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Götz Alsmann : Mensch, für die bin ich wie Familie

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Bild: Moni Port

Götz Alsmanns Karriere nahm in einem Alter Schwung auf, in dem für die meisten der Zug abgefahren ist. Ein Treffen mit dem Jazzmusiker und Moderator in Münster.

          People are people“ war im Jahre 1985 sein kleiner Hit. Damals lief das Lied in englischer Sprache täglich im Radio. Doch seit mehr als 20 Jahren singt Götz Alsmann nur noch deutsche Lieder, denn man solle in der Sprache singen, in der man träume und Witze mache, findet er. Der Musiker und Moderator sitzt in der Nische eines Münsteraner Cafes und nippt an seiner Tasse. Für Musik hat Alsmann sich schon immer interessiert. Das lag auch an seinem Elternhaus, dort war Musik ein alltägliches Thema. Zeitgleich mit seiner Einschulung begann er, Blockflötenunterricht zu nehmen. „Obwohl ich eigentlich Klavier spielen wollte“, merkt der 61-Jährige an. Doch das klappte erst später, als ein bezahlbares Exemplar gefunden war. „Für 50 Mark, mein erstes eigenes Klavier, das gebrauchte von einer Studentenverbindung“, erinnert er sich, „wo schon viel Bier rübergekippt wurde.“

          Als Junge bekam er ein Banjo

          Seine Begeisterung für Musik ließ nicht nach, mit zwölf Jahren bekam er ein Banjo, mit dem er in Jazzbands spielte. Drei Jahre später stieß er zur „Heupferd Jug Band“, mit der er seine ersten drei Platten aufnahm. „Ich war überrascht, dort akzeptiert zu werden, denn die waren alle viel älter.“ Später machte er als Pianist bei einer anderen Band mit. So entstand allmählich die Vorstellung, beruflich auf jeden Fall etwas mit Musik zu machen. Nach Abitur und Wehrdienst begann er das Studium der Musikwissenschaft an der Westfälischen Wilhelms-Universität in seiner Heimatstadt Münster. Zusätzlich studierte er Publizistik, und Germanistik, da das zu allem passe. „Germanistik und Publizistik waren beide nur der Beifang, die Musikwissenschaft hat mich am meisten gepackt“, ergänzt der Freiberufler. Heute moderiert er Rundfunksendungen mit Jazzmusik, die montagabends bei WDR4 und samstags bei WDR3 laufen. „Deren Vorbereitungen nehmen mich zeitlich am meisten in Anspruch“, sagt der Vater eines Sohnes. Bekannt wurde er im Hörfunk, als er mit einer Band einmal im ersten WDR-Lokalsender in Dortmund auftrat, und bei dieser Gelegenheit anfragte, ob es dort nicht Platz für einen jugendlichen Jazzmoderator gebe. Der nächste Schritt war eine Sonntagabendsendung im Deutschlandfunk. Danach ging es weiter mit dem Fernsehen: 1986 bekam er im WDR die Samstagabendshow „Roxy“. Es folgten andere Angebote, so dass Alsmann bei mehreren Sendern wie zum Beispiel RIAS TV und schließlich wieder bei beim WDR zu sehen war. „Eine Kreisbewegung also“, stellt der Mann mit der dunklen Haartolle, der rot gemusterten Krawatte und dem passenden braunen Anzug schmunzelnd klar. „Meine erfolgreichste Show war aber ,Zimmer frei‘ beim WDR, die ich 20 Jahre lang mit Christine Westermann moderiert habe. Vor zwei Jahren haben wir aufgehört, da wir den Höhepunkt schon erreicht hatten und nicht zu stark überschreiten wollten.“

          Stundenlang Warten auf Karten

          Seit 1982 ist Alsmann beim Büro „Roofmusic“, das ihn managed. Dahin kam er durch den Firmengründer Bernd Kowalzik, der sein Entdecker ist. „Mein eigentlicher Durchbruch gelang mir aber erst 1996 oder 1997. Da war ich mit 39 Jahren in einem Alter, in dem in dieser Hinsicht der Zug für die meisten Menschen schon abgefahren ist“, setzt er hinzu. Heute warten seine Anhänger schon mal bis zu dreieinhalb Stunden vor Beginn des Kartenvorverkaufs am Kassenhäuschen des Münsteraner Theaters. Ansonsten geht er oft auf Tournee: Alle zwei Jahre erscheint ein Jazzmusik-Album von ihm, aus dem er dann, bis das nächste herauskommt, auf Konzerten im deutschsprachigen Raum singt. Im Jahr sind es in etwa 100. „Doch diese muss ich nicht einzeln vorbereiten, denn das Album kenne ich ja.“ Das aktuelle Programm steht noch bis Ende 2019, es handelt sich um italienische Schlager. Neben seinen Tourneen und Radiomoderationen lehrt er, wenn auch nur unregelmäßig, jedes zweite Semester in Masterclasses für Chansongesang an seiner ehemaligen Universität, an der er vor sieben Jahren zum Honorarprofessor ernannt wurde, und hält in den Semestern dazwischen Vorlesungen über Musikgeschichte. „Einen richtigen Alltag habe ich eigentlich nicht, wenn, dann ist er sehr vielseitig.“ Einen Rat für junge Menschen, die eine ähnliche Karriere machen wollten, habe er aber nicht. Denn die Medienlandschaft sei ganz anders geworden als früher. „Mein Sohn ist Rockmusiker und verbreitet seine Lieder auf Facebook und Co., während bei uns damals alles davon abhing, ob man eine eigene Platte bekam oder nicht. Das war kompliziert und teuer, man musste erst mal ein Studio finden, sich bei der Presse bekanntmachen, jedes Mal wieder ein Kampf“, erzählt Alsmann. Den er gewonnen hat. Heute ist er so bekannt, dass er zumindest im deutschsprachigen Gebiet nicht mehr auf die Straße gehen kann, ohne angesprochen zu werden. „Aber das ist schmeichelhaft, die Leute sagen schließlich etwas Freundliches“, sagt er lächelnd und fügt hinzu: „Manche berichten mir auch private Dinge über ihre Familien. Das hat mich anfangs verwundert, bis ich gemerkt habe, Mensch, für die bin ich ja wie ein Familienmitglied, weil ich 20 Jahre lang jeden Sonntagnachmittag bei denen im Wohnzimmer erschien.“ An eine Rente denkt der bekannte Westfale allerdings nicht. „Das ist mit diesem Beruf sehr schwierig.“

          So ein richtiges Hobby hat er nicht

          Auch für Hobbys bleibe nur wenig Zeit. „Doch das macht nichts, denn die habe ich ja alle zum Beruf gemacht.“ Seine freie Zeit verbringe er am liebsten mit seiner Familie, lese und gehe manchmal zu Preußen Münster, dem Fußballverein seiner Heimat im Norden von Nordrhein-Westfalen. „Aber so ein richtiges Hobby, wie zum Beispiel Tauben zu züchten oder zu angeln, habe ich nicht“, sagt der promovierte Musikwissenschaftler. Ein besonderes Ereignis sei die Neueröffnung des Brandenburger Tores im Oktober 2002 gewesen, die er vor einer Million Menschen moderierte und die in 50 Länder übertragen wurde. Was er an seinem Beruf am liebsten möge, könne er nicht sagen. Aber wenn man etwas erarbeite, habe man schon im Gefühl, ob es gut werde oder nicht.

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