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Golf : Wer sich verbessern will, muss sich runterspielen

  • -Aktualisiert am

Für Ben geht es jetzt Schlag auf Schlag: Ist er reif für den Golfplatz? Der 15-Jährige trainiert im Chiemgau. Ein Ortstermin bei Rosenheim.

          4 Min.

          Weiße Wolken zieren den hellblauen Himmel. Es riecht nach frisch gemähtem Gras. Man hört Vögel zwitschern und das Klacken der Schläger. Es ist 10 Uhr. Fünf Spieler trainieren bereits fleißig auf der Driving Range des Golf Clubs Höslwang im Chiemgau e.V. Der Club liegt etwa 22 Kilometer nordöstlich von Rosenheim. Unter den Golfern ist der 15-jährige Ben Baker. Er schlägt einen Ball. Man sieht ihn fast nicht und hört nur ein Zischen. Der Junge mit den braunen Haaren und dem Golfercap trägt ein rotes Polo-Shirt und eine schwarze Hose. Er trainiert zusammen mit dem 54-jährigen Frank Schefer, dem drahtigen Golfprofessional des Clubs.

          34 Regeln für die Theorie

          Für Ben steht in drei Tagen seine praktische Platzreife-Prüfung an. Den theoretischen Teil hat er schon hinter sich. „Es war gar nicht so einfach, sich all die Regeln zu merken, welche Bedeutung die verschiedenen Markierungen haben und wann man wie viele Strafschläge bekommt.“ Alle Golfsportinteressierten müssen diese zwei Prüfungen bestehen, um die Platzreife zu erhalten, die Erlaubnis, ohne Trainer die 18 Löcher auf einem Golfplatz zu spielen. Außerdem erhält man sein Handicap, und man darf dann auch an den regelmäßig ausgetragenen Turnieren teilnehmen. Für die theoretische Prüfung gilt es, 34 Regeln zu beherrschen. Natürlich können diese 34 Regeln nicht alle denkbaren Situationen auf dem Golfplatz umfassen, deswegen gibt es zusätzlich ein 800-seitiges Buch, das sich nur mit Sonderfällen beschäftigt.

          Mit einem Zischen davon

          Manche sagen, dass Golf nur für Rentner ist, doch viele Jugendliche finden Interesse an dem Sport. „Ich wollte einfach etwas Neues ausprobieren, denn der Golfsport ist mal etwas ganz anderes als die Standardsportarten wie Fußball oder Tennis“, sagt Ben. „Außerdem faszinieren mich immer die Schläge, bei denen man den Ball gut trifft und er dann mit einem Zischen davonfliegt. Und man ist bei jedem Wetter in der freien Natur. Das Motto jedes Golfers ist: Es gibt kein schlechtes Wetter.“
          „Schau mal, wohin du dich ausrichtest. Da kann der Ball nicht auf die weiße Fahne fliegen.“ Schefer in seiner schwarzen Hose und schwarzen Softshelljacke zeigt seinem Schüler, dass er links an der Fahne vorbeizielt. Der Golfprofessional demonstriert sein Können. Es sieht leicht und elegant aus, wenn er mit seinem siebener Eisen den nur 44 Gramm schweren Golfball an die Fahne setzt.

          Stolz zeigt er den Schlägersatz

          Das Eisen 7 ist der perfekte Schläger zum Trainieren. Es ist das mittlere Eisen des Schlägersets. Die Eisen 6, 5 und 4 sind länger und man kommt weiter. Die Eisen 8, 9, Pitchingwedge und Sandwedge sind kürzer und für kurze Strecken gedacht. „Versuch es erneut, und richte dich diesmal besser aus.“ Frank spielt schon seit 1977 Golf und hilft seit Jahren Golfanfängern zur Platzreife. Nach dem deutlich besseren Schlag zeigt Ben stolz seinen Schlägersatz: „Ich habe ein Sandwedge, ein Pitchingwedge, die Eisen sechs bis neun, drei Hölzer und einen Putter.“ Für die kurzen Schläge auf das Grün, also die Annäherungen ab etwa 100 Metern und darunter, sind die Wedges konzipiert. Für mittlere und etwas weitere Entfernungen bis zu 160 Metern benutzt Ben die sogenannten Eisen, angefangen vom neuner bis zum fünfer Eisen, für die langen Schläge die Hölzer, diese haben den längsten Schaft und den größten Schlägerkopf.

