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Schweizer Schreiner : „Holz ist etwas Warmes, etwas Feines“

  • -Aktualisiert am

Bild: Moni Port

Giovanni Battaglias ist seit 40 Jahren Schreiner und mag bis heute die Vorstellung, etwas selbst herzustellen

          3 Min.

          Badezimmermöbel, Küchenmöbel, Einbauschränke, Eckbänke und ab und zu die ein oder andere Tür“ – solches zu fertigen ist Giovanni Battaglias’ Beruf. Der 56-Jährige sitzt in seinem Büro an seinem großen Schreibtisch und trägt ein rotes Hemd und Brille. Hinter ihm steht ein breiter, weißer Schrank mit grauen Verzierungen. „Selbst gemacht genau wie der Tisch“, erzählt er stolz. Der groß gewachsene und schlanke Mann ist nämlich Schreiner, und das schon seit fast 40 Jahren. Schreiner werden wollte er schon immer, erzählt er. Nachdem er als Jugendlicher mit 15 Jahren die obligatorische Schule abgeschlossen hatte, schickten ihn seine Eltern zwar zuerst auf eine private Handelsschule in Rapperswil am Zürichsee, doch schon nach einem halben Jahr merkte er, dass das nichts für ihn war. Also begann er nach Abschluss der Handelsschule im April 1982 seine Lehre als Möbelschreiner in Einsiedeln in der Innerschweiz, damals nur wenige Meter von zu Hause entfernt. „Mich faszinierte die Vorstellung, etwas selbst herstellen und meine Fantasie benutzen zu können.“ Vier Jahre später schloss er seine Lehre ab und fing auch gleich an, in einer Werkstatt in Einsiedeln zu arbeiten. Dort arbeitet er noch heute zusammen mit 14 weiteren Arbeitern.

          Von 7 bis 17 Uhr folgt er dem Wochenplan

          Von seinem Büro bis zur Arbeit sind es nur wenige Minuten, und manchmal nimmt er auch sein Velo, um dorthin zu gelangen. Die Werkstatt ist klein, hat hohe weiße Wände und einen grauen Boden. Mittendrin, vor einem weißen Regal, steht seine Hobelbank. An der arbeitet er am meisten. Das Regal ist gefüllt mit vielen kleinen Schachteln voller Schrauben, Nägeln und anderen Beschlägen, die er für seine Arbeit braucht. In der unteren linken Ecke bewahrt Giovanni ein kleines, weißes Radio auf. Mit diesem hört er Musik und Nachrichten. Etwas hinter der Hobelbank steht ein weiß lackierter Tisch, auf dem sich Holzplatten türmen. Weiter hinten sieht man eine schmale Arbeitsfläche mit einigen Schubladen, auf der eine Kippfräse steht. Jede Woche von Montag bis Freitag arbeitet Giovanni hier, und jede Woche gibt es neue Aufträge, die er erledigen muss. Sein Arbeitstag beginnt um sieben Uhr morgens und endet um 17 Uhr. Er arbeitet mit einem Wochenplan. Dort ist alles aufgelistet, was er zu erledigen hat. Er fertigt Arbeiten, die nicht in Serie produziert werden können, wie zum Beispiel Möbel, die an eine Dachschräge angepasst werden müssen.

          Etwas, was er noch nie gemacht hat

          Als Erstes muss er dafür einen Plan machen, danach schneidet er die Teile dafür zu, verarbeitet sie weiter, entfernt zum Beispiel eventuelle Kanten und fräst Löcher im Holz mit einer computergesteuerten Maschine, einer Handoberfräse oder einem Bohrer weg, und zum Schluss baut er die Teile zusammen. Auf die Frage, was Herausforderungen in seinem Beruf seien und ob ihm schon Fehler unterlaufen sind, antwortet er: „Wo gearbeitet wird, passieren Fehler. Ab und zu muss man etwas verbessern oder einzelne Teile neu machen. Aber man kann aus ihnen lernen.“ Weiter erzählt er: „Manchmal haben Kunden ganz spezielle Wünsche oder wollen ein Möbelstück, das ich noch nie gemacht habe, und dann muss ich mir überlegen, wie ich es jetzt am besten hinkriege.“

          Massivholz ist weniger gefragt

          In den vier Jahrzehnten, in denen er schon Schreiner ist, habe sich der Beruf weiterentwickelt, sagt er. Der Stil ist moderner geworden. Während früher Möbel aus Massivholz gefragt waren, stellt er heute mehr schlichte, glänzend und farbig gespritzte Möbel her. Es habe sich auch vieles automatisiert. „Wenn man zum Beispiel einen runden Tisch will, kann das heute eine Maschine machen, aber früher kriegte ich eine Spanplatte, und dann hieß es: So, jetzt mach es rund. Am Schluss sah dann kein Tisch genauso aus wie der andere, da wir ja alles von Hand machten.“ Er findet, dass das damals am Beruf aber spannender war, denn man musste kreativ werden, um Lösungen zu finden. Trotzdem fasziniert ihn seine Tätigkeit noch bis heute. „Holz ist etwas Warmes, etwas Feines“, erklärt er. „Und wenn man ein schönes Möbel gemacht hat und die Leute daran vorbeigehen, dann sehen sie es und auch die Arbeit, die dahintersteckt.“

          „So leben, wie die Leute dort leben“

          Wenn er gerade nicht arbeitet, verbringt er viel Zeit mit seiner Frau, die als Hilfsarbeiterin in einer Spedition arbeitet. Am Mittag geht er nach Hause, wo sie gemeinsam essen. An den Wochenenden gehen sie gemeinsam spazieren oder erledigen Arbeiten zusammen. Die Zeit mit seiner Familie ist ihm wichtig. Er hat eine erwachsene Tochter, die als Coiffeuse arbeitet und nicht mehr bei ihnen wohnt. Zu Hause repariert er auch vieles allein, er stellt auch Möbel für sich und seine Familie her. Seine Veranda sowie seine Küchenmöbel hat er eigenhändig gebaut. Mit seiner Frau zusammen geht er auch gerne auf Reisen. Er war schon an vielen Orten auch außerhalb von Europa. „Bei unseren Reisen haben wir uns immer ein Stück weiter getraut“, sagt Giovanni Battaglias. Zuerst vor allem in Touristenziele, später auch in abgelegeneren Orte. Es gefällt ihm, neue Orte, Kulturen und Menschen kennenzulernen. Deswegen geht’s in den Ferien auch meistens nicht ins Hotel. „Wir mieten lieber eine Wohnung und versuchen so zu leben, wie die Leute dort leben.“

          , Kantonsschule Zürcher Oberland, Wetzikon

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