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Hummelforscher Schmidt-Hempel : Ein Bombologe über ein spannendes Völkchen

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Der Schweizer Hummelforscher Schmid-Hempel ergründet die geheimen Strategien der Bienengattung und weiß viel über die nützlichen Tiere, die am liebsten unter sich bleiben.

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          Ein Blick in die Natur lohnt sich immer“ ist eines der Lebensmottos von Paul Schmid-Hempel. Seit seiner Kindheit interessiert sich Schmid-Hempel für die Naturwissenschaften. Anfangs waren es vor allem Physik und Astronomie, später in der Jugendzeit änderte sich seine Sichtweise, und er war von der Biologie begeistert. „Geprägt hat mich sicher, dass ich am Rand der Stadt Zürich aufwuchs und somit als Kind jeden Tag in den Wald gehen konnte“, sagt er. Nach dem Biologiestudium an der Universität Zürich promovierte er mit einer Arbeit über die Ökologie und Nahrungserwerbsstrategien der Ameise Cataglyphis in den Wüsten Nordafrikas. Darauf folgte ein Forschungsaufenthalt an der Oxford University und der Royal Society in London.

          „Ich habe das Studium sehr genossen, es war interessant und vielfältig.“ Nach dieser Zeit wechselte er an das Zoologische Institut der Universität Basel, wo er half, die neue Richtung der Evolutionsökologie aufzubauen. Ab 1985 widmete sich Schmid-Hempel dem Studium natürlicher Wirt-Parasiten-Systeme und deren Bedeutung für die Ökologie und Evolution der Organismen. Hierbei nutzte die Forschergruppe rund um den Biologen die Hummeln. „Wir haben das System der Hummeln gewählt, da wir darin verschiedene praktische Vorteile gesehen haben, wie zum Beispiel den Hintergrund, dass Hummeln soziale Tiere sind und somit bessere Zusammenhänge erschlossen werden können“, erklärt der charismatische Brillenträger. 1991 wurde er als Ordinarius für experimentelle Ökologie an die ETH Zürich berufen.

          Apidologe, Evolutionsbiologe, Ökologe

          „Der Begriff Bombologe wurde von einigen Jahren von einem Journalisten erfunden, wahrscheinlich inspiriert durch den lateinischen Gattungsnamen Bombus, der Fachbezeichnung für die Hum-mel. Seither geistert er durch die Presse, sicherlich wegen der offensichtlichen Nähe zur ,Bombe‘“, stellt der 72-Jährige klar. „Unter den wissenschaftlichen Kollegen ist man entweder Entomologe, also Insektenforscher, oder Apidologe, welcher sich der Erforschung von Bienen widmet.“ Somit wäre Schmid-Hempel ein Apidologe, da die Hummeln zur Gattung der Bienen gehören. Betrachtet man aber die Fragestellungen, die der Professor während seiner Forschung verfolgt, zählt man ihn zu den Evolutionsbiologen und Ökologen.

          Damit die Forschungsfragen bestmöglich beantwortet werden können, muss man das Verhalten der Hummeln genauestens unter die Lupe nehmen. Das kann sich ziemlich schwierig gestalten, denn wie sollte man eine Vielzahl an identischen Hummeln unterscheiden? Schmid-Hempel erklärt: „Man muss die Hummeln individuell markieren. Dies macht man mit Nummernplättchen, die eigentlich in der Honigbienen-Zucht verwendet werden, um die Königin zu markieren. Doch in diesem Falle erfüllt es ebenfalls den Zweck der Differenzierung.“ Das Beobachten stellt eine weitere Hürde dar, denn die Hummeln mögen es nicht, wenn sie gestört werden. Um dies zu umgehen, verwendet man als Lichtquelle Rotlicht. Denn wie die meisten Tiere sehen die Hummeln die Farbe Rot nicht, so können die Forscher unter Einfluss von Rotlicht das Verhalten dokumentieren. Man kann aber auch Proben nehmen, um weitere Faktoren, wie etwa die Infizierung oder den genetischen Fingerabdruck, zu bestimmen. „Schlussendlich hängt die Methode von der Fragestellung ab, denn diese sollte möglichst aufschlussreich sein“, sagt der emeritierte Professor.

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