          Frank ist zuversichtlich

          Man benutzt sie für alle Schläge über 160 Meter und auch für den ersten Schlag, den man auch „Drive“ nennt. Dabei versucht man, so weit wie möglich zu kommen, um dann mit dem zweiten oder dritten Schlag das Grün zu erreichen. Der Putter ist der wichtigste Schläger, denn ihn benutzt man zum Einlochen auf dem Grün. Er kommt etwa 30- bis 35-mal zum Einsatz. Der praktische Teil der Platzreife besteht darin, mit seinem Golfprofessional auf die Runde zu gehen. Der „Golfpro“ achtet dann darauf, wie sein Schüler die Regeln anwendet und ob er wirklich bereit für den Platz ist. Frank ist zuversichtlich. Er ist der Meinung, dass Ben so weit ist. Schließlich trainiert er schon fast drei Monate für die Platzreife.

          Der Platz ist 6190 Meter lang

          Während Ben übt, erklärt Frank, was ein Handicap ist: „Das Handicap ist eine individuelle Kennnummer, die ungefähr die Spielstärke eines Golfers beschreibt. Man fängt mit -54 an. Das bedeutet, man darf am Beispiel vom Golfplatz Höslwang, der Par 72 hat, 54 Schläge mehr haben, also 126. Par bedeutet, wie viele Schläge man für das Loch brauchen sollte. Man kann sein Handicap verbessern, indem man sich runterspielt. Wie weit hängt von dem Ergebnis am Ende jedes vorgabewirksamen Turniers ab.“ Es gibt drei verschiedene Arten von Löchern oder Bahnen. Die Par drei, Par vier und Par fünf Bahnen. Für ein Par vier Loch rechnet man, mit dem zweiten Schlag das Grün zu erreichen und zwei Putts zum Einlochen. Der Golf Club Höslwang hat vier Par drei Löcher, elf Par vier und drei Par fünf Bahnen. Die Länge des gesamten Platzes beträgt 6190 Meter, und es werden maximal vier Stunden und 20 Minuten für eine komplette Runde benötigt.

          Schwünge auf dem großen Monitor

          „Das Ziel jedes Neulings sollte sein, so schnell wie möglich Handicap -36 zu erreichen. Denn damit kann man auf fast allen fremden Plätzen spielen. Viele Plätze haben nämlich eine Minimalvorgabe von -36, um dort spielen zu dürfen“, belehrt Frank mit einem motivierenden Blick auf Ben. „So wie du spielst, wirst du es schon bald schaffen.“ Kurz vor Schluss des Trainings begeben sich die beiden in Frank Schefers Abschlaghütte. Dort befinden sich eine Matte mit künstlichem Rasen, einige Messgeräte, Kameras und ein großer Bildschirm. Frank macht eine Videoaufnahme und zeigt sie Ben auf dem großen Monitor. Zu Demonstrationszwecken stoppt Frank die Aufnahmen an verschiedenen Stellen des Schwungs.

          Noch mal auf die Driving Range

          „Deine Haltung ist schon ganz gut, aber wie du hier siehst, bist du etwas über deiner Schwungebene.“ Schefer deutet auf eine Linie, die er in der Ausgangsposition eingezeichnet hatte. Die Linie fängt beim Schlägerkopf an und geht durch den Bauchnabel des Schülers. „Schwinge beim nächsten Schlag gefühlt weiter nach hinten.“ Mit jedem weiteren Schlag tastet sich Ben immer näher an die Schwungebene. „Das reicht für heute. Um dich noch besser vorzubereiten, solltest du morgen noch mal auf die Driving Range gehen.“ Die Driving Range ist das Trainingsgelände für Golfspieler, auf dem das Golfspiel in all seinen Varianten geübt und verbessert werden kann. Mit einem Handschlag verabschiedet sich Frank von Ben. Er hat jetzt Mittagspause und muss sich schon auf seine nachfolgenden Unterrichtsstunden vorbereiten. Ben schlägt noch die letzten zehn Bälle in Richtung 100-Meter-Markierung.

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