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Handgraveur : Ein Opernglas für die Königin

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Er ist geschickt und geduldig: Werner Bader ist Handgraveur im Südschwarzwald. Aber seine Kundschaft ist durchaus international.

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          Ich bin Kunsthandwerker.“ So beschreibt Werner Bader aus dem 30 Kilometer östlich von Freiburg gelegenen Breitnau im Südschwarzwald seine Arbeit als Handgraveur. Seitdem er vor knapp 70 Jahren von seinem Vater ohne Abschluss aus der Oberschule genommen wurde, geht er täglich ans Werk. Kalligraphie und Heraldik, Waffen- und Musikinstrumentgravuren, aber auch Radierungen und Kupferstiche gehören zu seiner Arbeit. Die Werkstatt des gebürtigen Schwaben ist hell und licht. Neben der einladenden Sitzecke mit Kamin findet man verschiedene Schleif- und Poliermaschinen, Tiefdruckpressen für den Druck der Kupferstiche und Dutzende Stichel, das älteste und wohl wichtigste Werkzeug eines jeden Graveurs. Ein Stichel wird im Gegensatz zum Meißel unmittelbar von Hand geführt. Er besteht aus einem hölzernen, birnenförmigen Handgriff und der daran befestigten, aus gehärtetem Stahl angefertigten Schneide, mit der die Stiche in Metalle oder Holz eingearbeitet werden.

          Mit Vollbart und grauem Arbeitshemd

          Der großgewachsene Mann mit den weißen Haaren, dem Vollbart und der großen Brille erzählt mitreißend von seinem Werdegang. Er trägt ein sogenanntes Arbeitshemd, einen grauen Arbeitskittel, der bis zu den Knien reicht. Graveur ist ein anerkannter Ausbildungsberuf, der als duale Ausbildung innerhalb von drei Jahren erlernbar ist. Nach der Gesellenprüfung ist eine Meisterprüfung möglich, aber nicht erforderlich, um einen selbständigen Gravierbetrieb zu gründen. „Es gibt unzählige Möglichkeiten, mit diesem Basisberuf Geld zu verdienen“, versichert der Graveurmeister. Viele gelernte Graveure machen noch ein Schmuck- oder Grafikdesignstudium.

          Spielerunterschriften für die Nationalmannschaft

          Um die verschiedenen Druckgrafiken, Radierungen, Holzschnitte und Kupferstiche bis zur Perfektion zu beherrschen, benötige es jahrelange Übung. Bader macht das seit 68 Jahren. Er fertigte unter anderem die Gravur eines Opernglases für Königin Elisabeth II. oder die Gravur aller Spielerunterschriften der deutschen Handball-Nationalmannschaft auf dem vergoldeten Spielball nach dem Sieg der Weltmeisterschaft 1978. Bis heute ist er international gefragt und hat Kontakt zu Kunden über die Grenzen Europas hinaus. „Solange ich in der Bundesliga spielen kann, mache ich weiter; sobald ich in Abstiegsgefahr komme, höre ich auf.“

          Was treibt ihn, im Alter von 82 Jahren weiterhin Aufträge anzunehmen? „Es ist mir einfach nicht möglich, mich hinzusetzen und in die Landschaft zu schauen. Es ist immer wieder eine handwerkliche Herausforderung, und ebendiese Herausforderung reizt mich bis heute.“

          Massenware mit Hilfe von Fräsmaschinen

          Der Graveurberuf bestehe im Wesentlichen aus zwei Teilen: Es gibt den kunsthandwerklich orientierten Handgraveur, der in handwerklichen Gravierbetrieben verbreitet ist, und den stark technisch orientierten, bei industriellen Werkzeugherstellern angesiedelten Graveur. Der Unterschied besteht darin, dass im industriellen Bereich mit Hilfe von CNC-Fräsmaschinen Massenware produziert wird und der Graveur nach bearbeiteter Stückzahl bezahlt wird. Im handwerklichen Gravierbetrieb hingegen werden auf Kundenwunsch hin private Schmuckstücke oder auch Musikinstrumente individuell graviert. Diese Arbeit ist also deutlich abwechslungsreicher, durch den direkten Kundenbezug persönlicher und künstlerischer geprägt.

          Die Kunst des Schönschreibens

          „Der Begriff Künstler darf jedoch nicht zu hoch gehängt werden“, sagt Bader. Der Graveurberuf sei und bleibe ein Handwerksberuf. Die Hauptaufgabe ist das Verzieren von Gegenständen mit Kunstschriften, Ornamenten, Wappen und anderen bildlichen Darstellungen. Grundlegender Bestandteil der Lehre ist also die Kalligraphie, die Kunst des Schönschreibens. Um Graveur zu werden, sollte man daher unbedingt ein ausgeprägtes zeichnerisches und gestalterisches Können mitbringen, ist sich Werner Bader sicher. Des Weiteren seien eine ruhige Hand und Ausdauer wichtige Voraussetzungen. Es ist keine Seltenheit, dass ein Graveur für die Fertigstellung einer anspruchsvolleren Arbeit 150 Arbeitsstunden benötigt. Im Gegensatz zum technischen Graveur ist der Handgraveur ein aussterbender Beruf. Es gibt fast keinen Nachwuchs mehr. „Ich kann mit Stolz behaupten, einer der letzten Handgraveure in Deutschland zu sein“, sagt Werner Bader.

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