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Greifvogelstation Hellenthal : Für die Wildnis trainiert

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Bild: FAZ

Falkner Fischer von der Greifvogelstation über Auswilderungen, Eifeler Paarbildungen und die Zucht der Weißkopfseeadler.

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          Wir sind die ersten erfolgreichen Weißkopfseeadlerzüchter und züchten mittlerweile fast alles, was wir haben, sei es Sakerfalke, Wanderfalke, Kaiseradler, Steinadler und verschiedene Eulen“, verkündet der 65-jährige Falkner Karl Fischer, der einer der beiden Inhaber des Wildfreigeheges Hellenthal mit integrierter Greifvogelstation ist. Die Zusammenlegung mehrerer Ländereien im Jahre 1967 bildete die Grundlage für den Park, der durch seine Größe von mehr als 64 Hektar eine große Vielfalt an Greifvögeln ermöglicht. Der Park erstreckt sich außerhalb der kleinen Eifelstadt Hellenthal, einer Gemeinde in Euskirchen nahe der belgischen Grenze.

          Sturzflüge erlernen

          In der Greifvogelstation gibt es ein separates Zuchtprogramm, das heißt für das abgeschottete Aufziehen gibt es eigene Bereiche, die über Video von den Tierärzten und -pflegern überwacht werden und von Besuchern nicht betreten werden können. Erst später werden die Vögel an die Besucher gewöhnt oder im Anschluss auf eine Auswilderung vorbereitet. Dafür wendet man die Wildflugmethode an. Jungtiere werden auf ein Leben in der Wildnis vorbereitet, indem Muskeln und die nötige Fitness aufgebaut sowie Sturzflüge erlernt werden, um eine erfolgreiche Beutejagd zu garantieren. Zudem lernen die Vögel, wie sie ihre Feinde erkennen können und wie sie mit verschiedenen Wetterumständen umgehen müssen. Falls die Elternvögel ihren Schlupf nicht großziehen können, da sie keine Erfahrung im Brut- und Aufzuchtgeschehen haben, oder ein gefundenes Tier nicht an seinen Fundort zurückgebracht werden kann, müssen die Tierärzte eingreifen und das Tier selbst großziehen. Der Falkner sagt aber: „Das ist eigentlich nicht der Plan. Grundsätzlich ist der Plan, dass die Eltern ihre Jungen selbständig großziehen.“

          Die erste Weißkopfseeadler-Nachzucht gelang 1980. Eine Nachzüchtung wird meist nicht vom Menschen eingeleitet, sondern das Weibchen sucht sich einen geeigneten Partner aus. Wenn es deutlich wird, dass sich die Vögel vertragen, wird wiederholt mit den beiden Vögeln gearbeitet, bis sie ein Paar werden. Daraufhin warten die zuständigen Mitarbeiter des Parks ab, wann das erste Ei gelegt wird, das in den meisten Fällen unbefruchtet ist. Die unbefruchteten Eier werden gesammelt oder sofort entsorgt. Wenn weitere Gelege folgen, wird über eine Unterstützung der befruchteten Eier und somit einen potentiellen Zuwachs der Art nachgedacht. „Wir sind kein Unternehmen, bei dem man sagen kann, dass wir Wert auf die Nachzucht legen, sondern die Eier kommen, wenn sich ein Vogelpaar findet. Wir haben auch keinen Rechenplan, also so und so viele Junge müssen wir haben“, erklärt Falkner Fischer. In diesem Jahr wurden bisher rund 140 Eier gelegt, von denen 21 Junge geschlüpft sind. Viele Eier sind zwar befruchtet gewesen, durch wechselnde Temperaturen starb der Großteil jedoch ab.

          Vögel kennen keine Pachtgrenzen

          Einige Arten der Greifvögel können durchaus ausgewildert werden, jedoch nur die einheimischen Sorten. „Einen amerikanischen Weißkopfseeadler kann man in Deutschland nicht auswildern“, erklärt der Eigentümer. Es werden durchaus Angebote zwischen Stationen aus verschiedenen Ländern ausgetauscht, jedoch ist die Einführung von deutschen Vögeln ins Ausland – zum Beispiel nach Nordamerika – noch heute aufgrund des Arten- und Naturschutzes ein langwieriger Prozess. Es kann nämlich sein, dass sich die Tiere nicht an ihre neue Heimat anpassen und daher verhungern. Außerdem muss darauf geachtet werden, dass die Vögel keine Reviergrenzen anderer Jagdpächter überfliegen, die keine weiteren Beutegreifer in ihrem Gebiet wünschen. Da sich Greifvögel an diese Gebietsgrenzen nicht halten, werden sie nur an den Orten ausgewildert, die den nötigen Gesetzen und Verordnungen entsprechen. Viele Greifvogelstationen, Zoos und Falknereien arbeiten bei nationalen und internationalen Auswilderungs- und Arterhaltungsprojekten zusammen, um den Erhalt dieser Tiere zu sichern.

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