Entebbe ums Leben. Der spätere Regierungschef, den der Tod des Bruders bis heute nicht loslässt, war Soldat in derselben Eliteeinheit.

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