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Insektensnack : Knusprige Grillen

  • -Aktualisiert am

Bild: Monika Aichele

Zwei Münchener über ihr Projekt „Grüne Grille“. Ein Physiker und ein Lehrer bieten Heimchen an. „Die aus Holland schmecken am besten“, sagen sie.

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          In unserer westlichen Gesellschaft hat man gewisse Vorbehalte, Insekten zu sich zu nehmen – man ekelt sich vielleicht sogar vor ihnen, obwohl sie in den meisten Kulturen dieser Welt fester Bestandteil der Nahrung sind. Die beiden Münchner Josef Hirte, hauptberuflich Physiker, und Mathias Rasch, Lehrer an einer Realschule für Körperbehinderte, essen sie nicht nur, sie bereiten sie auch selbst zu und verkaufen sie. Ihr Unternehmen starteten sie vor vier Jahren. Angefangen hatte die ganze Insektenidee jedoch schon lange vor der Gründung, als die beiden Nachbarn einen Artikel der „Food and Agriculture Organisation“ lasen, in dem es hieß, dass die Produktion von Insekten viel nachhaltiger sei als die von Fleisch. Drei Jahre verbrachten sie mit der Planung des Unternehmens, bis dann „irgendwann der Styroporschrank im Keller stand“, angeschafft von Josef Hirte, der nicht lange fackelte und laut Mathias Rasch „ein Macher ist“.

          Styroporschrank im Keller

          Im Styroporschrank, so war der Plan, sollten die Insekten heranwachsen. Dabei war es ihnen vor allem wichtig, dass sie etwas Sinnvolles tun würden, sie „hätten sich nicht vorstellen können, etwas zu machen, was nur Geld abwirft“. Da lagen die Insekten mit ihren ökologischen Vorteilen natürlich nahe. „Als die erste Grille schlüpfte, war die Freude natürlich groß.“ Doch bald mussten die beiden feststellen, dass sie sehr viel mehr Platz brauchten, als ihnen in ihrem Keller zur Verfügung stand, um genug Insekten zu züchten. Also beschlossen sie, nachdem sie viele Insektenfarmen auf der ganzen Welt ausprobiert und auf Reisen besucht hatten, ihre Insekten aus Holland zu beziehen. „Gerade die aus Holland schmecken am besten, weil sie vegetarisch ernährt werden“, meint Hirte, der ein buntes Käppi trägt. „Klar, wenn man Grillen mit Fischmehl füttert, dann schmecken sie auch nach Fisch, und das ist dann natürlich nicht mehr so lecker.“

          Geröstet, gewürzt und als Topping auf die Suppe

          Wenn die schon fertig getrockneten Heimchen dann in München ankommen, mieten die beiden eine Gastronomieküche in der Nähe und rösten und würzen die Grillen in verschiedenen Geschmacksrichtungen, natürlich alles per Hand. Vertrieben wird nur eine Grillenart, die hier heimisch ist: Heimchen. Unter die Leute werden die Produkte der beiden vor allem über ihren Online-Shop „Wicked Cricket“ gebracht. Außerdem verkaufen sie an Agenturen oder Cateringfirmen. Aber auch in einigen Läden sind die Grillen zu haben. Lecker schmecken die Grillen anscheinend vor allem als „Topping“ für Suppen, Salate oder Süßkartoffeln. Die Probierschachtel enthält angenehm nussig schmeckende Insekten, die man sich als crunchigen Salatzusatz vorstellen kann. In größeren Mengen erhält man die Insekten dann hübsch verpackt in kleinen Plastikbehältern. Auch per Versand werden sie so zugestellt.

          4,90 Euro für die Sieben-Gramm-Schachtel

          Wirklich satt wird man von diesen gewürzten Heimchen zwar nicht, doch Insekten seien „definitiv ein Essen für die Zukunft“. Vor allem weil die Produktion viel ressourcenschonender ist als die von Fleisch und man die vom Körper benötigten, tierischen Nährstoffe durch die Aufnahme von Insekten abdecken kann. Trotz dieser Vorteile sind Insekten noch eine Delikatesse in Deutschland, die recht teuer angeboten wird – eine Sieben-Gramm-Schachtel kostet 4,90 Euro. „Doch das Ziel ist natürlich schon, dass man sie irgendwann billiger als Fleisch bekommt.“ Hier in der EU sind die Grillen noch in der Probephase, da sie erst seit kurzem konsumiert werden, und gelten deswegen als sogenanntes „Novel Food“. Zurzeit planen Hirte und Rasch mit dem „Projekt Grüne Grille“ den Bau einer eigenen biologischen Grillen-Farm. Dann gäbe es auch genügend Nachschub für die beiden selbst genauso wie für Freunde und Bekannte, von denen viele die Insekten ebenfalls gerne essen – vor allem wenn sie gerade frisch und knusprig aus der Fritteuse kommen.

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