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Im englischen Internat : Ellen lebt ihren englischen Traum

  • -Aktualisiert am

Bild: Andrea Koopmann

Ellen ist von ihrem deutschen Gymansium auf ein englisches Internat gewechselt. Manchmal paukt sie bis abends Economics und History im Denstone College und schwärmt vom straffen Tagesablauf.

          3 Min.

          Das Gemäuer wirkt so, als hätte es schon Jahrhunderte gesehen. Hohe, spitze Türme säumen das Haus. Die Wiesen rundherum sind so weit, dass man kaum weiß, wo sie enden. Kein Geräusch ist zu hören, das diese Idylle stört. Ding, dong, plötzlich springt Ellen Uphues aus dem Bett auf, wie in diesem Moment tausend andere es ihr gleichtun. Hektik kommt auf, und plötzlich laufen viele Schüler und Schülerinnen über den Campus. Das Gebäude, das so anmutig wirkt, ist kein Schloss, das etwa im Besitz eines reichen Adligen ist, nein, es ist das Denstone College in der Nähe von Manchester, seit 1868 der Ort des Lernens und Lebens für Hunderte von Schülern.

          Ellen, ein schlankes Mädchen mit langen, dunkelbraunen Haaren und großen braunen Augen, die immer dezent geschminkt sind, kommt aus Deutschland, genauso wie elf weitere Schüler der Abschlussklasse des Denstone College. Der Manager-Vater und die Mutter, die Hausfrau ist, haben die 19-Jährige von der Kleinstadt-Villa in Kempen ins Denstone College geschickt, da Ellen „von frühester Kindheit an“ ins Ausland gehen wollte, wie Annegret Uphues mit festem Blick beteuert. „Es war ganz allein ihre Entscheidung.“ Das College ist die Vorbereitung auf den weiteren geplanten Werdegang von Ellen, die nach ihrem Abschluss Business in Maastricht studieren will.

          Manche Schultage enden um 20.30 Uhr

          Fächer wie „Economics“, „Design und Technologie“ oder „Drama“ sind am Denstone College auf den Stundenplänen zu lesen. Die Schüler können ihre Fächer frei wählen und sich somit mit acht Stunden je Fach in der Woche auf ihr individuelles A-Level, das dem deutschen Abitur ähnelt, vorbereiten. Aber auch der spätere Berufswunsch wird durch diese Fächer berücksichtigt, da macht es den Schülern auch nichts aus, dass ein Schultag nicht wie in Deutschland von 8 bis 14 Uhr dauert, sondern auch schon mal von 8 bis 20.30 Uhr, natürlich mit zwei Pausen dazwischen.

          Das fällt den Schülern schon deswegen leichter, weil an englischen Schulen auch AGs zwischen den regulären Stunden geboten werden – konkret zweiundsechzig davon am Denstone College, darunter Exoten wie „Holocaust study“ und „Critical thinking“ und weit mehr als zwanzig Sportarten wie „Life saving“, „Shooting“, „Hockey“ oder „ Rugby“. Ellens Mutter lächelt bei dem Gedanken an diese Zuwendungen für ihr Kind, denn sie ist sich sicher, dass das Denstone College ihrer Tochter eine optimale Förderung bietet.

          Das können aber nicht alle Eltern so ohne weiteres ihren Kindern bieten. Anna Straetmanns, die einen schwarzen Kapuzenpullover zu einer blauen Jeans trägt, schaut durch ihre Brille etwas skeptisch drein. „Ich weiß, dass meine Eltern mir den England-Aufenthalt ermöglichen würden, wenn es mein absolut größter Wunsch wäre, in England meinen Abschluss zu machen. Aber es wäre schwer für meine Eltern, und ich bin ja kein Egoist“, meint Anna, während sie sich mit der Hand durch die Haare fährt. Die 19-Jährige besucht die zwölfte Klasse, nur nicht wie Ellen am Denstone College, sondern am Luise-von-Duesberg-Gymnasium in Kempen.

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