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Hebamme : Intime Momente

  • -Aktualisiert am

Bild: Christopher Fellehner

Janika Schätzle hat 800 Geburten betreut und ist dabei, wenn aus einem Paar eine Familie wird. Die Hebamme rennt zwischen den Kreißsälen hin und her.

          Arbeiten im Schichtdienst, selten ein pünktlicher Dienstschluss, ständige Erreichbarkeit – das alles gehört zu Janika Schätzles Berufsalltag. Die 27-Jährige wusste bereits mit 17 Jahren, was sie werden möchte: Hebamme. „Schon in der Schulzeit war mir klar, dass ich später in den sozialen Bereich gehen möchte. In der 11. Klasse absolvierte ich ein Praktikum bei einer Hebamme und bewarb mich nach dem Abitur für die Ausbildung“, erzählt sie lächelnd. Nachdem die Berlinerin ihre Ausbildung abgeschlossen hatte, arbeitete sie zunächst im Krankenhaus. Nach zwei Jahren klinischer Arbeit entschied sie sich, darüber hinaus freiberuflich als Hebamme zu arbeiten. Das bedeutet, dass sie Frauen zu Hause, überwiegend nach der Geburt im sogenannten Wochenbett betreut. „Ich bin dabei, wenn aus Paaren eine Familie zusammenwächst, begleite und unterstütze sie.“

          Freiheit oder Schutz des Arbeitgebers

          Doch birgt dieser Beruf auch einige Tücken. Es gibt oft keinen geregelten, planbaren Alltag. „Vor allem als Freiberufliche muss man organisiert sein, da man sich beispielsweise selbst versichern muss.“ Da die Berufsgruppe der Hebammen verhältnismäßig klein ist, ist sie nicht sonderlich attraktiv für Versicherungen. Die Versicherungsbeiträge steigen stetig, so dass im Endeffekt auch die Behandlung immer teurer wird. Als Hebamme im Krankenhaus arbeitet man im Angestelltenverhältnis und bezieht ein regelmäßiges Einkommen. Dies bietet einem eine gewisse finanzielle Sicherheit und den Schutz des Arbeitgebers. Gleichzeitig ist man jedoch dem Arbeitgeber verpflichtet. Als freiberufliche Hebamme kann man seinen Arbeitstag hingegen weitgehend frei gestalten. Man kann entscheiden, wie viele Frauen man betreuen möchte, muss aber gleichzeitig alles selbst verwalten und organisieren. Schätzle entschied sich für eine zusätzliche Freiberuflichkeit neben ihrer Tätigkeit als Angestellte, als eine Freundin schwanger wurde. „Sie hatte mich gefragt, ob ich sie im Wochenbett betreuen kann. Ich stimmte zu und musste mir dann alles Notwendige dafür anschaffen und mich versichern. Nachdem ich das alles gemacht hatte, wollte ich diesen Weg weitergehen und reduzierte meine Arbeit in der Klinik.“

          Plötzlich verstummen die Herztöne

          Hebamme zu sein bedeute, viel Geduld und Einfühlungsvermögen aufzubringen, stressresistent und teamfähig zu sein, erklärt sie. Der Beruf werde nicht langweilig: „Die Geburt läuft natürlich immer nach einem ähnlichen Schema ab, und es sind auch oft die gleichen Fragen, die mir am Anfang gestellt werden. Jedoch ist jede einzigartig und besonders, vor allem für die werdenden Eltern, was man niemals aus den Augen verlieren darf. Ich darf das Wunder des Lebens täglich hautnah erleben.“ Bisher hat sie rund 800 Geburten betreut. Auch Fehl- und Totgeburten gehören dazu. „Es passiert, dass beim Termin plötzlich während des Ultraschalls keine Herztöne beim Kind festgestellt werden und die Frau ihr Kind leblos auf die Welt bringen muss. Natürlich berührt mich so etwas, jedoch muss man die Professionalität wahren. Wichtig ist es auch, Mitgefühl zu zeigen sowie viel und offen mit den Frauen darüber zu reden.“ Solche Schicksalsschläge erleben viele Frauen, doch meist wird darüber nicht einmal im Freundeskreis gesprochen. „Oft höre ich von Frauen, dass, als sie sich Freunden anvertraut haben, sie dadurch erfahren haben, dass es auch schon anderen passiert ist.“

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