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Hilfe für Guinea-Bissaus : Acht Euro Monatsgehalt

  • -Aktualisiert am

Ein deutscher Lehrer in Portugal hilft einer der ärmsten Inseln Guinea-Bissaus an der Westküste Afrikas.

          Vor neun Jahren starben ungefähr 30 Prozent der Neugeborenen auf der kleinen Insel Soga 80 Kilometer vom Festland Guinea-Bissaus an der Westküste Afrikas entfernt. Damals war sie noch eine der ärmsten Inseln des westafrikanischen Staates. Viele Menschen starben dort an Krankheiten wie Malaria, Durchfallerkrankungen und der Elefantenkrankheit. Die eigens für diese Notsituation gegründete portugiesische Hilfsorganisation „Servir outra gente com amor“, „Anderen in Liebe zu dienen“, kurz S.O.G.A., will den Menschen auf der Insel helfen, damit sie ein besseres Leben haben. Michael Görne, Präsident der Organisation, sagt: „Das Projekt ist eines der größten Geschenke und das, das mich am meisten bewegt hat.“ Der bodenständige Theologe lernte seine Frau in Brasilien kennen und zog ihretwegen nach Portugal. Inzwischen lebt der dreifache Vater schon seit 27 Jahren im Südwesten Europas und arbeitet als Lehrer am Colégio da Imaculada Conceição. Die ersten zehn Jahre waren für ihn schwer, doch inzwischen hat er einen großen Freundeskreis und fühlt sich hier wohl.

          Verfallene Kasernen der Kolonialzeit

          Als der Deutsche mit dem großen Herzen das erste Mal das westafrikanische Land bereiste, war der erste Eindruck schockierend. „Es war dort furchtbar heiß. Außerdem gab es dort kaum Straßen, die Häuser hatten gerade mal ein Stockwerk, und die Menschen benutzten den bloßen Boden als Markt, um ihre Produkte zu verkaufen.“ Sein eigentliches Ziel war die zwei Tagesreisen entfernte Insel Soga, auf der die Menschen noch viel unterentwickelter lebten als auf dem Festland. Bei seiner Rückkehr auf den Kontinent kam dem schlanken Mann Guinea-Bissau wie Europa vor. Soga war wie eine andere Welt. Auf der 8,5 Kilometer langen und zwei Kilometer breiten Insel gibt es gerade mal fünf Dörfer. Die Insel ist grün, hauptsächlich wachsen dort Palmen und Buschwerk. Außerdem findet man dort riesige, breite Bäume, die beeindruckend sind. „Man bräuchte mindestens zwanzig Personen, um diesen Baum zu umarmen“, erklärt Görne. Der höchste Punkt der Insel ist gerade mal 18 Meter hoch, also würde bei einem Tsunami die komplette Insel verschwinden. Guinea-Bissau gehörte seit Ende des 16. Jahrhunderts zu den portugiesischen Kolonien, weshalb man auch noch auf der Insel verfallene alte Kasernen und eine Krankenstation finden kann. Im 20. Jahrhundert lebte eine deutsche Familie auf der Insel Soga, die durch die Produktion von Palmöl ihr Geld verdiente. Doch in den 30er Jahren zog diese Familie auf eine Nachbarinsel, wodurch das wirtschaftliche System ins Bröckeln geriet. In den 70er Jahren, als Guinea-Bissau unabhängig wurde, gab es gerade mal 14 Menschen mit Universitätsabschluss, die sich um das gesamte Land kümmern sollten. Es gab keine Verkehrsverbindung mehr mit der Insel, wodurch das kleine Soga in Vergessenheit geriet und sich isolierte. Durch den nicht vorhandenen Kontakt zur Außenwelt hatten die Bewohner keine Möglichkeit, an Medikamente, sauberes Trinkwasser oder Bildung zu gelangen. So war Soga zu einer der ärmsten Inseln geworden.

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