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Influencer : Nach zwei Stunden Schminken schimmert und glitzert es überall

  • -Aktualisiert am

Bild: Philip Waechter

Fast zu schön, um wahr zu sein: Marken wollen den 19 Jahre alten Daniel als Werbefläche haben. Der Frankfurter über seine Arbeit als Influencer.

          3 Min.

          Jungs beziehungsweise Männer werden in der Kosmetik-Branche unterdrückt und belächelt“, betont Daniel Walter aus Frankfurt, während er über seine Arbeit als Influencer auf dem sozialen Netzwerk Instagram berichtet. Stolz erzählt der 19-Jährige: „Mein Profil bekam Anfang 2017 immer mehr Aufmerksamkeit und wuchs dann rasch auf 30 000 Follower.“ Heute sind es bereits 40 000 Leute – Tendenz steigend –, die dem Schüler, der zurzeit sein Abitur macht, im Internet folgen, tagtäglich seine Beiträge sehen und mit „Gefällt mir“ markieren. Je mehr Einfluss jemand im Internet hat, desto interessanter wird er für Firmen, die nach Möglichkeiten suchen, ihre Werbung zu plazieren. Diese Erfahrung machte auch Walter: „Damit kamen auch Marken auf mich zu, die mich als Werbefläche haben möchten“, erklärt er. Für den Influencer bedeutet dies, Geld verdienen zu können, wenn er für bestimmte Marken wirbt. „Ich habe mich bewusst nur für Make-up entschieden, da es mir mehr Freude bereitet, meine kreative Ader entfalten zu können“, verrät er selbstbewusst. Unter dem Namen „danielsbeauty“ lässt sich eine Reihe von qualitativ hochwertigen Bildern einsehen, die jedes Mal mit viel Arbeit und Liebe produziert und bearbeitet wurden. Seine unterschiedlichen, farbenfrohen Make-up-Looks werden abwechselnd als Nahaufnahme und als sogenanntes „Full Face“ präsentiert. Es schimmert und glitzert überall. Natürlich ist das alles nicht, soll es aber auch gar nicht sein, sondern dem Betrachter vielmehr „Make-up als Kunst“ näherbringen. Der Entstehungsvorgang eines Bildes ist durchaus kompliziert, wie Daniel Walter erläutert: „Um ein Foto zu veröffentlichen, überlege ich mir erst mal, welche Produkte in Frage kommen, danach werde ich circa zwei Stunden damit verbringen, mich zu schminken.“ Für einige hört sich das unverhältnismäßig viel an, sich zwei Stunden zu schminken, aber das Endergebnis kann sich sehen lassen und zeige ihm, dass es sich gelohnt habe. „Danach werde ich mich eine halbe Stunde mit meinem iPhone fotografieren, anschließend noch die Fotos aussortieren und bearbeiten, was auch noch eine halbe bis zu einer Stunde Zeitaufwand bedeutet, dann kann ich es auch wirklich posten“, erklärt Walter mit sichtlicher Zufriedenheit in seinem Blick. Doch damit ist es nicht getan.

          Das klingt zu schön, um wahr zu sein

          Die Marken, mit denen er Kooperationen eingeht, werden auf seinen Bildern markiert, und es wird jedes Produkt aufgeführt, denn das ist es, was später Geld bringen wird. So können seine Abonnenten genaustens sehen, welche Produkte Daniel Walter benutzt hat, und sie nachkaufen. „Mir macht es sehr viel Spaß, neue Marken und Produkte kennenzulernen und zu testen“, schildert er seine Motivation. Die Marken profitieren, Walter auch, da er die Produkte kostenlos bekommt im Austausch dafür, dass er diese auf seinem Profil nennt und zeigt. Das klingt alles super einfach und zu schön, um wahr zu sein, aber es gibt auch gewisse Abmachungen, an die man sich halten muss. Eine davon lautet in etwa so: „Zum Beispiel darf ich nicht verraten, mit welcher Marke ich ein Produkt rausbringen werde.“ Das bedeutet, dass Daniel erst dann seine Abonnenten mit einem eigenen Produkt überraschen kann, wenn auch die Marke das Einverständnis zur Veröffentlichung gibt. Vorher dürfen die Marke und das Produkt nicht bekanntgegeben werden. Man erkennt, dass dies keine allzu große Einschränkung ist, aber trotzdem zu einem Störfaktor werden könnte. Besonders in dieser Branche hört man immer wieder von vielen Faktoren, die eher unschön sind. „Ich sehe bei mir persönlich sehr wenig Unterstützung auch seitens der großen Influencer und Marken“, ärgert sich der Schüler. Es wird deutlich, dass er nicht nur gute Erfahrungen mit seinem Hobby gemacht hat, sondern von seinem Umfeld überwiegend überraschte und verständnislose Rezensionen bekam, die bis heute gelten.

          Enttäuschende Erfahrungen

          Bestürzt teilt er offenherzig mit: „Meine Eltern sind bis heute damit nicht einverstanden. Sie akzeptieren, dass ich homosexuell bin, aber nicht, dass ich Make-up trage und als Influencer arbeite. Auch meine Klasse und heterosexuelle, männliche Freunde meiden den engeren Kontakt mit mir.“ Doch das sind nicht die einzigen Probleme, mit denen er zu kämpfen hat: „Ich habe enttäuschende Erfahrungen gemacht, vor allem in dem Punkt, dass viele Marken aus Frankreich nie Männer in ihrer Werbung zeigen oder diese sponsern, geschweige denn mit ihnen eine Kooperation eingehen.“ Walter machte noch andere enttäuschende Erfahrungen: „Dass mehrere Marken jetzt überteuertes, aber dezentes Make-up für Männer rausbringen, was mehr als die normale Version für Frauen kostet, das macht mich sauer und traurig zugleich.“ Doch das merkt man ihm nicht an. Denn wenn man sein Instagram-Profil besucht, erkennt man einen jungen, motivierten und selbstbewussten Mann, der sein Handwerk versteht und aufwendige Make-up-Looks mit der Öffentlichkeit teilt. „Ich erhoffe mir, dass ich weiter wachsen kann und die Barrieren langsam verschwinden, damit es angenehmer ist, sich auch so zeigen und darauf stolz sein zu können“, formuliert er seinen Traum. Freimütig gibt er zu, dass auch finanzielle Interessen eine Rolle spielen. „Natürlich ist es ein Ziel für mich, auch irgendwann davon leben zu können“, schließt er optimistisch.

          Illustration Philip Waechter

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