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Hotel-Security : Einkaufen mit dem „King of Pop“

  • -Aktualisiert am

Rudi Lehn hat für die Sicherheit im Frankfurter Luxushotel gesorgt. Eine abenteuerliche Position. Einmal stand er mit einem Weltstar im Lastenaufzug.

          Den Präsidenten von Amerika beschützen oder mit Michael Jackson nachts einzukaufen, das wären für viele Menschen unglaubliche Erlebnisse. Für den 73-jährigen Rudi Lehn gehörte dies zu seinem Beruf, als er für die Sicherheit im Kempinski Hotel Frankfurt verantwortlich war. Stars wie Bruce Springsteen oder deutsche Nationalspieler waren keine seltenen Gäste im Hotel. Seine Stelle bei der Polizei musste er aus gesundheitlichen Gründen aufgeben. Lehn erinnert sich noch gut, wie er mit Whitney Houston den Lastenaufzug benutzte, um der Presse zu entgehen: Die Sängerin wollte ungesichtet und ohne belästigt zu werden ins Freie gelangen, doch die Hotellobby war von Journalisten besetzt. Im Vergleich zu seinem früheren Arbeitsplatz ist sein Zuhause im Kahlgrund, wo er zum Gespräch einlädt, eine andere Welt.

          Horde wildgewordener Mädchen

          Auch als Take That im Kempinski wohnten, wurde es nicht langweilig. Während des Aufenthalts der Band belagerten junge Fans, hauptsächlich Mädchen, die Parkanlage. Manche hatten sich sogar mit Einverständnis der Eltern ein Zimmer im Erdgeschoss gebucht und öffneten die Fenster, so dass weitere Jugendliche hineinstürmten. Als Lehn versuchte, die Mädchen am Haupteingang aufzuhalten, verletzte er sich am Arm. „Der kam unglücklicherweise zwischen Tür und Rahmen.“ Kaum zu glauben, dass der heute so ruhige und entspannte Lehn sich mit seinen 1,79 Metern gegen eine Horde wildgewordener Mädchen durchsetzen konnte.

          Als Robbie Williams und Co. ein Konzert in der Frankfurter Festhalle geben sollten, kam es am Eingang zu einem Zwischenfall, bei dem Schusswaffen eingesetzt wurden. Eine bewaffnete Person wollte sich unerlaubt Zutritt zum Konzert verschaffen. Nachdem Schüsse gefallen und die Zuschauer in Aufruhr waren, wurde das Konzert abgebrochen. Glücklicherweise befand sich Rudi Lehn zu diesem Zeitpunkt im Kempinski: „Auch wenn nichts Schlimmeres passiert ist, bin ich froh, dass ich in der Festhalle nicht anwesend war. Obwohl ich als pensionierter Kriminalbeamter gefährliche Situationen gewohnt war, wollte ich mich als Vater von drei Kindern nicht in Lebensgefahr begeben.“ Die Gruppe ließ sich nicht die Laune verderben, nahm im Hotel das Piano in Beschlag und besorgte Gitarren. So gab es ein improvisiertes Privatkonzert für die Gäste, die mit Feuerzeugen eine romantische Stimmung erzeugten.

          Bill Clinton kam in Jeans und Lederjacke

          Wenn eine so bedeutende Person wie der ehemalige US-Präsident Bill Clinton zu Gast war, galt die höchste Sicherheitsstufe: Kanaldeckel wurden zugeschweißt, und im Außenbereich des Parks wurden auf den Hochhäusern Scharfschützen postiert. Die Stimmung war angespannt. Nur der Sicherheitschef konnte das Zimmer der Präsidenten öffnen und schließen. Lehn weiß noch, wie er mit FBI-Beamten am Aufzug, der nur für den Präsidenten gesperrt wurde, auf diesen wartete. Bill Clinton kam in Jeans und Lederjacke auf sie zu. Als er ungefähr 20 Meter vor ihnen stand, bog er ab, um den Notausgang zu benutzen. Die drei Sicherheitskräfte ließ er verwundert zurück. Für Lehn war der Vorfall amüsant: „Berühmte Personen machen gerne mal ihr eigenes Ding.“

          Bei der Ankunft fiel er hinauf

          So auch Michael Jackson, der in der Nacht vor seiner Abreise unbedingt shoppen gehen wollte. Also öffnete Lehn die Kosmetikboutique des Hotels und begab sich mit der Abteilungsleiterin und dem „King of Pop“ hinein. Trotz des Hygienewahns von Jackson, der bis zu diesem Zeitpunkt noch Handschuhe und Mundschutz trug, testete er unzählige Parfüms und Cremes an Gesicht und Händen, was Lehn bis heute wundert. Er vermutet, Jackson fühlte sich im Kempinski wohl und verzichtete deshalb auf seine Maske. Nachdem er schließlich Produkte im Wert von 700 Dollar gekauft hatte, war für ihn die nächtliche Einkaufstour beendet. Sonst wurde Jackson während seines Aufenthalts kaum gesehen. Doch ein Moment ist Rudi Lehn noch gut in Erinnerung: „Bei seiner Ankunft, die auch in der Nacht stattfand, trug er eine Sonnenbrille und ist direkt die Foyertreppe hinaufgefallen. In solchen Situationen muss man sich jedes kleinste Lachen verkneifen.“

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