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Glasbläser : Glühen fürs Glas

  • -Aktualisiert am

Immer wieder greifen sie nach der Wasserflasche

Währenddessen entnimmt ein zweiter Glasmacher einer Arbeitswanne eine Gießkelle voll von der orange-gelblich glühenden Glasmasse. Zähflüssig wie Honig tropft der Überschuss vom Stiel und zieht lange, glühende Fäden. Am Boden ausgebreitet, liegt ein stark gewelltes Blech. Glitzernd weiß wie Neuschnee überlagern sich auf ihm hauchdünne Schichten der verschütteten Glasmasse. Die Masse besteht hauptsächlich aus Quarzsand, Kalk und Soda. Durch die Beigabe einiger Zusatzstoffe wird das Gemisch homogen gemacht; so wird eine möglichst saubere und schnelle Schmelzung erreicht. Die Hitze treibt den Arbeitern Schweißperlen auf die Stirn. Immer wieder wischen sie sich mit dem Handrücken über das Gesicht oder greifen zur Wasserflasche. „Im Sommer können die Temperaturen schon mal auf 40 bis 50 Grad steigen“, sagt Niederer. „Im Arbeitsbereich liegen sie allerdings bedeutend tiefer als auf der erhöhten Zuschauertribüne.“ Außerdem wird von den seewassergekühlten Ofenwänden nur wenig Wärme abgestrahlt.

Abkühlung auf einem Laufband

Inzwischen ist das Werk des ersten Glasbläsers fast fertig. In einer raschen, aber sanften Bewegung schlägt er nahe der Flasche auf den Stiel der Pfeife, worauf diese abgeschlagen wird. Kurz darauf greift er zu einer weiteren Stange und befestigt sie mit ein wenig Glasmasse am Boden der Flasche. In einem Spezialofen wird die Flasche erneut auf rund 1000 Grad erhitzt. Dann setzt er ein Eisen in die glühende Öffnung hinein und treibt sie von innen her auf. Später wird das Glas während sechs bis sieben Stunden auf einem Laufband von 540 Grad bis auf Zimmertemperatur abgekühlt. Zu diesem Zweck ist der Raum, den das Fließband durchläuft, in Sektoren unterschiedlicher Wärme unterteilt. Der Prozess dient dazu, Sprünge verursachende Spannungen im Glas zu vermeiden. Gemessen wird die Spannung jeweils mit polarisiertem Licht. „Im Idealfall erscheint das Glas violett. In diesem Fall ist es völlig spannungsfrei. Zeigt es hingegen eine gelbliche Färbung, muss es nochmals durch den Ofen“, beschreibt Produktionschef Eduar Arabiano das anstehende Verfahren. Währenddessen betrachtet der Glasbläser zufrieden das entstandene Werk. „In jedes Glas gibt der Glasmacher auch etwas von sich“, sagt Arabiano.

Das hat viel mit Emotionen zu tun

In Istanbul geboren, wanderte er in jungen Jahren in die Schweiz ein und ist seit 1964 geachteter Mitarbeiter bei der Glasi. „Ich wollte Geld verdienen und die Sprache lernen und bin dann schlichtweg hängengeblieben.“ Bis heute ließ ihn die Glasbläserkunst nicht mehr los. „Das Faszinierende am Glasmachen ist für mich, dass man aus einer sehr flüssigen Materie etwas formen kann, was am Schluss wunderschön aussieht“, schwärmt der kahlköpfige 68-Jährige mit den buschigen Augenbrauen.

Als Mitglied des vierköpfigen Gestaltungsteams ist er mit zuständig für die Entwicklung neuer Muster und Formen. Arabianos Augen leuchten hinter den Brillengläsern auf, während er von der Arbeit berichtet. Auch sein Chef liebt den besonderen Charme der handgefertigten Produkte. Obwohl sich maschinell hergestelltes Glas heute in seiner Qualität nicht mehr von handgefertigtem unterscheidet, will Niederer die herkömmlichen Produkte nicht mit den eigenen in einen Topf werfen. Stolz verkündet er: „Unser Glas ist noch von Mund und Hand gemacht. Auch hat das Ganze viel mit Emotionen zu tun. Ganz anders eine Maschine, sie hat keine Gefühle.“

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