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Handballstar Denis Špoljarić : Eine Klasse für sich

  • -Aktualisiert am

Bild: Moni Port

Ein kleiner Knochenbruch beendete eine der größten Karrieren im Welthandball. Olympiastar Denis Špoljarić ließ sich nicht unterkriegen und agiert als Diplomat.

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          Handball war mein Leben. Alles, was ich wusste und konnte, war Handball.“ Denis Špoljarić aus Zaprešić, 20 Kilometer westlich von Zagreb, war von 2010 bis 2016 als Handballprofi für das Bundesligateam Füchse Berlin aktiv. Mehrfach war er mit seinen Teams zuvor bereits kroatischer Meister, gewann auch die Landestitel in der Schweiz und in Slowenien. Mit dem Berliner Club wurde er deutscher Pokalsieger und gewann den EHF-Pokal. Doch der Bruch eines kleinen Mittelhandknochens in der rechten Wurfhand beendete eine der größten Karrieren im Welthandball.

          1,95 Meter groß und 100 Kilo schwer

          So begann im Mai 2016 ungewollt ein neuer Lebensabschnitt für den 37-jährigen Kroaten. „Es ist nicht so einfach, wenn man weiß, dass so ein tolles Kapitel vorbei ist. Aber ich konnte mich wegen der Dauer der Verletzung darauf einstellen.“ Fast zwei Jahre laborierte er nach einem Trainingsunfall im September 2014 an der Verletzung herum. Zwei Operationen und Spezialisten konnten nicht helfen. „Ich kann mit Schmerzen noch immer etwas vom Boden aus hochziehen. Aber ein Glas Bier heben, mit ausgestrecktem Arm, das ist nicht mehr drin.“ Jetzt ist der dreifache Vater noch mehr Familienmensch, als er es schon immer war. Zum Gespräch in der großen Sporthalle in Zaprešić bringt Špoljarić seine Tochter mit. Nya, acht Jahre alt, ist ein Wirbelwind und zieht sofort alle Aufmerksamkeit auf sich. Der Vater dagegen, 1,95 Meter groß, gut 100 Kilo schwer, ist ruhiger. So spielte er auch und sagt schmunzelnd: „Bob Hanning, der Manager der Füchse Berlin, soll gesagt haben: Denis macht keinen Schritt zu viel. Aber auch keinen zu wenig.“

          Beide Finalspiele gewannen sie gegen die Deutschen

          Mit 14 Toren in vier Spielzeiten der Handball-Bundesliga ist die Wurfausbeute des „sanften Riesen“ zwar überschaubar. Aber wenn er im Mittelblock einer Handballmannschaft stand, dann kam kaum einer an ihm vorbei. Ob im Verein oder in der kroatischen Nationalmannschaft, er war einer der besten Verteidiger der Welt. 2003 wird er mit Kroatien Weltmeister, 2004 Olympiasieger. „Bei 2003 waren wir jung und selbst noch ein bisschen überrascht“, sagt Špoljarić lachend, „2004 waren wir aber von uns überzeugt.“ Die Geschichte hat eine Pointe. Denn beide Finalspiele gewann das kroatische Team gegen die deutsche Nationalmannschaft. Diese Spiele haben die Beziehung keinesfalls getrübt: „Damals waren wir das bessere Team, heute ist es im direkten Vergleich die deutsche Mannschaft. So ist das eben im Sport, es geht auf und ab“, sagt Špoljarić lakonisch. Diese deutsch-kroatische Geschichte habe eine weitere internationale Komponente, denn sie habe mit einem isländischen Trainer zu tun: „Dagur Sigurdsson war mein Trainer bei den Füchsen in Berlin. Jetzt war er Trainer der deutschen Nationalmannschaft und hat sie 2016 ganz überraschend zu Europameistern gemacht. Er ist ein sehr guter Psychologe und weiß, wie man mit den Spielern umgehen muss.“

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